Trump und die US-Medien: ein Frontverlauf

07. Februar 2017, 11:27 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Donald Trump, das kann man sicher sagen, hat weltweit das Mediennutzungsverhalten am Morgen geändert. Was hat er getwittert? Wen belobigt, wen beschimpft? Wem gedroht, wen verhöhnt?

Nichts hat sich vom Kandidaten zum US-Präsidenten geändert. Es ist nur wichtiger geworden und noch mehr beachtet. Trump feuert seine 140-Zeichen-Salven weitestgehend ungebremst direkt an Volk und Follower. Das ist insofern konsequent, als er sich mit «den Medien» im Krieg befindet.

Dieser Kleinkrieg, er ist für den Präsidenten Alltag geworden. Er lässt auch die ungewöhnlichsten und fernsten Anlässe nicht aus, um die «Versager der New York Times» zu beschimpfen, «Fake News CNN», ABC oder MSNBC. «The very dishonest press», die sehr unehrliche Presse, das geht ihm so leicht von den Lippen wie anderen «How are you?» (Wie geht's?). Trump bedroht die traditionsreichen Sender NPR und die «Voice of America». Journalisten, so wirkt es, gehören für ihn zu den niedrigsten Lebensformen, sind Abschaum.

Was Trump am Montag in Tampa auspackte, war noch schwereres Geschütz. Bei Terroranschlägen gebe es aktive Nachrichtenunterdrückung, raunte er mit dunklem Blick vor Militärs, man wisse schon, warum. Eine Quelle oder einen Beweis nannte der mächtigste Mann der Welt nicht. Das Weiße Haus lieferte später eine Liste mit 78 Anschlägen nach, über die nicht ausreichend berichtet worden sei. Darunter die Attacken in Berlin, Paris und Nizza mit vielen Toten. Es gibt ein berühmtes Zitat: Das erste, was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit.

Medien in den USA wehren sich. Springen nicht mehr über jedes hingehaltene Stöckchen. Berichten nach Kräften, was ist.

Die «New York Times» hat ihre Kräfte für das Weiße Haus verstärkt, die «Washington Post» ebenso. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Leaks, Dramolette und Durchstechereien, die in früheren Zeiten tagelanger Gesprächsstoff gewesen wären. Heute blitzt die Sonne des Aufmerksamkeitshochs grell, aber kurz - und weiter. Nächstes Thema.

Oder Trump selbst lenkt, meisterlich, das öffentliche Bewusstsein auf anderes. Ist die Debatte über Kellyanne Conways «alternative Fakten» wichtiger oder die Auseinandersetzung mit harter Sachpolitik über Klima, Finanzen, Erziehung, Gesundheit? Wer profitiert hier wovon?

Studien zeigen, dass Trumps Taktik, den Medien die Ehre abzusprechen, in seiner Anhängerschaft zum einen bestens verfängt. Zum anderen ist vielen des Präsidenten Krieg mit den Medien nur ferner Geschützdonner von der Ostküste. Sie sehen Fox News und lesen Breitbart. «New York Times», CNN oder MSNBC nehmen sie gar nicht wahr. Anders als Trump.

Denn bei allem Getwitter, Trump ist ein Kind des Fernsehens. Er beherrscht das Medium perfekt. Wenig ist ihm so wichtig, Telegenität bedeutet ihm sehr viel. Die «New York Times» und andere beschreiben, wie sehr das Fernsehen für Trump eine Art höheren Realitätsbeweis darstellt. Was nicht gesendet wird, findet nicht statt.

Fünfeinhalb Stunden sieht der durchschnittliche Amerikaner täglich fern. Auch darauf gründet der Präsident seine Strategie, inszeniert sich möglichst viel vor Kameras. Die beharrlich laufenden Bilder vermitteln den Eindruck eines geschäftigen, fleißigen Präsidenten.

Medienwissenschaftler Neil Postman: «Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.»

Was bei inszenierten Unterschriften oder einem kurzen Statement für die Kameras fehlt, sind Nachfragen. Das ist vielen mehr Polit-PR als Journalismus, aber übertragen wird trotzdem, als gebe es dafür ein Gesetz. Nachfragen fehlen aber auch oft in den Trump-Interviews, vor allem kritische: Wenn der Präsident seine USA auf eine Stufe mit Russland stellt, unversehens das rasche Ende von Obamacare abräumt, die Gesundheitsreform seines Vorgängers, lässt etwa Fox News das unhinterfragt. Schlechtes Handwerk hat sich seit der Wahl an vielen Stellen nicht verbessert.

Geändert hat sich einiges im täglichen Briefing des Weißen Hauses. Sprecher Sean Spicer hält es knapper, was nicht schlecht sein muss. Er hat aber in Interviews klargestellt, dass er von seinem umstrittenen Premiere-Anpfiff-Auftritt gegen die Medien nichts zurückzunehmen habe. Spicer lässt aber Nachfragen zu, antwortet unter offensichtlichem Druck und oft sehr scharf. Die Fragen an das vor ihm sitzende Corps gehen nun nicht mehr überwiegend an die Großen in den Reihen eins und zwei. Spicer ruft vermehrt kleinere Medien auf, auch Boulevard- und stark konservative Vertreter. Und man kann sich jetzt online zuschalten.

Skype-Konferenzen sind vielerorts Alltag, im Weißen Haus sind sie neu. Mindestens zwei Radio- oder TV-Menschen aus Ohio, Texas oder Florida können nun live fragen. Vertreter der White House Press Association loben die größere Vielfältigkeit - wären nur die Fragen besser. «Herr Spicer, großartig, dass Sie das Weiße Haus für uns geöffnet haben; die Regierung tut ja bereits viele großartige Dinge, wann wird sie damit bei uns in Kentucky beginnen?»

Hilfreich im Sinne der Aufklärung ist das nur begrenzt. «Vergesst diesen vermeintlichen Zugangs-Journalismus», fordert Jay Rosen von der New York University. «Lasst das die Praktikanten machen. Kümmert Euch um das wirklich Wichtige.» Das dürfte Trumps sinistrer Chefstratege Steve Bannon verhindern wollen, öffentlich brandmarkte er die Medien als Opposition. In diesem Klima ist Frieden fern, aber viele Journalisten ziehen aus der Hochspannung auch neue Energie.

Medien / Regierung / Terrorismus / Präsident / USA
07.02.2017 · 11:27 Uhr
[0 Kommentare]
Gordon Schnieder (Archiv)
Mainz - Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz liegt die CDU laut einer neuen Umfrage des ZDF-"Politbarometers" knapp vorn. Wenn es um die Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten geht, wird allerdings Alexander Schweitzer (SPD) deutlich vor seinen Konkurrenten von CDU und AfD bevorzugt. Wenn schon an diesem Sonntag Landtagswahl […] (00)
vor 5 Minuten
Stewie Griffin und sein Teddy Rupert
(BANG) - 'Family Guy' bekommt ein weiteres Spin-off: Stewie Griffin erhält seine eigene TV-Serie. Der Sender Fox Broadcasting Company und der Streamingdienst Hulu haben zwei Staffeln einer neuen 'Family Guy'-Ablegerserie bestellt, die sich auf das extravagante und exzentrische Baby von Peter und seiner Frau Lois Griffin konzentriert. Die ersten Episoden […] (00)
vor 1 Stunde
Sharp Fernseher – Die J-Serie für jeden Anspruch
Made in Japan“: Sharp startet mit erschwinglichen, erstklassigen Home-Entertainment-Produkten mit modernster Bild- und Tontechnologie ins Jahr 2026. Das Unternehmen verbindet jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Fernseher mit japanischen Qualitätsstandards und dem Wunsch, Spitzenqualität erschwinglich zu machen. Brillante Bilder Die […] (00)
vor 1 Stunde
Solasta 2 startet im Early Access – das epische Taktik-Rollenspiel entführt dich nach Neokos
Vier Geschwister, ein unbekannter Kontinent und ein Konflikt, der Glaube, Politik und göttliche Mächte untrennbar miteinander verwebt: Mit Solasta II legt Tactical Adventures das Fundament für ein Abenteuer, das sich sehen lassen kann. Ob das Spiel hält, was es verspricht, zeigt sich jetzt – denn der Early Access ist ab sofort auf Steam verfügbar. […] (00)
vor 12 Minuten
Dreharbeiten: Natalia Wörner ist wieder «Unter anderen Umständen»
An ihrer Seite auch wieder Ralph Herforth als Matthias Hamm. Erst kürzlich beging das ZDF das 20-jährige Jubiläum von Unter anderen Umständen, das passend mit der 25. Folge gefeiert werden konnte. Und auch in Zukunft wird es weitergehen: Denn derzeit werden in Schleswig-Holstein und Hamburg zwei weitere Filme der ZDF-Krimireihe mit den Arbeitstiteln "Stich ins Herz" und "Ein guter Mann" […] (00)
vor 1 Stunde
Vor dem Großen Preis von China
Shanghai (dpa) - Auftaktsieger George Russell gibt auch beim Formel-1-Gastspiel in China das Tempo vor. Der britische Mercedes-Pilot holte sich nach der Trainingsbestzeit auch Startplatz eins für das Sprintrennen am Samstag (4.00 Uhr/Sky). Russell verwies seinen italienischen Teamgefährten Kimi Antonelli auf Rang zwei. «Das Auto hat sich supertoll […] (00)
vor 18 Minuten
bitcoin, coin, icon, symbol, logo, bitcoin logo, currency, cryptocurrency
Ein Nutzer versuchte am 12. März, AAVE-Token im Wert von $50 Millionen in Tether über die Aave-Oberfläche zu kaufen. Der Handel verlief jedoch schlecht, nachdem der Nutzer eine Warnung über extreme Slippage akzeptiert hatte. Stani Kulechov, Gründer und CEO von Aave Labs, erklärte, dass die Transaktion eine einzelne, sehr große Order über die Aave- […] (00)
vor 35 Minuten
Erfolgsstory Bayerisches Gartennetz - 15 Jahre Tourismusfördering für Gärten
Dennenlohe, 13.03.2026 (lifePR) - Sabine Freifrau von Süsskind stellte vor 15 Jahren fest: In Bayern gibt es unzählige Gärten, Vereine, Initiativen und Menschen mit Wissen, Erfahrung und Leidenschaft – doch oft arbeiteten sie nebeneinander statt miteinander. Aus dieser Idee entstand das Bayerische Gartennetz : eine Plattform, die verbindet, sichtbar […] (00)
vor 1 Stunde
 
Bauer mit Traktor (Archiv)
Wiesbaden - Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte sind im Januar 2026 um […] (00)
Chemie-Anlagen (Archiv)
Frankfurt am Main - Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland bleibt […] (00)
Neue Gasheizung (Archiv)
Berlin - CSU-Generalsekretär Martin Huber verspricht Schutzvorkehrungen für Mieter im […] (04)
Rolltreppen am Hauptbahnhof
Berlin (dpa) - Die weltberühmte spanische Treppe in Rom hat 136 Stufen – Berlin hat […] (02)
Mickey Rourke
(BANG) - Mickey Rourke hat behauptet, er habe aufgehört, die Miete für sein Haus zu […] (00)
KRC Genk - SC Freiburg
Genk (dpa) - Der SC Freiburg hat auf dem Weg zur erhofften Viertelfinal-Premiere in […] (03)
Pokémon – Mega-Entwicklung Wachsendes Chaos – Erweitert euer Deck mit neuen Boosterpacks
The Pokémon Company International gab heute bekannt, dass die neueste Erweiterung  […] (00)
Der riskante Milliarden-Jonglierakt der Carlyle Group erschüttert den Markt
Die Carlyle Group reagiert mit extremen Maßnahmen auf die anhaltende Flaute im […] (00)
 
 
Suchbegriff