Exklusivität im Fadenkreuz: Wohin steuert Xbox zwischen Ökosystem und Publishing?
Die Gaming-Welt brodelt, denn bei Microsoft scheinen hinter verschlossenen Türen weitreichende Diskussionen über die Zukunft der Xbox zu laufen. Seit der neue Microsoft Gaming CEO Asha Sharma in einem internen Memo die gestiegenen Kosten des Game Pass thematisierte, mehren sich die Anzeichen, dass Xbox an einem Scheideweg steht. Steuert das Unternehmen auf eine Zukunft als reiner Spiele-Publisher zu oder hält es an seinem etablierten Konsolen-Ökosystem fest? Dies ist die zentrale Frage, die derzeit die Korridore in Redmond beschäftigt und weitreichende Konsequenzen für Millionen von Spielern weltweit haben könnte.
Die Gretchenfrage: Ökosystem-Gigant oder Publishing-Macht?
Laut Jez Corden von Windows Central, der sich im Xbox 2 Podcast mit Rand al Thor 19 äußerte, ringt die Konzernleitung von Microsoft mit einer fundamentalen Entscheidung: Soll Xbox primär ein Unternehmen sein, das sich auf sein Ökosystem konzentriert, oder eher ein genereller Spiele-Publisher? Corden deutete an, dass interne Gespräche über die „Exklusivitäts-Sache“ derzeit sehr intensiv geführt werden. Es gehe darum, welchen Wert man dem eigenen Ökosystem beimisst und welche Art von Unternehmen man letztlich sein möchte. Eine heikle Balance, denn beides gut zu beherrschen, sei kaum möglich.
Corden zog hierbei einen interessanten Vergleich zur Surface-Produktlinie von Microsoft. Einst mit großem Hype gestartet, sei Surface heute nur noch „ein Schatten seiner selbst“. Eine ähnliche Entwicklung für die Xbox-Marke zu riskieren, sei eine reale Gefahr. Denn Xbox sei das einzige verbraucherorientierte Ökosystem, das Microsoft besitze, welches bei Kunden eine wirkliche Zugkraft entfalte. Selbst Satya Nadella, Microsofts CEO, habe in einem durchgesickerten Gespräch mit Mitarbeitern den Wert von Xbox betont, da viele Führungskräfte nicht über Cloud, sondern über Xbox und Spiele wie Halo sprechen wollen. Es scheint, als würde Microsoft zunehmend erkennen, dass Xbox der direkte Draht zu den Verbrauchern außerhalb der Arbeitswelt ist. Doch am Ende, so Corden, ginge es ums Geld, und schwer sei es, gegen die Tabellenkalkulationen anzukämpfen.
Game Pass unter der Lupe: Preismodell auf dem Prüfstand
Die interne Debatte wird maßgeblich von der Entwicklung des Game Pass beeinflusst. Asha Sharma hatte in ihrem Memo klipp und klar formuliert, dass der Game Pass zwar „zentral für den Gaming-Wert auf Xbox“ sei, das aktuelle Modell jedoch nicht das finale sein könne. Sie sprach offen an, dass der Game Pass für Spieler „zu teuer geworden“ sei und man daher eine „bessere Wertgleichung“ benötige. Langfristig wolle man den Game Pass zu einem „flexibleren System“ weiterentwickeln, was jedoch Zeit und Lernprozesse erfordere. Derzeit kostet der Xbox Game Pass Ultimate in Europa beispielsweise 14,99 Euro pro Monat.
Gerüchte über eine neue Abo-Stufe, die von Dataminern aufgedeckt wurde, könnten ein erster Schritt in diese Richtung sein. Ein solches Modell würde sich angeblich auf First-Party-Titel von Xbox konzentrieren und Spiele wie Hellblade, Ori and the Blind Forest, State of Decay 2 und Gears 5 umfassen. Ob diese Pläne bereits umgesetzt werden oder wie die genaue Preisgestaltung aussehen wird, bleibt abzuwarten. Sharma hat jedoch angekündigt, tiefer in die Zukunft des Dienstes mit den Mitarbeitern einzutauchen. Für Spieler bedeutet dies, dass sich der Game Pass in den kommenden Monaten und Jahren maßgeblich verändern könnte, um eine breitere Palette an Bedürfnissen und Budgets zu bedienen.


