Weltwirtschaftsforum

Trump und «das große, schöne Stück Eis»

21. Januar 2026, 19:19 Uhr · Quelle: dpa
Weltwirtschaftsforum in Davos
Foto: Markus Schreiber/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump spricht rund 70 Minuten in Davos.
US-Präsident Trump will Grönland den Vereinigten Staaten einverleiben. Daran lässt er in Davos keinen Zweifel. Zugleich macht er überraschend ein Versprechen.

Davos (dpa) - Ein «großes, schönes Stück Eis»: Das ist es, was Donald Trump will. Immer wieder kommt der US-Präsident auf den Kern der jüngsten Aufregung zurück - er verlangt Grönland. Nur so seien die USA, nur so sei die Welt sicher, sagt Trump im verschneiten Schweizer Alpenort Davos vor den Einflussreichen und Mächtigen der Welt. Von einer gewaltsamen Übernahme Grönlands wolle er zwar absehen. Aber über einen Deal will er unverzüglich verhandeln. Der Druck auf Europa, dem Trump wegen Grönland mit neuen Zöllen droht, ist nach seiner Rede weiter gewachsen. 

Rund 70 Minuten springt der US-Präsident auf der Bühne des Weltwirtschaftsforums durch die Themen, teilweise wirkt es ein wenig leiernd, wenn er vom Teleprompter abliest. Er keilt in bekannter Manier aus, er degradiert die Europäer, die aber doch stets vor ihm einknicken würden. Zwischendurch sagt er, dass er Europa liebe.

Mantra Grönlandkauf

Immer wieder knöpft sich Trump die Nato vor. Die USA seien es, die das Bündnis fast vollständig finanzierten, so der Vorwurf. Und das Einzige, was er im Gegenzug wolle, sei doch nur dieses Stück Eis namens Grönland. Wie ein Mantra zieht sich das durch die Rede. Manchmal scheint er sich zu versprechen und redet von Island («Iceland»). 

Insgesamt 20 Minuten spaziert Trump durch alle möglichen Themen, dann sagt er es zum ersten Mal: «Wollen Sie, dass ich ein paar Worte über Grönland sage?» Eigentlich habe er das Thema weglassen wollen, scherzt der US-Präsident. Doch das hätte ihm wohl nur schlechte Presse gebracht. «Ich habe großen Respekt sowohl gegenüber den Menschen in Grönland als auch gegenüber den Menschen in Dänemark», versichert er. Aber jeder Nato-Verbündete müsse eben sein eigenes Territorium zu verteidigen können - und das könnten Grönland und Dänemark nicht.

Das potente Amerika und das schwache Europa

Immer wieder klingt durch: Die USA sind stark, die USA sind das angesagteste Land der Welt. Doch hinter dem Eigenlob ein Jahr nach seinem Amtsantritt als 47. Präsident der Vereinigten Staaten macht er vor allem Europa richtig runter.

Der Befürchtung, er könne US-Militär nach Grönland entsenden und die größte Insel der Welt gewaltsam an sich reißen, tritt Trump entgegen. «Das ist wohl meine wichtigste Aussage, denn es wurde befürchtet, ich würde Gewalt anwenden», sagt er im Plauderton. «Aber ich muss keine Gewalt anwenden. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden», verspricht der Republikaner. 

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen hat Trumps Rede zwar nicht gehört, reagiert aber sofort: «Das ist an und für sich positiv, aber es löst das Problem nicht.» Und er macht klar: Verhandlungen über eine Übergabe Grönlands an die USA kommen für Dänemarks Außenminister nicht infrage. 

Trump: «Sofortige Verhandlungen» statt Gewalt

Trump ist es, der einen Deal machen will: Er strebt «unverzügliche Verhandlungen» mit Europa an. Mit wem verhandelt werden solle, sagte Trump nicht - Dänemark und weitere europäische Staaten hatten stets bekräftigt, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe. In Europa herrscht ernste Sorge um das transatlantische Bündnis. Von «neo-royaler Außenpolitik» spricht die US-Expertin Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. 

Zuletzt drohte Trump den Unterstützern Dänemarks und Grönlands Strafzölle ab Februar an - darunter auch Deutschland. Im Gegenzug stoppt das EU-Parlament die Ratifizierung des Handelsdeals mit den USA.

Die neuen US-Zölle sollen so lange erhoben werden, bis der Verkauf der Arktisinsel an die USA abgeschlossen ist. Denn, so sagt Trump: Was man nicht besitze, das werde man auch nicht verteidigen. Er begründete sein Vorhaben immer wieder damit, dass sich ansonsten Russland oder China die Insel einverleiben würden. Beweise dafür gibt es nicht.

Für die Europäer schwierig: Sie können nicht einfach abwinken, denn ihre Länder sind militärisch von den Vereinigten Staaten abhängig. Oder wie Trump es sagt: Die Nato wäre ohne ihn nichts. Auf der Bühne gleicht das einer Degradierung der Nato-Partner, von denen einige im Raum sitzen. Großes Vertrauen in ihren Beistand im Notfall hat Trump ohnehin nicht. «Ich weiß, dass wir für sie da wären, aber ich weiß nicht, ob sie für uns da wären», sagte er. Was er nicht sagt: Der bislang einzige Nato-Bündnisfall wurde nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 ausgerufen. 

Trump: Ein Schutzschild auf Grönland

Es schält sich immer mehr heraus, warum Trump auf Grönland so scharf ist: Auf der Insel plant er den Bau des größten «Golden Dome», den es je gegeben hat. Das wäre ein Verteidigungssystem, ähnlich wie Israel es nutzt. Der Schutzschild soll Nordamerika verteidigen. 

Schon länger beansprucht die Trump-Regierung die Kontrolle über die sogenannte Hemisphäre mit dem Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln. Das zeigen viele Beispiele: Die Umbenennung des Golfs von Mexiko in «Golf von Amerika», Angriffe auf angeblich mit Drogen beladene Schiffe in der Karibik und im Ost-Pazifik, der Sturz des autoritär regierenden venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro - und jetzt der Besitzanspruch auf Grönland. 

Merz kann morgen antworten

Trump hat klar gesagt, was er will. Nun ist es an den Europäern zu reagieren. Auf derselben Bühne wie Trump hat dazu am Donnerstag als erstes Bundeskanzler Friedrich Merz die Gelegenheit. Wird er Trump in seiner Rede ein klares Stoppschild vorhalten? Welche Folgen so etwas haben könnte, hat gerade erst Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erlebt: Er äußerte sich kritisch zu Trumps «Friedensrat», in dem Kritiker eine Alternativ-UN sehen - und kassierte prompt eine Drohung mit hohen Zöllen auf Champagner und französischen Wein.

Weltwirtschaftsforum / USA / Grönland / Dänemark / Europa / Diplomatie / Konflikte
21.01.2026 · 19:19 Uhr
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