Trump fordert Rücktritt von Intel-CEO Lip-Bu Tan wegen angeblicher Interessenkonflikte
Mitten in einer Phase staatlich geförderter Neuaufstellung des US-Halbleitersektors fordert Präsident Donald Trump überraschend den Rücktritt von Intel-Chef Lip-Bu Tan. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump am Donnerstag: „Der CEO von INTEL ist hochgradig KONFLIKTIERT und muss sofort zurücktreten. Es gibt keine andere Lösung für dieses Problem.“
Hintergrund der Attacke ist ein Schreiben des republikanischen Senators Tom Cotton, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, an den Verwaltungsratsvorsitzenden von Intel. Darin äußert Cotton „ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Integrität von Intels Aktivitäten“ sowie zu Tans geschäftlichen Verbindungen nach China.
Lip-Bu Tan, seit März CEO von Intel, hat über seine in San Francisco ansässige Venture-Capital-Firma und über Beteiligungen in Hongkong massiv in chinesische Techunternehmen investiert – unter anderem in Semiconductor Manufacturing International Corp (SMIC), Chinas größten Chipproduzenten.
Trump äußerte sich nicht konkret zu den Vorwürfen. Doch der Zeitpunkt seiner Aussage – nur einen Tag nach einem Treffen mit Nvidia-Chef Jensen Huang im Weißen Haus – legt nahe, dass die Führungsspitze der US-Halbleiterindustrie zunehmend zum politischen Spielball wird. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte lediglich, Trump bleibe „entschlossen, die nationale und wirtschaftliche Sicherheit der USA zu schützen“.
Besonders brisant: Lip-Bu Tans vorheriges Unternehmen, Cadence Design Systems, musste vergangene Woche einräumen, Designsoftware an eine chinesische Universität mit Militärverbindungen geliefert und damit US-Exportkontrollen verletzt zu haben.
Intel selbst äußerte sich nicht zu Trumps Rücktrittsforderung. Die Aktie verlor am Donnerstag im frühen Handel rund 2 Prozent. Tan hatte im März Pat Gelsinger als CEO abgelöst, nachdem der Verwaltungsrat die Führung neu aufstellen wollte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Unternehmen bereits im tiefgreifenden Umbau: Die Fertigungskapazitäten sind im Vergleich zu Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) deutlich ins Hintertreffen geraten.
Trotz staatlicher Zuschüsse in Milliardenhöhe gerät Intel auch technologisch unter Druck. Im Juli warnte Tan, dass der Konzern die Entwicklung seiner nächsten Chipgeneration aufgeben müsse, wenn sich kein „signifikanter externer Kunde“ finde – ein Rückzug, der TSMC faktisch die alleinige Kontrolle über die modernste Chipfertigung überließe.
Senator Cotton unterstrich in seinem Brief, dass Intel „eine besondere Verantwortung gegenüber dem US-Steuerzahler“ trage. Tans Verbindungen „werfen Fragen auf, ob das Unternehmen seinen Verpflichtungen in puncto Sicherheit und Aufsicht noch nachkommen kann“.


