Banken

Trotz Rekordgewinns: Commerzbank streicht fast 4.000 Jobs

13. Februar 2025, 13:22 Uhr · Quelle: dpa
Der Commerzbank droht eine feindliche Übernahme durch die italienische Unicredit. Nun will die Bank effizienter werden - und streicht dafür Tausende Stellen vor allem in Deutschland.

Frankfurt/Main (dpa) - Kosten runter, Gewinne rauf: Mit dem Abbau Tausender teurer Jobs und steigenden Überschüssen will die von der italienischen Unicredit bedrängte Commerzbank ihre Eigenständigkeit retten. Es gehe darum, den Dax-Konzern «als feste Größe unter den erfolgreichen europäischen Banken zu etablieren», sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bei der Vorstellung der Strategie bis 2028 in Frankfurt.

Um effizienter zu werden, streicht Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank bis Ende 2027 etwa 3.900 Vollzeitstellen. 3.300 der Jobs fallen in Deutschland weg und damit 17 Prozent der Stellen der Commerzbank AG hierzulande - trotz eines Rekordgewinns im vergangenen Jahr. Die 600 übrigen Stellen sollen bei Tochtergesellschaften und teilweise im Ausland wegfallen.

Weil zugleich bei der polnischen mBank und an Niedriglohnstandorten in Asien - zum Beispiel in Malaysia - Stellen geschaffen werden, werde der Personalbestand im Konzern weitgehend konstant bei 36.700 Vollzeitkräften weltweit bleiben. Ende 2024 zählte der Konzern 36.842 Vollzeitstellen. Der designierte Finanzvorstand Carsten Schmitt bezifferte das Einsparpotenzial durch die Verlagerung von Stellen aus Deutschland ins Ausland auf 30 bis 70 Prozent - je nach Tätigkeit.

Jobabbau vor allem in Deutschland

Von dem Abbau in Deutschland sind nach Angaben der Bank vor allem die Zentrale in Frankfurt sowie weitere Standorte im Rhein-Main-Gebiet betroffen. Dort insbesondere Stabsfunktionen wie Kommunikation oder Gebäudemanagement, die Stäbe von Bereichsvorständen oder Backoffice-Tätigkeiten wie Abwicklung und Verwaltung von Geschäften. Ende vergangenen Jahres zählte die Commerzbank AG in ihrem Heimatmarkt 19.370 Vollzeitstellen.

Orlopp versicherte, der Stellenabbau werde «maximal sozialverträglich» umgesetzt. Mit den Arbeitnehmervertretern seien bereits Eckpunkte für ein Altersteilzeit-Programm vereinbart, das noch im laufenden Jahr greifen soll.

Die Gewerkschaft Verdi hält die neue Strategie inklusive des Abbaus Tausender Jobs bei der Commerzbank für den richtigen Weg im Abwehrkampf gegen die italienische Großbank Unicredit. Zugleich forderte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß: «Die neue Strategie darf nicht einseitig zulasten Tausender Beschäftigten gehen.» Notwendig sei die Flankierung durch ein umfassendes Schutzpaket. «Für uns ist dabei der wichtigste Grundsatz: Niemand wird gegen den eigenen Willen den Arbeitsplatz in der Bank verlieren», betonte Voß, der auch Mitglied des Commerzbank-Aufsichtsrates ist.

Unicredit lässt nicht locker

Die Commerzbank steht unter Druck, seit die Unicredit im Herbst den Teilausstieg des Bundes zum Einstieg genutzt hat. Inzwischen kontrolliert die Mailänder Großbank gut 28 Prozent der Commerzbank-Anteile: Rund 9,5 Prozent direkt und knapp 18,6 Prozent über Finanzinstrumente. Ab einem 30-Prozent-Anteil wäre die Unicredit verpflichtet, den übrigen Commerzbank-Aktionären ein Kaufangebot zu unterbreiten.

Unicredit-Chef Andrea Orcel arbeitet seit Monaten auf eine Übernahme hin. Zwei Tage vor der Strategiepräsentation der Commerzbank nutzte die Unicredit ihre eigene Bilanzvorlage auch dazu, den Frankfurtern öffentlich einen Fragenkatalog zu übermitteln - darunter die provokante Frage: «Sind die neuen Ziele realistisch - vor allem, wenn man bedenkt, dass die früheren Ziele nicht erreicht wurden - oder beruhen sie auf zu optimistischen Annahmen und dem Druck, ein potenzielles Angebot abzuwehren?»

Commerzbank-Chefin Orlopp konterte bei der Strategievorstellung: «Ich kann Ihnen versichern: Auf alle Fragen, die unser italienischer Wettbewerber und Investor in dieser Woche interessanterweise zu unserer Strategie gestellt hat, haben wir klare Antworten.»

Orlopp: «Zug für informelle Gespräche abgefahren»

Mit einer möglichen Übernahme will sich Orlopp aber erst befassen, wenn ein Angebot der Unicredit vorliegt. Der Zug für informelle Gespräche mit Orcel sei «abgefahren», sagte die Managerin. «Informelle Gespräche können Sie führen, wenn nicht jeder auf jeden Schritt achtet.» Die Unicredit werde behandelt wie jeder andere Investor auch. Zugleich sei in diesem Fall «besondere Vorsicht geboten, weil es sich um einen Wettbewerber handelt», sagte Orlopp.

Orcel hatte diese Woche gesagt, sein Haus werde ein Übernahmeangebot nicht vor dem vierten Quartal 2025 oder dem ersten Quartal 2026 vorlegen können. Angesichts der Widerstände in Deutschland will der Manager die Zeit nutzen, um bei einer neuen Bundesregierung für seine Pläne zu werben. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden gerettet hatte, hält noch gut zwölf Prozent der Anteile des Instituts.

Commerzbank setzt sich ehrgeizigere Ziele

Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat der Commerzbank sehen das Vorgehen der Italiener als «feindlich» an. Die seit 1. Oktober amtierende Konzernchefin Orlopp will die Eigenständigkeit des Instituts auch durch steigende Gewinne und ehrgeizigere Renditeziele sichern.

Nach einem Rekordgewinn von knapp 2,7 Milliarden Euro 2024 soll der Überschuss bis 2028 auf 4,2 Milliarden Euro steigen. Ihre Eigenkapitalrendite will die Bank von 9,2 Prozent 2024 auf 15 Prozent 2028 steigern. 

Im laufenden Jahr dürfte der Gewinn jedoch auf 2,4 Milliarden Euro sinken, weil der Stellenabbau zunächst Geld kostet: Die Bank rechnet einmalig mit etwa 700 Millionen Euro Kosten. Zugleich erwartet der Vorstand, dass durch die Kürzungen die jährlichen Kosten um rund 500 Millionen Euro sinken werden.

Aktionäre sollen profitieren

Die Anteilseigner will die Commerzbank durch hohe Gewinnausschüttungen bei Laune halten. Für das Geschäftsjahr 2024 ist eine Dividendenerhöhung von 35 Cent auf 65 Cent je Anteilsschein geplant. Für 2025 will die Bank mehr als 100 Prozent ihres Überschusses an die Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten. Die Zinsen für eigenkapitalähnliche Anleihen werden vorher abgezogen. 

Für die Jahre 2026 bis 2028 fasst Orlopp eine Ausschüttungsquote von 100 Prozent ins Auge, macht dies aber von der Umsetzung der neuen Strategie «Momentum» sowie vom wirtschaftlichen Umfeld abhängig.

Neue Partnerschaft mit Kreditkartenanbieter Visa

Bei ihren Gewinnplänen setzt Orlopp außer auf Stellenabbau und Kostensenkungen auf stetig wachsende Einnahmen, vor allem aus Provisionen. Hatten die Kosten der Bank im vergangenen Jahr noch 59 Prozent der Erträge aufgezehrt, sollen es 2028 nur noch rund 50 Prozent sein. Heißt: Für einen Euro Ertrag will die Commerzbank dann nur noch etwa 50 Cent aufwenden.

Profitabler werden soll die Bank zudem durch gezielte Zukäufe und Partnerschaften. So wurde mit dem Kreditkartenanbieter Visa bereits eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart: Kundinnen und Kunden der Commerzbank erhalten künftig bevorzugt Debit- und Kreditkarten von Visa.

Update: Falsche Jahreszahl 3. Absatz
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13.02.2025 · 13:22 Uhr
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