Tiefpunkt für deutsche Start-ups: Mehr Einhörner trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten
Die Start-up-Szene in Deutschland sieht sich derzeit mit einer der größten Herausforderungen seit der Corona-Krise 2020 konfrontiert. Eine aktuelle Studie des Startup-Verbands verdeutlicht, dass stagnierende wirtschaftliche Bedingungen die Geschäfte in der Branche erschweren. Während etablierte Unternehmen zunehmend weniger in Innovationen investieren, leiden junge Unternehmen unter der allgemeinen Unsicherheit und Zurückhaltung am Markt.
Das Geschäftsklima unter den Start-ups hat einen Tiefpunkt erreicht und sank zuletzt von 39 Punkten im Jahr 2024 auf 31,7 Zähler. Dieses Niveau erinnert stark an die Unsicherheiten aus dem Jahr 2020. Das Klima wird nach einem Modell berechnet, das dem Ifo-Index ähnelt und sowohl die gegenwärtige Lage als auch die Zukunftsaussichten einbezieht.
Fast die Hälfte der befragten Unternehmen bewertet ihre aktuelle Situation als lediglich befriedigend. Während 15 Prozent ihre Lage sogar als schlecht einstufen, sind immerhin 35 Prozent der Meinung, dass es ihnen gut geht. Doch es gibt auch positive Ausblicke: Über die Hälfte der Start-ups erwartet in den nächsten sechs Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage.
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen behalten viele Start-ups das Vertrauen in ihre Innovationsfähigkeit und langfristige Wachstumschancen bei. Verena Pausder, die Vorsitzende des Startup-Verbands, betont die nicht nachlassende Zuversicht der Branche. Allerdings liegt Deutschland in Sachen Start-up-Investitionen im internationalen Vergleich zurück. Im Vergleich zur Wirtschaftskraft wurde beispielsweise in den USA viermal so viel in Start-ups investiert, während Großbritannien das Dreifache und Frankreich das Eineinhalbfache investiert hat. Der Verband fordert daher eine entschlossene politische Unterstützung der Bundesregierung.
Trotz finanzieller Herausforderungen in der Gründerszene schaffen es einige Start-ups, die Hürde von einer Milliarde Euro Bewertung zu überschreiten. Die Anzahl der sogenannten "Einhörner" ist auf 31 gestiegen, gestützt durch das Interesse an Künstlicher Intelligenz. Noch 2019 zählte der Verband nur 11 solcher Firmen, während es 2024 bereits 28 waren. Zu den Vorreitern gehören der KI-Übersetzungsdienst DeepL, der Neobroker Trade Republic und das Rüstungsunternehmen Helsing.

