Thyssenkrupp vor tiefgreifendem Strukturwandel: Weg zur Holding
Der deutsche Industriegigant Thyssenkrupp steht vor einem signifikanten Wandel seiner Unternehmensstruktur. Das Traditionsunternehmen plant, sich von einer zentralen Organisationsstruktur zu einer strategischen holdingartigen Führungsstruktur zu transformieren. Neben den bereits initiierten Veränderungen in der Stahl- und Marinesparte sollen auch die Bereiche Werkstoffe und Autoteile eigenständig werden.
Zudem visiert das Unternehmen an, das Segment 'Decarbon Technologies' perspektivisch zu verselbstständigen, sobald die Voraussetzungen geschaffen sind. Diese strategische Neuausrichtung wird dem Aufsichtsrat noch in diesem Jahr vorgestellt. Der Weg führt dahin, alle Unternehmensbereiche schrittweise in die Selbstständigkeit zu entlassen und sie für externe Beteiligungen zu öffnen.
Diese Pläne trafen bei Investoren auf positive Resonanz und ließen die Thyssenkrupp-Aktie erheblich steigen. Die IG Metall begrüßt eine sinnvolle strategische Neuausrichtung, fordert jedoch klare Leitplanken, um langfristige Beschäftigungssicherheit und klare Standortperspektiven sicherzustellen. Es wird erwartet, dass die Veränderungsvorhaben transparent und im Einklang mit den Interessen der Belegschaft kommuniziert werden.
Der stellvertretende Aufsichtsratschef, Jürgen Kerner, äußert Bedenken hinsichtlich eines potenziellen zügellosen Verkaufs von Konzerneinheiten ohne klare Perspektive für die Mitarbeiter. Thyssenkrupps Zukunftsmodell soll nicht nur die Flexibilität und Investitionstransparenz erhöhen, sondern auch die Kontrolle der Konzernführung über die zukünftige Wertentwicklung wahren.
Staatliche Akteure, darunter die Landesregierung Nordrhein-Westfalens, verfolgen die Entwicklungen eng. Der Konzern soll konkurrenzfähig bleiben, während die Umstrukturierungsmaßnahmen eigenverantwortlich in den Unternehmensgremien entschieden werden. Zuvor startete die frühere Vorstandsvorsitzende Martina Merz den Prozess, den Konzern zu einer 'Group of Companies' umzustrukturieren.
Ihr Nachfolger Miguel López setzt diesen Kurs nun mit Nachdruck fort. Seit der Gründung durch die Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 hat sich Thyssenkrupp stetig gewandelt. Die Krupp-Stiftung als bedeutende Anteilseignerin reagierte zunächst nicht auf die neuen Pläne.

