Thyssenkrupp vor neuem Wendepunkt: Widerstand gegen Vertragsverlängerung von CEO Lopez
In einer bemerkenswerten Eskalation der Spannungen innerhalb von Thyssenkrupp hat der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Juergen Kerner, seine Absicht bekanntgegeben, gegen die Verlängerung des Vertrages von CEO Miguel Lopez zu stimmen. Dies soll auf der Vorstandssitzung am Freitag geschehen, auf der auch über die geplante Abspaltung der Marineschiffsparte TKMS entschieden werden soll.
Kerner, ein einflussreicher Vertreter der deutschen Arbeitnehmerschaft, kritisierte, dass Lopez den versprochenen Turnaround der Stahlsparte nicht geliefert habe, obwohl ein Anteil des Unternehmens an den Milliardär Daniel Kretinsky verkauft wurde. Diese Vorbehalte markieren eine seltene Opposition gegen einen CEO auf der höchsten Vorstandsebene in Deutschland, wo traditionell Konsens zwischen Aktionärsvertretern und Gewerkschaften herrscht.
Der Widerstand unter den Arbeitnehmervertretern könnte sich erheblich ausweiten, wenn Lopez’ Vertrag gegen ihren Willen verlängert wird. Eine solche Entscheidung könnte nur durch die ausschlaggebende Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Siegfried Russwurm, einem ehemaligen Siemens-Manager, zustande kommen.
Kerner betonte, dass die Mitarbeiter von Thyssenkrupp notfalls Streiks in Erwägung ziehen, falls nicht bald eine überzeugende Zukunftsvision für die Stahlsparte und eine ausreichende Finanzierung in Aussicht stehen. Er äußerte außerdem Misstrauen gegenüber Kretinsky, der kürzlich 20% der Stahleinheit erworben hat und Berichten zufolge eine Erhöhung auf 50% erwägt. Kretinskys Zurückhaltung, in Gespräche über die Zukunftspläne einzutreten, mache ihn laut Kerner zu einem ungeeigneten Partner.
Obwohl Kretinsky freundlich auf Anfragen hinsichtlich eines Dialogs reagiert hat, bleibt die Kommunikation aus Sicht der Arbeitnehmer unbefriedigend. 'Für mich ist das inakzeptabel,' erklärte Kerner entschieden.

