Thyssenkrupp im Umbruch: Strategische Neuausrichtung und Forderungen nach sozialer Verantwortung
Miguel López, der Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, präsentierte bei der jüngsten Hauptversammlung des Traditionsunternehmens seine Vision für die Zukunft: Der Konzern soll sich von seiner bisherigen Struktur als integrierter Industriekonzern verabschieden und in eine Finanzholding verwandeln. Diese neue Ausrichtung sieht vor, dass Thyssenkrupp als Beteiligungsgesellschaft agiert, die starke und eigenständige Unternehmen unter einem Dach vereint und somit schneller und flexibler auf den Kapitalmarkt zugreifen kann. Der Umbau der fünf Unternehmenssegmente – Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grüne Technologien – in eigenständige Einheiten hat bereits begonnen. Dies soll verborgene Werte heben und nachhaltiges Wachstum fördern. Im Zuge dieser Strategie, „Aces 2030“ genannt, wurde die Marinesparte TKMS bereits an die Börse gebracht. Für das Stahlsegment laufen derzeit Übernahmegespräche mit Jindal Steel, einem indischen Stahlkonzern.
Positive Resonanz erhielt López von Aktionärsvertretern, die das wiedergewonnene Vertrauen betonten. Dennoch fordern Experten wie Ingo Speich von Deka Investment, die Entflechtung der Unternehmensstrukturen weiter voranzutreiben, um die Komplexität abzubauen und das Geschäftsmodell zu verschlanken. Dies sei entscheidend für den langfristigen Erfolg am Kapitalmarkt.
Abseits der Hauptversammlung meldeten sich auch die Arbeitnehmer zu Wort. Mit Nachdruck forderten mehrere hundert Beschäftigte vor dem Veranstaltungsort die Aktionäre auf, auf eine Dividende zu verzichten. Dies sei ein notwendiger Schritt, um die Substanz des Unternehmens nicht weiter zu belasten. Das Unternehmen plant dennoch eine Ausschüttung von 93 Millionen Euro an Dividenden. Zudem demonstrierten Beschäftigte des Stahlherstellers HKM für einen Sozialtarifvertrag, um die Folgen des erwarteten Personalabbaus sozial abzufedern. HKM, ein Gemeinschaftsunternehmen von Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und Vallourec, beschäftigt derzeit rund 3.000 Menschen, und der Abschluss einer sozialverträglichen Regelung ist seit Monaten Gegenstand intensiver Verhandlungen.

