Thyssenkrupp auf dem Weg zur Transformation: Finanzholding-Modell überzeugt Aktionäre
Thyssenkrupp-Chef Miguel López hat auf der Hauptversammlung des traditionsreichen Konzerns für den umfassenden Umbau zu einer Finanzholding geworben. Lange Zeit als integrierter Industriekonzern positioniert, soll die Thyssenkrupp AG zukünftig die Rolle einer Beteiligungsgesellschaft übernehmen. Dabei werden Mehrheitsbeteiligungen an eigenverantwortlichen Unternehmen gebündelt. Diese neue Strategie, genannt "Aces 2030", verspricht mehr Flexibilität, größere Geschwindigkeit und direkten Zugang zum Kapitalmarkt, wie López vor etwa 500 Aktionären betonte.
Die geplante Entflechtung sieht vor, dass die einzelnen Segmente in größerer Eigenständigkeit operieren sollen, um so bisher verborgene Werte zu heben. Dies betrifft insbesondere die fünf Segmente Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grüne Technologien, in denen Thyssenkrupp aktuell rund 93.000 Menschen beschäftigt. Ein erster Schritt erfolgte bereits mit dem Börsengang der Marinesparte TKMS, die inzwischen im MDAX gelistet ist. Für die Stahlsparte werden derzeit Gespräche mit dem indischen Unternehmen Jindal Steel über eine mögliche Übernahme geführt.
Unternehmensvertreter und Aktionäre äußerten sich überwiegend positiv zu den Plänen. Oliver Vollbrecht von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und Daniel Voss von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger hoben das zurückgekehrte Vertrauen der Anleger hervor, mahnten jedoch zu weiterhin kritischer Beobachtung. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment befürwortete die Strategie, forderte jedoch weitere Maßnahmen zur Entflechtung und Komplexitätsreduktion, um den Kapitalmarkt noch stärker zu überzeugen.
Vor der Hauptversammlung hatten Mitarbeiter in einer Demonstration gegen die Auszahlung einer Dividende protestiert und stattdessen gefordert, diese Gelder angesichts der Gewinne aus dem jüngsten Börsengang der Marine zu reinvestieren. Die geplante Dividendenausschüttung von 15 Cent pro Aktie, die insgesamt 93 Millionen Euro betragen würde, stieß auch innerhalb der Aktionärsvertretungen auf Kritik. Speich warnte vor der finanziellen Auszehrung des Unternehmens, die dringend beendet werden müsse. Auch Beschäftigte des Duisburger Stahlerzeugers HKM, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und Vallourec, machten auf ihre ungewisse Situation und die Notwendigkeit sozialverträglicher Lösungen aufmerksam. Die Verhandlungen über einen entsprechenden Sozialtarifvertrag laufen bereits seit Monaten.

