Thyssenkrupp zündet Milliarden-Offensive: Kampf um Kanadas U-Boot-Auftrag
U-Boot-Deal als Türöffner für ein Mega-Investitionspaket
Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) verhandelt derzeit über ein Investitionspaket in zweistelliger Milliardenhöhe, um den prestigeträchtigsten U-Boot-Auftrag der kommenden Jahre zu gewinnen. Kanada plant die Beschaffung von bis zu zwölf hochmodernen Booten der Klasse 212CD – das Auftragsvolumen allein für den Marinebereich liegt bei über zehn Milliarden Euro. Die Entscheidung wird für 2026 erwartet.
Der Wettbewerb ist geopolitisch aufgeladen. Hauptkonkurrent ist der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha Ocean. Um sich durchzusetzen, hebt TKMS die Gespräche auf Regierungsebene. Konzernchef Oliver Burkhard koordiniert persönlich eine umfassende industriepolitische Offerte, unterstützt vom Bundeskanzleramt, dem Wirtschafts- und dem Verteidigungsministerium.
Mehr als Rüstung: Raumfahrt, Seltene Erden, Batterien
Bemerkenswert ist die strategische Breite des Angebots. Es geht nicht nur um U-Boote. In das sogenannte Offset-Programm sollen auch Investitionen in Zukunftsindustrien einfließen: Raumfahrt (unter anderem mit Isar Aerospace), Künstliche Intelligenz, Batteriefertigung, Bergbau und die Sicherung Seltener Erden.
Rund 30 bis 40 Spezialisten arbeiten bei TKMS ausschließlich an dieser Gesamtstrategie. Burkhard formuliert den Paradigmenwechsel offen: „Es geht nicht mehr nur um die U-Boote. Es geht primär um das, was darüber hinausgeht.“ Kanada soll nicht nur Rüstungstechnik, sondern ein industriepolitisches Gesamtpaket erhalten – mit langfristiger Wertschöpfung im eigenen Land.
BlackRock reduziert Engagement
Parallel zu den operativen Großprojekten kommt Bewegung in die Aktionärsstruktur. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock hat seinen Stimmrechtsanteil an Thyssenkrupp von zuvor 6,52 Prozent auf nun 5,35 Prozent reduziert. Besonders deutlich fiel der Abbau bei den über Finanzinstrumente gehaltenen Positionen aus.
Für den Kapitalmarkt ist dies ein ambivalentes Signal: Einerseits bleibt BlackRock ein Ankerinvestor, andererseits zeigt die Reduktion, dass die Geduld mit dem seit Jahren restrukturierenden Industriekonzern begrenzt ist.
Stahlsparte als Belastung, TKMS als Hoffnungsträger
Im Hintergrund läuft weiterhin der Verkaufsprozess der Stahlsparte TKSE. Der indische Konzern Jindal Steel International verhandelt über einen gestaffelten Einstieg – zunächst 60 Prozent, später die vollständige Übernahme. Knackpunkt bleiben Pensionsverpflichtungen von rund 2,5 Milliarden Euro.
Für das Geschäftsjahr 2025/26 rechnet Thyssenkrupp mit einem Nettoverlust von bis zu 800 Millionen Euro, vor allem wegen Restrukturierungsrückstellungen im Stahlgeschäft. Umso größer ist die strategische Bedeutung von TKMS: Der Marinebereich entwickelt sich zunehmend zum wertvollsten und wachstumsstärksten Konzernteil.
Fazit: Entscheidung mit Signalwirkung
Der mögliche Kanada-Deal ist weit mehr als ein Rüstungsauftrag. Er ist ein Testfall für Thyssenkrupps Fähigkeit, sich als Hochtechnologie- und Sicherheitskonzern neu zu positionieren – und für Deutschlands Anspruch, in strategischen Industrien global mitzuspielen.
Gelingt der Zuschlag, wäre dies nicht nur ein Milliardenauftrag, sondern ein industriepolitischer Durchbruch. Scheitert er, bliebe TKMS zwar technologisch führend, doch der große internationale Wachstumsschub würde vorerst ausbleiben. Für die Aktie ist die Offensive in Kanada damit ein zentraler Kurstreiber der kommenden Monate.


