Techlands Opfergang: Das Fantasy-Epos stirbt, damit Dying Light leben kann
In einem Klima, in dem das Donnergrollen von Massenentlassungen und eingestampften Projekten zum alltäglichen Soundtrack der Gaming-Industrie geworden ist, sendet der polnische Entwickler Techland ein gemischtes, aber bemerkenswertes Signal. Die Gerüchteküche brodelte, nun gibt es eine offizielle, wenn auch diplomatisch formulierte Bestätigung: Ja, Projekte wurden intern auf Eis gelegt. Doch während anderswo ganzer Studios implodieren, scheint sich in den Hallen von Techland ein anderes, ein hoffnungsvolleres Drama abzuspielen.
Der beerdigte Traum eines neuen Universums
Das prominenteste Opfer dieser internen Neuausrichtung ist aller Wahrscheinlichkeit nach das ambitionierte Open-World-Fantasy-Rollenspiel, das 2022 mit großem Getöse angekündigt wurde. Es sollte ein neues, gewaltiges Universum begründen, geschmiedet von Kreativköpfen, die bereits an Meilensteinen wie „The Witcher 2“ und „The Witcher 3: Wild Hunt“ mitgewirkt hatten. Die Hoffnung auf ein episches Abenteuer, das in die Fußstapfen des Hexers treten könnte, war riesig. Nun scheint dieser Traum, bevor er überhaupt richtig Gestalt annehmen konnte, in den Archiven von Techland beerdigt worden zu sein – ein stiller Tod für eine potenziell große neue Marke.
Die menschliche Firewall: Keine Entlassungen
Doch hier nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. In einer Stellungnahme gegenüber GamesRadar bestätigte Techland zwar die strategischen Änderungen, machte aber unmissverständlich klar: „Was hier wichtig ist, ist, dass keine der gemeldeten Änderungen zu Personalabbau geführt hat.“ In einer Zeit, in der das Wort „Umstrukturierung“ meist ein Euphemismus für Kündigungen ist, ist diese Nachricht ein Silberstreif am Horizont. Die Entwickler der eingestellten Projekte wurden nicht vor die Tür gesetzt, sondern auf andere Vorhaben innerhalb der Pipeline umverteilt. Techland opfert ein Projekt, aber nicht seine Leute.
Volle Kraft voraus: Zurück zu den Wurzeln mit „Dying Light: The Beast“
Der Grund für diese radikale Fokussierung hat einen Namen: „Dying Light: The Beast“. Wie Franchise-Direktor Tymon Smektała kürzlich offenbarte, sieht das Studio dieses Projekt nicht als bloßen Ableger, sondern als das „echte Dying Light 3“. Man habe bei „Dying Light 2“ zwar einen kommerziellen Erfolg gefeiert, aber auf dem Weg dorthin etwas vom Kern der ursprünglichen Faszination verloren – die Härte, die Bedrohung, den unnachgiebigen Horror. „The Beast“ soll eine Rückbesinnung auf diese Tugenden sein, eine Rückkehr des legendären Protagonisten Kyle Crane und eine selbstbewusste Demonstration dessen, was mit der neuen Engine-Iteration möglich ist. Man opfert die Expansion in neue Genres, um die eigene Königsdisziplin zur Perfektion zu treiben.
Am 22. August wird sich zeigen, ob sich dieses Opfer gelohnt hat, wenn „Dying Light: The Beast“ entfesselt wird. Es ist die Geschichte eines Studios, das eine schwere Entscheidung getroffen hat: einen Traum sterben zu lassen, damit eine Legende wiedergeboren werden kann.

