Studie mahnt zur Stärkung der heimischen Stahlproduktion
Eine aktuelle Studie der Universität Mannheim, gefördert durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, hat die gravierenden wirtschaftlichen Folgen einer Verlagerung der deutschen Stahlproduktion ins Ausland beleuchtet. Das Dokument, das der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag, warnt vor milliardenhohen Verlusten im Falle eines internationalen "Stahlschocks". Ein solcher Schock könnte durch geopolitische Spannungen oder Störungen in den Lieferketten entstehen, die die großen Stahlexporteure veranlassen würden, ihre Lieferungen nach Europa drastisch zu reduzieren. In diesem Szenario würden die nachgelagerten Industrien, darunter Bauwesen, Metallerzeugung, Maschinenbau, Elektrotechnik und die Automobilindustrie, mit erheblichen Kostensteigerungen konfrontiert.
Diese Preissteigerungen würden letztlich die Produktion und Wertschöpfung mindern und auch die Einkommen der privaten Haushalte negativ beeinflussen, was sich auf die Binnennachfrage auswirkt. Die Studie von Tom Krebs und Patrick Kaczmarczyk weist zudem auf die Gefahr eines langsamen Niedergangs der Stahlindustrie und die damit verbundenen wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen hin. Regionen mit hoher Stahlproduktion wie Duisburg, Eisenhüttenstadt, Bremen und das Saarland könnten besonders hart getroffen werden. Wirtschaftliche Abschwänge in solchen Regionen könnten das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen fördern und stellen eine Herausforderung für die demokratische Stabilität dar.
Die Studie hebt die Notwendigkeit hervor, langfristig eine jährliche Stahlproduktion von etwa 40 Millionen Tonnen in Deutschland zu sichern. 2024 betrug die Produktion 37 Millionen Tonnen. Dabei sollte die Hälfte der Zielproduktion durch CO2-arme Direktreduktion und die andere Hälfte durch das Schmelzen von Stahlschrott in Elektroöfen erreicht werden. Forderungen nach Investitionen in klimafreundlichere Anlagen stehen im Raum. Am Donnerstag wird im Bundeskanzleramt ein "Stahlgipfel" abgehalten, der sich mit Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie befasst.

