Spannende Themen beim GUTcert Innovationstag 2025
Transformation in Theorie und Praxis: Wie am besten führen und organisieren? Wie kann KI sinnvoll unterstützen? Welche Gefahren lauern ohne systematisch gemanagte Informationssicherheit?

17. Februar 2025, 09:00 Uhr · Quelle: Pressebox
Die GUTcert-Jahreskonferenz am 17. Januar 2025 thematisierte wichtige Herausforderungen in den Bereichen Zertifizierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Experten präsentierten innovative Ansätze zur Transformation in turbulenten Zeiten, KI-gestützten Lösungen in der Wirtschaft und neuen Normen für Innovationsmanagement.

Berlin, 17.02.2025 (PresseBox) - Um diese und viele weitere wichtige Themen drehte sich die diesjährige GUTcert-Jahreskonferenz mit Updates zu Zertifizierung, Validierung, Verifizierung und Prüfung. Am 17. Januar 2025 trafen sich im Leonardo Royal Hotel am Alexanderplatz über 100 Kunden, Auditoren, andere Interessierte und Mitarbeitende der GUTcert, um gemeinsam Lösungen für bestehende und kommende Herausforderungen zu diskutieren.

Fachexpertinnen und -experten aus verschiedenen Bereichen erläuterten komplexe Sachverhalte, bezogen Stellung und gaben wichtige Hinweise. Für all jene, die nicht dabei sein konnten, hier ein Überblick über die Inhalte.

Notieren Sie sich auch gerne schon den Termin für den nächsten Innovationstag Zertifizierung: den 16. Januar 2026. Wir freuen uns auf Sie!

Keynote 1: Transformation in turbulenten Zeiten – 5 Thesen zu Führung und Organisation – Dr. Tobias Leipprand, LEAD Forward

Erstes Highlight war der Impulsvortrag von Dr. Tobias Leipprand von LEAD Forward, bei dem sich die Teilnehmenden per QR-Code direkt beteiligen und ihre Gedanken und Fragen in die Präsentation einfließen lassen konnten.

Dabei wurde eines schnell klar: Strategische Führung ist in einer zunehmend multipolaren Weltordnung und angesichts gesellschaftlicher Spannungen herausfordernder denn je. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, besser mit Paradoxien umzugehen und gezielt Strategien für komplexe Probleme zu entwickeln. Ein zentrales Thema ist beispielsweise der Generationenkonflikt, der in vielen Organisationen spürbar ist. Hier gilt es, Brücken zu bauen, aufeinander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu finden – denn gute Kommunikation bleibt der Schlüssel zu erfolgreicher Zusammenarbeit.

Locker und inspirierend regte die Keynote zum Nachdenken an und bot wertvolle Impulse für die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt.

Keynote 2: Deep-Dive – wie KI ganz praktisch Transformation und das Geschäft stärken kann – Mayra Hartmann, One Thousand

Zu grundlegenden Erläuterungen zum Thema KI und den Herausforderungen des maschinellen Lernens gab Hartmann einen historischen Überblick, beginnend mit Alan Turings Grundlagenforschung in den 30er Jahren, gefolgt von der maschinellen Bilderkennung in den 80ern bis hin zum heutigen Deep Learning (selbstständiges Lernen). Besonders deutlich wurden die mit dem selbständigen Lernen von KI verbundenen Herausforderungen anhand einiger spannender Beispiele. Hilfreich war ihre kurze Anleitung, wie Prompts formuliert werden sollten: Sie bestehen aus klaren Anweisungen oder Fragen, die ein Problem oder eine Aufgabe präzise definieren, um spezifische Reaktionen oder Antworten von einer KI zu erhalten.

Nachhaltigkeit als Teil der Transformation der Wirtschaft – Yulia Felker, GUTcert GmbH

Inwieweit hat sich unser Leben durch Nachhaltigkeitsanforderungen verändert? Kaum ein Unternehmen kommt heutzutage an den Begriffen LkSG, Taxonomie und CSRD vorbei – auch wer nicht direkt betroffen ist, muss seinen Stakeholdern gegenüber Rechenschaft ablegen.

Managementsysteme helfen, viele der geforderten Informationen zu stellen, es gibt jedoch keine Norm, die all diese Daten bündelt. Bisher sind Nachhaltigkeitsberichte nach GRI und DNK das sinnvollste Instrument, aber Ende 2025 wird die neue Norm 53001 für das Management von UN-Nachhaltigkeitszielen erwartet. Die ISO und das UN Development Programme arbeiten an einer ISO-Norm, die auf der bekannten Harmonized Structure und den SDGs beruht und Nachhaltige Entwicklung erstmals zertifizierbar machen soll. Die GUTcert ist Teil der Arbeitsgruppe und informiert über neue Entwicklungen.

Digitale Sicherheit: Die Anforderungen wachsen – Tim Stauffenberg, GUTcert GmbH

Die aktuelle Gefahrenlage für IT-Systeme ist konstant hoch. Ein funktionierendes Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) ist in unserer vernetzten und digitalisierten Welt daher unerlässlich – ob zertifiziert oder nicht. Das gilt nicht nur für klassische IT-Dienstleister, sondern durchweg für alle Branchen. Stauffenberg gab einen Überblick über die Vorteile einer freiwilligen Zertifizierung nach ISO 27001 und ging auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen (KRITIS) bzw. Zertifizierungen (IT-Sicherheitskatalog) ein.

Der wesentliche Punkt war der Ausblick auf das – vielleicht schon bald – kommende NIS-2-Umsetzungsgesetz. Da der aktuelle Gesetzesentwurf keine Übergangsfristen vorsieht, sind betroffene Unternehmen gut beraten, sich bereits jetzt darauf vorzubereiten, die Anforderungen der dann kommenden EU-Richtlinie umzusetzen, selbst wenn das Gesetz noch nicht in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden sollte.

Ein kurzer Ausblick auf zukünftige Regulierungen wie das KRITIS-Dachgesetz und verschiedene EU-Verordnungen, die zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden müssen, machten deutlich, dass es im Bereich Informationssicherheit auch zukünftig nicht langweilig wird.

Transformation bei GELSENWASSER – Barbara Ransiek, GELSENWASSER AG

Die GELSENWASSER AG hat 2020 unter der Leitung von Barbara Ransiek einen wichtigen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gemacht. Mit einer klaren Strategie, die auf einem 3-Säulen-Modell basiert, verfolgt das Unternehmen das Ziel, bis 2045 Carbon Neutrality zu erreichen.

Erfolge auf diesem Weg wurden 2023 mit zwei renommierten Preisen für herausragende Nachhaltigkeitsstrategien und Klimaschutzmaßnahmen honoriert – eine Bestätigung des engagierten Teams. Ein Highlight der Transformation ist das KI-gestützte Energiemanagement-Assistenzsystem für Wasserwerke, das nicht nur die Energiebeschaffung optimiert und die Effizienz steigert, sondern auch Energiekosten senkt und netzdienliches Verhalten fördert, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden.

In den kommenden drei bis fünf Jahren plant die GELSENWASSER AG, ihren Fokus auf die Reduktion von Scope-3-Emissionen zu richten. Dazu sollen Erdgasressourcen durch Wasserstoff ersetzt werden. Darüber hinaus wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Wasserförderung und im Wassernetz weiter ausgebaut, mit dem Ziel, das Unternehmen langfristig energieautark zu machen.

Wärmeplanung – Abwärmepotentiale als ein Baustein des Transformationsplanes – Michael Neumann, VW-Kraftwerke

Die Zukunft der Wärmeversorgung liegt in der effizienten Nutzung von Abwärmepotenzialen. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Projekt der VW-Kraftwerke, das auf die Nutzung unvermeidbarer Abwärme setzt. Mit dem Ziel, bestehende Wärmenetze nachhaltiger zu gestalten, wird die Abwärme, die beispielsweise in Industrieanlagen, bei der Stromerzeugung oder im tertiären Sektor entsteht, sinnvoll genutzt. Laut § 3 Nr. 13 des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) gilt Abwärme als unvermeidbar, wenn sie im Produktionsprozess nicht wirtschaftlich oder technisch verwertbar ist und ohne Wärmenetz ungenutzt in die Umwelt abgegeben wird. Geplant ist eine schrittweise Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien und der vermehrten Nutzung bisher unvermeidbarer Abwärme in Wärmenetzen: 30 % bis 2030, 80 % bis 2040 und 100 % bis 2045.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Nutzung eines Betriebswasserrückhaltebeckens (BWRB), das zu den zehn größten Abwärmequellen gehört. Mit einer potenziellen Wärmeausbeute von ca. 173 GWh pro Jahr und Temperaturen zwischen 9 und 28 Grad Celsius könnte das BWRB rund 22 % des jährlichen Heizbedarfs des VW-Werks decken. Zusätzlich dient das Becken nicht nur als Wärmequelle, sondern auch als Wärmespeicher.

Um dieses Potenzial zu heben, plant VW-Kraftwerk den Aufbau von Großwärmepumpen in unmittelbarer Nähe des Heizkraftwerks (HKW) Wolfsburg-West. Mit einer Gesamtleistung von bis zu 35 MW werden zwei Wärmepumpen mit jeweils 17 MW Heizleistung installiert. Gereinigtes Abwasser wird vor der Hebeanlage entnommen, und die Fernwärmeanbindung über eine Rohrbrücke ermöglicht eine flexible Nutzung – auch bei zusätzlichem Heizbedarf im Winter.

Ein zentraler Aspekt bei der Planung ist die Auswahl des richtigen Kältemittels, das die Wärmeausbeute der Wärmepumpen erheblich beeinflusst. Unterschiedliche Kältemittel bieten je nach ihren thermodynamischen Eigenschaften variierende Effizienzen und Temperaturbereiche, was die optimale Auslegung der Wärmepumpen direkt bestimmt. Gleichzeitig erschwert die rechtliche Unsicherheit die Entscheidung, insbesondere durch das geplante Verbot von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS). Umweltfreundliche Alternativen müssen sowohl gesetzeskonform als auch technisch effizient sein, was zusätzliche Abstimmungsarbeit erfordert.

Der Standort bietet dennoch ideale Voraussetzungen dank vorhandener Infrastruktur wie Mittelspannungs- und Fernwärmeanschlüssen sowie einem permanenten prozessbedingten Heizbedarf, der eine ganzjährige Nutzung ermöglicht. Mit Investitionskosten von 750 bis 800 Euro pro KW installierter Leistung und der Zusammenarbeit mit führenden Wärmepumpenherstellern treibt VW-Kraftwerk dieses innovative Projekt voran. Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und zukunftsorientierten Wärmeversorgung.

Innovationen fördern durch systematisches Innovationsmanagement: Die neue Norm ISO 56001 – Anette Helfrich, QSBiG QualitätsService im Bildungs- und Gesundheitswesen

Resilient sein in Zeiten multipler Krisen und gleichzeitig echten Wert schaffen – wünschen wir uns das nicht alle? Anette Helfrich vom QSBiG zeigt uns, wie es gelingen kann: mit der neu veröffentlichten ISO 56001 für systematisches Innovationsmanagement. Das Schöne daran ist, dass sich die Norm geschmeidig in bestehende Managementsysteme integrieren lässt und gleichzeitig ein potentes Mittel bietet, Innovationsmanagement im Unternehmen strukturiert und zielorientiert anzugehen. Wer kann die Norm anwenden? Alle! Mit ihr können Unternehmen ihre Fähigkeit ausbilden, Innovationsaktivitäten zu führen, zu steuern und zu entwickeln. Sie setzt sich beispielsweise dezidiert damit auseinander, wie Risiken in Bezug auf Innovationsaktivitäten gemanagt werden können, wie man Finanzressourcen sinnvoll bestimmen kann und mit welchen Kennzahlen sich Innovation messen lässt. Frau Helfrich ermuntert: Setzen Sie die bunte Brille auf – nur Mut!

Umweltmanagementsysteme als Basis für die Transformation, Jochen Buser, GUTcert

Die Industrieemissionsrichtlinie (IE-Richtlinie) und ihre Nachfolgerichtlinie sind zentrale Regelwerke für den Immissionsschutz in der EU. Mit verbindlichen Anforderungen an Umweltmanagementsysteme (UMS) und Transformationsplänen wird die Basis für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft geschaffen.

UMS müssen dazu bis 2027 eingeführt sein und regelmäßig geprüft werden. Sie enthalten die Unternehmensziele zur Emissionsminderung, Ressourcenschonung und Dekarbonisierung. Transformationspläne, die ab 2030 verpflichtend sind, legen darüber hinaus die notwendigen Maßnahmen fest, um Anlagen bis 2050 klimaneutral aufzustellen.

Umweltmanagement ist Best Practice und bildet das Fundament für eine planbare Transformation. Die europäischen Vorgaben treiben diese Entwicklung maßgeblich voran, insbesondere durch das verbindliche Umsetzen von BVT-Schlussfolgerungen (beste verfügbare Techniken). Innovationszentren wie INCITE setzen hier neue Impulse, während die Veröffentlichungspflichten Transparenz schaffen.

Der europäische Taktgeber für nachhaltige Transformation kommt aus Brüssel – die Zukunft der Wirtschaft ist nachhaltig.

Neues aus der Träger- und Maßnahmenzulassung – Henrik Netzow, GUTcert und die Arbeit des Beirats nach § 182 SGB III – Bogumila Szyja, Der Paritätische Gesamtverband

Nach einem kompakten Überblick zu den Änderungen in der Träger- und Maßnahmenzulassung des vergangenen Jahres hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, dazu erste Erfahrungen auszutauschen und Fragen an die Zertifizierungsstelle zu diesen Themen zu stellen.

Bogumila Szyja stellte daraufhin die Arbeit des AZAV-Beirats bei der Bundesagentur für Arbeit vor. Da dieses Gremium wichtige Vorgaben für Bildungsträger und Zertifizierungsstellen veröffentlicht, stellte sich die Frage, wie Bildungsanbieter Themen einbringen können bzw. Einfluss auf die Entscheidungen des Beirats nehmen können. Hierzu wurde die Empfehlung ausgesprochen, sich in Bildungsverbänden zu engagieren, deren Vertreter im Rotationsprinzip auch im Beirat vertreten sind.

Danke an alle!

GUTcert dankt allen Referentinnen und Referenten und den engagierten Teilnehmenden für den spannenden Austausch! Welche Themen sind besonders wichtig? Über Wünsche für den nächsten Innovationstag am 16. Januar 2026 freut sich das Team der GUTcert-Akademie.

Dienstleistungen
[pressebox.de] · 17.02.2025 · 09:00 Uhr
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