Siemens Healthineers: Herausforderungen im neuen Geschäftsjahr und strategische Weichenstellungen
Der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers verzeichnete einen verhaltenen Start in das neue Geschäftsjahr. Belastungen durch den starken Euro und US-Zölle führten zu einem schwächeren ersten Geschäftsquartal, die Ergebnisse fielen jedoch weniger drastisch aus als prognostiziert. Während der Auftragseingang robust blieb, erzielte insbesondere das Kerngeschäft mit der Bildgebung sowie die Precision Therapy Sparte, zu der der US-Krebsspezialist Varian gehört, erfreuliche Fortschritte. Der Bereich Labordiagnostik hingegen zeigt weiterhin Schwächen, vor allem aufgrund anhaltender Herausforderungen in China.
In der Hauptversammlung am Donnerstag forderten die Aktionäre eine klare Strategie für die Zukunft der Labordiagnostik, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Eine mögliche Entflechtung des Segmentes, das keine Synergien mit dem restlichen Unternehmen aufweist, wird diskutiert. Hendrik Schmidt von der DWS betonte die Notwendigkeit einer klaren Entscheidung, um das Segment aus seiner Rolle als Bremsklotz zu befreien und sein Potenzial zu entfalten. Konzerneigene Überlegungen bleiben aktuell jedoch noch vage. Ziel von CEO Bernd Montag sei es trotzdem, kein „Konglomerat“ zu schaffen.
Ein weiterer großer Faktor, der die Geschäfte von Healthineers belastet, ist das komplexe Marktumfeld in China, das durch strukturelle Veränderungen geprägt ist. Dazu zählen eine zentralisierte, volumenbasierte Beschaffung sowie gesunkene Erstattungsbeträge, was zu einem spürbaren Rückgang der Umsätze und der Profitabilität geführt hat. Die operative Marge von 2,1 Prozent markiert den schwächsten Wert im Unternehmen.
Trotz eines insgesamt um 1,5 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro gesunkenen Konzernumsatzes stellte das Management jedoch die Aussicht auf eine vergleichbare Umsatzzunahme von fünf bis sechs Prozent in Aussicht. Besonders die Abnabelung von der Muttergesellschaft Siemens und der damit einhergehende größere Streubesitz wird von den Aktionären optimistisch als Möglichkeit gesehen, die Attraktivität der Aktie zu steigern.
Mit einem Kursverlust von fast drei Prozent am Donnerstag war die Marktresonanz eher verhalten. Die Dekonsolidierung von Siemens, die im vergangenen November angekündigt wurde und vor allem in Form einer Abspaltung von 30 Prozent der Anteile erfolgen soll, stößt dennoch auf positive Resonanz. Dies birgt die Chance, die Kapitalbindung zu reduzieren, was von Investoren schon seit langer Zeit gefordert wurde.
Gleichwohl besteht Kritik an der möglichen Form der Dekonsolidierung. Schritte, die eine neuerliche Aktionärsbasis erschließen könnten, werden vermisst. Die Umsetzung der Dekonsolidierung wird Zeit in Anspruch nehmen, da noch einige Details geklärt und die Zustimmung der Aktionäre eingeholt werden muss. Siemens hält nach aktuellem Stand noch 67 Prozent an Siemens Healthineers.

