Investmentweek

Seltsame Überweisung, hohe Verluste – Wie die Postbank beim Phishing versagte

14. Juli 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Seltsame Überweisung, hohe Verluste – Wie die Postbank beim Phishing versagte
Foto: InvestmentWeek
69.500 Euro verschwanden vom Postbank-Konto eines Rentners. Der Zielort Malta galt bis 2023 als Risikostaat auf der FATF-Grauen Liste.
Der Fall von Bernhard K. und seiner Frau zeigt, wie unzureichend Banken beim Schutz ihrer Kunden vor Phishing-Betrug agieren. Hohe Verluste und rechtliche Hürden werfen Fragen zur Verantwortung der Banken auf.

Als das Konto leer war, begann der Streit

Es sind nicht nur Zahlen, sondern Existenzen, die hier zur Verhandlung stehen. Im Fall von Bernhard K. und seiner Frau ging es um 69.500 Euro – praktisch das gesamte Altersvermögen.

Die Summe verschwand binnen Stunden vom Postbank-Konto der Eheleute. Wohin? Auf ein Konto in Malta, das just an jenem Tag bei Openpayd eröffnet wurde. Auf den Namen von Herrn K. – nur dass der von alldem nichts wusste.

Dass Kriminelle ein neues Gerät aktivierten, dafür einen Freischaltcode nutzten und mit diesem Zugang das tägliche Überweisungslimit aushebelten, hätte schon an sich sämtliche Warnsysteme auslösen müssen. Doch die Transaktion lief offenbar durch. Die Postbank erkennt den Betrug zwar an – will aber nicht zahlen.

Haftung? Nur für Kunden

Die Argumentation der Bank ist bekannt: grobe Fahrlässigkeit. Der Kunde, so heißt es, habe möglicherweise auf einen schadhaften Link geklickt, einen Code falsch eingegeben oder zu spät reagiert. Die Beweispflicht dafür? Liegt formal bei der Bank – faktisch aber selten.

Ein Recherchedokument der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zeigt, wie ungleich die Last verteilt ist: Bei betrügerischen Überweisungen tragen Kunden laut Studie in 79 Prozent der Fälle den finanziellen Schaden. Bei Kreditkartenbetrug hingegen wird die Belastung meist geteilt.

Diese Schieflage will die EU-Kommission nun ändern. Sie prüft, ob Banken auch dann haften sollen, wenn Kriminelle sich mit Social Engineering Zugriff verschaffen – etwa durch geschickt eingefädelte Anrufe, SMS oder gefälschte Webseiten.

Malta – ein Warnsignal, das niemand hörte

Besonders brisant ist das Ziel der Überweisung: Malta. Das Land wurde bis 2023 von der internationalen Antigeldwäschebehörde FATF auf der „grauen Liste“ geführt, also unter besonderer Beobachtung.

Ein Drittel aller grenzüberschreitenden Betrugsfälle in Europa endet statistisch im Ausland – obwohl nur vier Prozent aller Überweisungen ins Ausland gehen.

Dass Openpayd, der involvierte Zahlungsdienstleister, keine direkte Beziehung zum Ehepaar K. hatte, macht die Sache nicht besser. Die Plattform Crypto.com, bei der das Konto angeblich eröffnet wurde, betont hohe Sicherheitsstandards.

Kriminelle erhielten Zugang über einen abgefangenen Aktivierungscode. Der Rentner bemerkte den Betrug zu spät – das Geld war bereits in Malta.

Doch wie konnte dann überhaupt ein Konto auf den Namen eines deutschen Rentners eröffnet werden – ohne dessen Wissen, ohne verlässliche Identitätsprüfung?

Technisch möglich, praktisch ungeschützt

Wie einfach es Kriminelle heutzutage haben, neue Geräte bei Bankkonten zu registrieren, ist eine Schwachstelle, über die kaum gesprochen wird. Sparkassen etwa verlangen inzwischen, dass sich das alte und neue Gerät gleichzeitig per Bluetooth verbinden – ein simpler, aber wirksamer Schutzmechanismus.

Die Deutsche Bank, Muttergesellschaft der Postbank, will nun ebenfalls nachrüsten. QR-Codes, zusätzliche Freigaben, Standortabgleich. Doch für Familie K. kommt das zu spät. Der Ombudsmann schlug vor, die Bank solle 52.000 Euro erstatten. Abgelehnt. Stattdessen: ein Kulanzangebot über 13.900 Euro.

Besserer Schutz? Ja. Gewollt? Fraglich

PwC-Experte Jan Otto sieht zahlreiche ungenutzte Möglichkeiten. „Ein modernes Betrugsabwehrsystem berücksichtigt Verhalten, Gerät, Ort und Transaktionsmuster“, sagt er. All das sei technisch längst möglich – werde aber nur selten eingesetzt.

Aus Kostengründen. Oder aus Angst vor Falsch-Alarmen. Das System der Postbank jedenfalls ließ die ungewöhnliche Kombination aus neuer Geräteaktivierung, hoher Auslandsüberweisung und unbekanntem Ort durchgehen.

Klar ist: Der Fall der Familie K. ist kein Einzelfall, aber exemplarisch. Er zeigt, wie schnell sich der digitale Fortschritt in Verantwortungslosigkeit verkehrt. Und wie weit Teile der Branche von echtem Verbraucherschutz entfernt sind.

Der Fall zeigt, woran das System krankt

Banken sprechen von Digitalisierung, aber sie digitalisieren vor allem den Risikotransfer auf den Kunden. Die rechtlichen Hürden, das Geld zurückzubekommen, sind hoch – zu hoch.

Die Informationsasymmetrie, die Komplexität des Systems und die institutionelle Abwehrhaltung der Banken sorgen dafür, dass Betrüger leichtes Spiel haben, aber Geschädigte kaum Chancen.

Was bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht – und ein Flickenteppich aus Kulanz, Rechtsstreit und Vertrauensverlust. Wer sich beim Onlinebanking nicht mehr sicher fühlen kann, verliert mehr als nur Geld. Er verliert das Vertrauen in ein System, das eigentlich schützen soll.

Finanzen / Unternehmen / Phishing / Kundenschutz / Betrugsprävention
[InvestmentWeek] · 14.07.2025 · 14:00 Uhr
[1 Kommentar]
Das vergangene Jahr im wirtschaftlich bedeutenden Frankreich endete mit einer bemerkenswerten Abschwächung der Inflation. Wie aus den ersten Schätzungen des französischen Statistikamtes Insee hervorgeht, erhöhten sich die für europäische Vergleichszwecke berechneten Verbraucherpreise, der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), im Dezember lediglich um 0,7 Prozent im Vergleich zum […] (00)
vor 13 Minuten
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat eine Reform der Impfempfehlungen für Kinder vorgestellt, die erhebliche Änderungen mit sich bringt. Die bisherige Liste von 17 empfohlenen Impfungen wird künftig auf elf reduziert. Dies teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit, wobei er betonte, dass Eltern weiterhin die Möglichkeit haben werden, ihren Kindern auch die nicht mehr […] (00)
vor 23 Minuten
Paul Mescal
(BANG) - Paul Mescal würde "den Verstand verlieren", wenn er zwei Jahre Pause vom Schauspielern machen würde. In einem Interview mit der Zeitung 'The Guardian' vom 2. Januar sagte der 29-Jährige, er lerne gerade, dass er "nicht glaube, so viel weitermachen zu können". Nun stellte der irische Schauspieler klar, dass er damit vor allem eine Auszeit von der Promotion kommender Projekte meinte. Paul – […] (00)
vor 2 Stunden
Withings Body Scan 2 – Ein neuer Standard für die Gesundheitsvorsorge zu Hause
Mit der Erfindung der weltweit ersten vernetzten Waage im Jahr 2009 etablierte sich Withings als Pionier im Bereich Connected Health. Jetzt setzt das Unternehmen einen neuen Meilenstein in der präventiven Gesundheitsvorsorge: mit  Body Scan 2, der fortschrittlichsten Longevity-Station für zu Hause. In Zusammenarbeit mit führenden Forschungszentren für Herz- und Stoffwechselerkrankungen entwickelt […] (00)
vor 1 Stunde
Bandai Namco veröffentlicht Walkthrough-Trailer zu CODE VEIN II
Bandai Namco Entertainment Europe veröffentlicht heute einen neuen Trailer zu CODE VEIN II, der Einblicke in ein weitläufiges Spielgebiet sowie das Fähigkeiten- und Partnersystem bietet. Außerdem wird die Demo zum CODE VEIN II Character Creator ab dem 23. 2026 Januar verfügbar sein, bevor das Spiel am 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC (via Steam) erscheint. Das Video […] (00)
vor 11 Stunden
Primetime-Check: Montag, 5. Januar 2026
Bei den Öffis wurde gemordet, bei RTL gequizzt - doch vor wie vielen Leuten? Beginnen wir auch zum Start in die erste volle Woche des Jahres bei der Gesamtzuschauerschaft: Diesbezüglich war es das Erste Deutsche Fernsehen mit dem neuen Krimi Morden im Norden: Weil du böse bist, der Gold holte. Denn die Produktion holte wirklich achtbare 5,83 Millionen und ganz starke 23,1 Prozent ab drei Jahren. Die Jüngeren waren in ungewöhnlich hoher Anzahl […] (00)
vor 1 Stunde
Fitnessgeräte
Wiesbaden (dpa) - Haben Sie zu Hause ein Ergometer, ein Laufband oder einen Crosstrainer? Gut jeder vierte Haushalt in Deutschland hat mindestens ein Fitnessgerät, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.  Rund 12,9 Millionen Fitnessgeräte gab es im Jahr 2023 in den privaten Haushalten. Diese verteilten sich auf 10,5 Millionen Haushalte. Den Zahlen zufolge besaßen zu diesem Zeitpunkt […] (00)
vor 42 Minuten
Dula ehrt langjährige Mitarbeitende und verabschiedet Rentner
Dortmund, 06.01.2026 (PresseBox) - Zum Jahresausklang 2025 hat das Dortmunder Familienunternehmen Dula auf ein ereignisreiches Geschäftsjahr zurückgeblickt und die Menschen in den Mittelpunkt gestellt, die diesen Erfolg möglich gemacht haben. In den Werken Ahaus, Vreden und Spenge sowie in der Hauptverwaltung Dortmund wurden zahlreiche Mitarbeitende für ihre langjährige Betriebszugehörigkeit von […] (00)
vor 1 Stunde
 
Einnahmen seit 1995 um 76 Prozent gestiegen – ÖRR auf Rekordniveau
Einnahmen über zehn Milliarden Euro – Deutschland weltweit an der Spitze Nach Auswertung der […] (00)
bitcoin, cryptocurrency, blockchain, digital, investment, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, cryptocurrency
Binance hat auf Kritik an seinem neuen Produkt Binance Junior reagiert, nachdem Bedenken laut […] (00)
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer, screen, falling, increasing, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto
[PRESSEMITTEILUNG – Dubai, VAE, 6. Januar 2026] Die Gate Group hat bekannt gegeben, dass Gate […] (00)
Der anhaltende Stromausfall im Südwesten Berlins hat zu ungewöhnlichen Maßnahmen geführt: Fünf […] (00)
Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin Venezuelas ernannt
Reaktion auf Machtvakuum nach Maduros Festnahme Mit der Ernennung reagiert das oberste Gericht […] (00)
Preiswertes MacBook mit A18 Pro Chip soll im Frühjahr erscheinen
Nach einem Bericht von TrendForce plant Apple für den Frühling die Vorstellung eines neuen […] (00)
Paul Thomas Anderson
(BANG) - 'One Battle After Another' gehörte zu den großen Gewinnern der diesjährigen Critics […] (01)
James Wan
(BANG) - James Wan möchte den vierten 'Avatar'-Film inszenieren, falls James Cameron dies nicht […] (00)
 
 
Suchbegriff