Selenskyj zögert Teilnahme an Gesprächen in Istanbul hinaus
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lässt die internationale Gemeinschaft weiter im Ungewissen, ob Kiew an der von Moskau geplanten neuen Verhandlungsrunde zur Konfliktbeilegung teilnehmen wird. Im Dialog mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wurden mögliche Bedingungen für die Teilnahme der Ukraine an den Gesprächen erörtert. Selenskyj betonte, dass eine Teilnahme unter ukrainischer Beteiligung nur erfolgen werde, wenn konkrete Ergebnisse erzielt werden könnten.
Ein jüngster Gefangenenaustausch wurde als bedeutender Erfolg der Gespräche in Istanbul gewertet, doch bedauerte Selenskyj, dass dies bisher der einzige greifbare Fortschritt bleibe. Er hob hervor, dass eine Waffenruhe das unentbehrliche Fundament für Friedensbewegungen darstelle und die Gewalt eingestellt werden müsse.
Moskau hat für den 2. Juni in Istanbul eine Fortsetzung der Gespräche mit Vertretern aus Kiew anberaumt, um eine mögliche Kriegsbeendigung zu diskutieren. Russland plant, ein Memorandum vorzulegen, das die Ukraine im Vorfeld einsehen wollte, was jedoch von Russland abgelehnt wurde. Stattdessen soll die Absichtserklärung erst in Istanbul thematisiert werden. Diese direkten Gespräche werden erstmals seit 2022 auf russische Initiative wieder aufgenommen.
In einem Austausch mit Erdogan kam auch die Möglichkeit eines Vierer-Treffens, an dem die Präsidenten der Ukraine, Russlands, der Türkei und der Vereinigten Staaten teilnehmen könnten, zur Sprache. Selenskyj dankte der Türkei für deren Unterstützung im ukrainischen Kampf um Souveränität und territoriale Integrität. Gleichzeitig kritisierte er in seiner abendlichen Videobotschaft Russland für dessen diplomatisches Verhalten, das er als unangemessen für die globale Akteursbühne betrachtet, und machte deutlich, dass verstärkter Druck notwendig sei.

