«Eine widerliche Sache»

Schuldspruch im Prozess um Schumacher-Erpressung

12. Februar 2025, 18:55 Uhr · Quelle: dpa
Im Fall der gescheiterten Erpressung der Familie von Michael Schumacher hat das Amtsgericht in Wuppertal drei Männer schuldig gesprochen. Zwei hatten gestanden. Es ging um 15 Millionen Euro.

Wuppertal (dpa) - Für die gescheiterte Erpressung der Familie von Ex-Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher hat die Justiz bis zu drei Jahre Haft verhängt. Der mehrfach vorbestrafte Hauptangeklagte (53) wurde vom Amtsgericht in Wuppertal wegen versuchter Erpressung in einem besonders schweren Fall zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, sein Sohn (30) erhielt wegen Beihilfe zur versuchten Erpressung ein halbes Jahr Haft auf Bewährung und 1.200 Euro Geldauflage. 

Ein ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter bei der Familie (53) wurde ebenfalls wegen Beihilfe zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 2.400 Euro Geldauflage verurteilt. Er habe mit seinem Vertrauensbruch den wesentlichsten Tatbeitrag geleistet und die Sache ins Rollen gebracht, sagte Richterin Birgit Neubert. 

Alle Haftbefehle wurden aufgehoben oder außer Vollzug gesetzt. Für die Familie Schumacher kündigte deren Anwalt Thilo Damm an, im Fall des Ex-Sicherheitsmitarbeiters in Berufung zu gehen. «Wir teilen nicht alle Ausführungen des Gerichts.»

Schumacher-Familie sollte 15 Millionen Euro zahlen

Die Familie Schumacher war mit der Veröffentlichung privater Fotos und Videos erpresst worden. Sie sollte 15 Millionen Euro zahlen, andernfalls werde man die Bilder im Darknet veröffentlichen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren 900 Bilder und fast 600 Videos der Familie sowie die digitalisierte Krankenakte von Michael Schumacher bei den Tätern sichergestellt worden. Eine Festplatte blieb verschwunden.

Michael Schumacher wird seit seinem schweren Ski-Unfall 2013 von seiner Familie und deren Mitarbeitern von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Er hatte eine schwere Kopfverletzung erlitten. 

Der Hauptangeklagte und sein Sohn hatten die Vorwürfe gestanden. Für den dritten Angeklagten, einen ehemaligen Sicherheitsmitarbeiter bei den Schumachers, hatte dessen Anwalt die Vorwürfe bestritten und einen Freispruch gefordert. Sein Mandant habe die sensiblen Daten nicht gestohlen. Die Daten seien schon weit vor dem Jahr 2024 verschiedenen Zeugen angeboten worden.

Strafforderungen gingen auseinander

Der Staatsanwalt hatte für den Hauptangeklagten (53) drei Jahre Haft wegen besonders schwerer Erpressung gefordert und vier Monate auf Bewährung für dessen Sohn (30) wegen Beihilfe. Es sei besonders verwerflich, dass der 53-Jährige den tragischen Unfall Michael Schumachers und die Situation der Familie ausgenutzt habe. 

Für den Ex-Sicherheitsmitarbeiter im Haus der Schumachers hatte er ein Jahr auf Bewährung wegen Beihilfe beantragt. Er habe nach seiner Freistellung und dem offenen Zerwürfnis auf Rache gesonnen. 

Der Anwalt der Familie Schumacher forderte für die Nebenklage wie der Staatsanwalt drei Jahre Haft für den Hauptangeklagten, aber ein Jahr für dessen Sohn wegen Beihilfe und sogar vier Jahre Haft für den Ex-Sicherheitsmitarbeiter. Der sei nicht nur Helfer, sondern Mittäter. Er habe den Auftrag gehabt, die privaten Aufnahmen zu digitalisieren. Im Übrigen sei die Familie Schumacher nicht erpressbar. 

Der Verteidiger des Hauptangeklagten hatte zwei Jahre und drei Monate Haft beantragt. Die Begehungsweise sei dilettantisch gewesen und es habe sich aus seiner Sicht nicht um eine schwere, sondern nur um eine einfache Erpressung gehandelt. Er beantragte die Aufhebung des Haftbefehls. 

«Eine sehr, sehr widerliche Sache»

«Es ist eine sehr, sehr widerliche Sache, die ich da gemacht habe. Das wurde mir am zweiten Tag im Gefängnis klar. Ich werde dafür geradestehen», sagte der 53-Jährige, der als Türsteher in Konstanz arbeitete.

Der Verteidiger des 30-jährigen Sohns des Hauptangeklagten hatte eine Geldstrafe angeregt. «Mein Mandant hat sich für den Mist, den er gemacht hat, mehrfach entschuldigt.» Sein Tatbeitrag sei denkbar gering: Er habe für seinen Vater lediglich eine E-Mail-Adresse eingerichtet, ohne sich große Gedanken zu machen. Er bezeichnete das Urteil als «fair und vernünftig». Die beiden anderen Verteidiger sagten, sie würden nun in «in Ruhe überlegen», ob sie gegen das Urteil vorgehen.

«Scheiß gebaut»

Der 53-Jährige aus Wuppertal hatte bei einer Mitarbeiterin der Familie Schumacher angerufen und die Summe von 15 Millionen Euro gefordert. Mitschnitte der Anrufe waren im Gerichtssaal vorgespielt worden. Dabei bot der Erpresser der Familie an, seinen Hintermann zu verraten.

Bei seinem Geständnis hatte er den Ex-Sicherheitsmitarbeiter der Schumachers belastet: Von ihm habe er die zwei Festplatten mit Bild- und Videomaterial bekommen. Er habe ihm wiederum gesagt, dass er das Material von einer Krankenschwester habe, die auch bei den Schumachers gearbeitet hatte und der gekündigt worden war. Gegen die Krankenschwester waren während des Prozesses Ermittlungen eingeleitet worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Kriminalität / Leute / Prozess (Gericht) / Urteile / Nordrhein-Westfalen / Deutschland / Schweiz
12.02.2025 · 18:55 Uhr
[0 Kommentare]
US-Justizministerin Bondi sagt bei Anhörung aus
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump setzt seine Justizministerin Pam Bondi ab. Vize-Justizminister Todd Blanche werde zunächst ihre Aufgaben übernehmen, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. «Wir schätzen Pam sehr, und sie wird eine dringend benötigte und wichtige neue Position in der Privatwirtschaft übernehmen, die in Kürze […] (00)
vor 14 Minuten
Dass dein Körper auf Nikotinentzug reagiert, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine ganz natürliche und erwartbare Reaktion deines Körpers auf die plötzliche Zufuhr-Abstinenz von einem Stoff, an den sich dein Gehirn gewöhnt hat. Und genau deshalb ist die Entwöhnung nicht so geradlinig, wie viele Menschen sich das wünschen. Viele erleben in den […] (02)
vor 4 Stunden
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte Vintage-Liste aufgenommen. Damit folgt das Tablet den Mobilfunk-Modellen, die diesen Status bereits zuvor erreicht hatten. Das beliebte Gerät feierte vor gut sieben Jahren, im März 2019, seine Markteinführung. Augmented Reality auf dem iPad, Quelle: Patrick […] (00)
vor 3 Stunden
MindsEye plant Blacklist-Update – CEO will mutmaßliche Saboteure öffentlich benennen
MindsEye hatte keinen einfachen Start – und der nächste Schritt von Entwickler Build A Rocket Boy dürfte die Diskussionen rund um das Spiel kaum beruhigen. CEO Mark Gerhard hat angekündigt, ein Update namens „Blacklist“ zu veröffentlichen, das in der Spielwelt Redrock eine ganz besondere Rolle spielen soll: Die mutmaßlichen Saboteure, die angeblich für […] (01)
vor 5 Stunden
Netflix sichert sich «The Corrections» mit Meryl Streep
Der Streamingdienst adaptiert den gefeierten Roman als Miniserie. Der Streaminganbieter Netflix hat die Produktion der Miniserie The Corrections bestätigt. In der Hauptrolle wird Meryl Streep zu sehen sein, die zugleich auch als Executive Producerin fungiert. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Jonathan Franzen. Die Geschichte erzählt von einer dysfunktionalen Familie aus […] (00)
vor 1 Stunde
Gianluigi Buffon
Rom (dpa) - Zwei Tage nach dem erneuten Scheitern in einer WM-Qualifikation gibt es erste personelle Konsequenzen im italienischen Fußballverband FIGC. Der Sportdirektor und frühere Weltklasse-Torwart Gianluigi Buffon sowie Verbandspräsident Gabriele Gravina sind von ihren Ämtern zurückgetreten. Er sei gebeten worden, seine spontanen Rücktrittsgedanken […] (01)
vor 3 Stunden
Sprit-Hammer um Punkt 12: Die neue Tank-Falle schnappt erbarmungslos zu
Was als Schutz für die Verbraucher gedacht war, entpuppt sich am ersten Tag seiner Gültigkeit als finanzieller Vernichtungsschlag für Pendler und Logistiker. Seit diesem Mittwoch darf in Deutschland das Gesetz der Straße nur noch einmal am Tag nach oben korrigiert werden: Punkt 12 Uhr mittags. Doch statt der erhofften Stabilität erlebten die Tankstellen […] (00)
vor 30 Minuten
Wenn der Vorplatz zum Showroom wird
Sinsheim, 02.04.2026 (lifePR) - Wenn sich am ersten Sonntag im Monat von 9 bis 14 Uhr der Vorplatz des Technik Museum Speyer mit automobilen Raritäten füllt, ist wieder Benzingespräch-Zeit. Von April bis September 2026 (ausgenommen Mai) lädt das Museum zum beliebten Treffpunkt für Old- und Youngtimerfans ein – im Jubiläumsjahr erstmals mit zusätzlichen […] (00)
vor 3 Stunden
 
Buckelwal sitzt weiterhin vor Insel Poel fest
Wismar (dpa) - An die 500-Meter-Sperrzone rund um den vor der Insel Poel liegenden […] (03)
Tankstelle (Archiv)
München - Am Tag der Einführung des sogenannten Österreich-Modells ist der […] (05)
Julia Klöckner (Archiv)
Berlin - Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) wird vom 8. bis 10. April Estland […] (00)
Tim Klüssendorf (Archiv)
Berlin - Angesichts der hohen Spritpreise durch den Iran-Krieg fordert der SPD- […] (05)
Mortal Shell 2 zeigt im ersten Gameplay-Trailer drei Shells und eine düstere offene Welt
Cold Symmetry hat mit dem ersten Teil bewiesen, dass ein kleines Studio ein Soulslike […] (00)
Megan Thee Stallion
(BANG) - Megan Thee Stallion wurde ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie während […] (00)
Razer Pro Type Ergo – Integrierte Produktivitäts‑Optionen, sofort einsatzbereit
Razer, die weltweit führende Lifestyle‑Marke für Gamer, hat heute die Razer Pro Type […] (00)
NBA-Commissioner Adam Silver
Berlin (dpa) - Die nordamerikanische Basketball-Liga NBA hat nach dpa-Informationen für das […] (01)
 
 
Suchbegriff