Afrika

Schock und Verzweiflung in Malawi nach Zyklon «Freddy»

16. März 2023, 21:17 Uhr · Quelle: dpa
Tropensturm «Freddy» hat in wenigen Tagen Malawi verwüstet. Mindestens 326 Menschen sind ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchen in Schlammmassen und Trümmern noch immer nach Überlebenden.

Blantyre (dpa) - Nach tagelanger Verwüstung durch den schweren Tropensturm «Freddy» suchten Rettungskräfte am Donnerstag in Malawi weiter nach Leichen und Überlebenden. Der Zyklon hat in drei Ländern im südöstlichen Afrika - Malawi, Mosambik und Madagaskar - Behörden zufolge mehr als 400 Menschenleben gefordert. Am meisten betroffen ist das verarmte Malawi, wo die Katastrophenschutzbehörde am Donnerstag 326 Tote meldete - über 100 mehr als am Vortag bekannt.

Nach knapp einer Woche hatten die starken Regenfälle am Donnerstag in weiten Teilen des Landes endlich nachgelassen. Präsident Lazarus Chakwera besuchte Opfer in den am schlimmsten betroffenen Gebieten im Süden des Landes. Die Regierung verkündete eine zweiwöchige Staatstrauer - Flaggen wehten auf halbmast. «Es ist eine nationale Tragödie, die jeden von uns getroffen hat», sagte Chakwera im Gespräch mit Bedürftigen außerhalb der Wirtschaftsmetropole Blantyre.

Allein in Malawi sind aufgrund des außergewöhnlich langanhaltenden Tropensturms «Freddy» nach offiziellen Angaben knapp 1000 Menschen verletzt worden. Mindestens 83.000 Menschen sind laut der Regierung obdachlos geworden. Für die am stärksten betroffene Region, den Süden Malawis, hat die Regierung den Katastrophenfall ausgerufen.

Ganze Dörfer von Schlamm zerstört

Von Flutwassern und Erdrutschen zerstörte Straßen, Brücken und Eisenbahnschienen erschwerten die Arbeit von Rettungskräften. Die Telekommunikation und Stromversorgung sei in vielen Landesteilen unterbrochen, teilte die Regierung mit. Die Dörfer Manja und Soche wurden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef komplett von einer Schlammlawine zerstört. Einwohner versuchten, sich über eine aus losen Baumstämmen gefertigte Brücke über reißende Fluten in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Auch zahlreiche Gesundheitszentren seien laut Unicef beschädigt worden. Schulen blieben diese Woche geschlossen.

Verzweifelte Einwohner suchten am Donnerstag in Trümmern nach vermissten Familienmitgliedern. Andere standen am Eingang von Leichenhallen Schlange, um Opfer zu identifizieren. «Es ist ein trauriger Tag für Malawi. Meine Nachbarn haben zehn Familienmitglieder verloren. Mehrere Leute, die ich kenne, werden vermisst», sagte Thomas Bhanda aus der Gemeinde Chilobwe - das ist in der Nähe von Blantyre - der Deutschen Presse-Agentur.

Der letzte Moment, an den sich Kiam Jegwa erinnern kann, ist, wie eine Flut von Wasser in sein Haus in Blantyre eindrang. Als nächstes sei er im Zentralkrankenhaus der Stadt aufgewacht. «Ich kann mich an nichts erinnern. Ich hoffe, meine Familie findet mich bald», sagte der 37-Jährige. Im Nebenzimmer sitzt die 25-jährige Jamia am Bett ihrer vierjährigen Tochter. Die beiden sind obdachlos, seitdem das Dach ihres Hauses einstürzte und ein fallender Dachbalken das Bein des Kindes verletzte. Wie viele Betroffene werden Jamia, die ihren Nachnamen nicht nennen will, und ihre Tochter zunächst in einer Schule oder Kirche Unterschlupf finden müssen.

Tote auch in anderen Ländern im Südosten Afrikas

Zyklon «Freddy» hat seit vergangenem Freitag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats im Südosten Afrikas eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Im benachbarten Mosambik starben nach Angaben von Präsident Filipe Nyusi mindestens 67 Menschen. Die Zahl könne sich demnach verdoppeln, da viele betroffene Gebiete noch nicht zugänglich seien. Auch im Inselstaat Madagaskar gab es mindestens 17 Tote.

Behörden in Malawi und Mosambik ermittelten am Donnerstag noch immer das genaue Ausmaß der Schäden, hieß es. «Die Situation ist extrem schlimm. Viele Menschen sind verwundet, vermisst oder tot. Die Zahlen werden in den kommenden Tagen zunehmen», sagte Guilherme Botelho, Leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Blantyre. Erschwerend hinzu komme ein verheerender Cholera-Ausbruch, der im Vorjahr von Tropensturm «Ana» ausgelöst worden war und inzwischen elf Länder im Südosten Afrika betreffe, so Bothelho.

«Freddy» hatte am 21. Februar erstmals Land erreicht - und zwar in Madagaskar. Von dort zog der Sturm weiter nach Mosambik und anschließend zurück über den Indischen Ozean. Am 11. März erreichte «Freddy» zum zweiten Mal Mosambik sowie auch Malawi.

Der seit mehr als einem Monat wütende Sturm dürfte nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) der langanhaltendste Zyklon seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein. «Freddy» wurde am 6. Februar zum Zyklon erklärt. Der Süden Afrikas befindet sich derzeit in der Zyklon-Saison, die bis März oder April Regen und schwere Stürme mit sich bringen kann.

Wetter / Unwetter / Katastrophen / Zyklon / Freddy / Tote / Überschwemmung / Erdrutsch / Malawi / Mosambik / Madagaskar
16.03.2023 · 21:17 Uhr
[1 Kommentar]
Rettungsaktion für den Buckelwal
Schwerin/Wismar (dpa) - Der bei Wismar gestrandete Buckelwal hat eine weitere Nacht überlebt. Er atme relativ regelmäßig alle zwei bis fünf Minuten, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), der sich erneut vor Ort ein Bild von der Lage machte. Wenn sich eine Fähre oder Personen näherten, werde die Frequenz niedriger. «Der Wal […] (03)
vor 6 Minuten
Lena Dunham
(BANG) - Lena Dunham ist "wirklich aufgeregt", wenn es darum geht, einen Weg zu finden, eine eigene Familie zu gründen. Die 'Girls'-Schöpferin, die 2021 den Musiker Luis Felber heiratete, hatte bereits zuvor öffentlich gemacht, dass sie sich nach jahrelangem Kampf mit Endometriose einer Hysterektomie unterzogen hat. Rückblickend erklärte sie, dass sie […] (00)
vor 2 Stunden
Der Anspruch ist klar: mehr Kontrolle, mehr Präzision und vor allem mehr Sicherheit bei der Ohrpflege. Statt „blind“ zu arbeiten, liefert das Gerät ein Livebild direkt aufs Smartphone. Eine Idee, die sofort neugierig macht – und in der Praxis überraschend gut funktioniert. Smarte Technik: Kamera, App und überraschend klare Bilder Das Herzstück des […] (00)
vor 38 Minuten
Nike SB in skate.: neues Pop-Up-Event verwandelt die Grom-Insel in eine nächtliche Skate-Oase
Manchmal braucht es kein großes Ankündigungsspektakel, um echte Begeisterung zu entfachen. skate. hat still und leise eine Kollaboration an Land gezogen, die in der Skateboard-Community längst Legendenstatus besitzt – und mit ihr kommen nicht nur neue Klamotten, sondern auch ein atmosphärisches Erlebnis, das die Straßen von San Vansterdam buchstäblich […] (00)
vor 12 Minuten
Anne Tafferner: Neue TV-Moderatorin bei RTL WEST
Ganz neu ist Tafferner genau genommen aber nicht. Sie ist seit 2018 Teil der Redaktion und als Reporterin im Einsatz. Neues Moderations-Gesicht beim Regionalprogramm RTL WEST: Die 32-Jährige Anne Tafferner ist das neue Gesicht im Moderatorenteam vom NRW Regionalprogramm bei RTL. Am kommenden Montag, 18 Uhr ist ihre erste Livesendung. „Meine Vorfreude ist riesig. Das Lampenfieber auch. Aber ich […] (00)
vor 1 Stunde
Max Verstappen
Berlin (dpa) - Für den Frustabbau nimmt sich Max Verstappen eine weitere Formel-1-Auszeit auf dem Nürburgring. Bei zwei Sportwagenrennen am Wochenende testet der Niederländer noch einmal für den 24-Stunden-Klassiker im Mai und holt sich erneut den Fahrspaß, der ihm gerade in der Formel 1 fehlt. «Wenn man für 22 Rennen von zu Hause weg ist, dann muss man […] (00)
vor 1 Stunde
Deutsche Börse verstärkt Engagement bei Krypto-Plattform Kraken
Deutsche Börse setzt auf Krypto-Wachstum Die Deutsche Börse intensiviert ihre strategische Partnerschaft mit der führenden US-amerikanischen Kryptohandelsplattform Kraken. Mit diesem Schritt unterstreicht Europas größte Börsengruppe ihr Bekenntnis zum Kryptomarkt und signalisiert das wachsende Vertrauen in digitale Vermögenswerte. Die Expansion bei […] (00)
vor 42 Minuten
Mit COSYS PPWR-Konformität bis August 2026 sicherstellen
Dortmund, 16.04.2026 (PresseBox) - Die neue PPWR-Verordnung macht Verpackungen endgültig zum strategischen Thema. Was früher oft als reine Transport- oder Materialfrage behandelt wurde, wird nun zu einer klaren Compliance-, Transparenz- und Nachhaltigkeitsaufgabe. Unternehmen, die Mehrwegbehälter, Paletten, KLTs, Gitterboxen oder andere […] (00)
vor 1 Stunde
 
Bundesregierung verzehnfacht Rüstungsexporte nach Israel
Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat auch in den ersten Wochen des Iran-Kriegs […] (00)
Quantencomputer Euro-Q-Exa in München
München (dpa) - Heimische Industrie und Forschungseinrichtungen holen ihren Rückstand […] (00)
An einem bewölkten Tag wölbt sich ein wunderschöner Regenbogen über hohen Bäumen und schafft eine ruhige Landschaft.
Bewölkung mit lokalen Niederschlägen in der Nacht und tagsüber In der Nacht zum […] (00)
Ältere Erwerbstätige
Berlin (dpa) - Die Zahl der Erwerbstätigen über 65 Jahren ist binnen fünf Jahren um rund […] (01)
Denon AVR-S980H – Entwickelt für ein intensiveres Erlebnis
Denon, Hersteller von hochwertigen Soundsystemen, kündigt den neuen Denon AVR-S980H […] (00)
Luftverkehr als Wirtschaftsmotor Deutschland sollte seiner Meinung nach weiterhin […] (00)
Charlotte Hornets - Miami Heat
Charlotte (dpa) - Technische Probleme bei der NBA-Übertragung des Play-in-Spiels […] (01)
Primetime-Check: Dienstag, 14. April 2026
Wie erfolgreich war «TV total» bei ProSieben? Hatte Dieter Bohlen bei «Deutschland sucht den […] (00)
 
 
Suchbegriff