Schattenflotte in der Ostsee: Litauens Appell für striktere Schifffahrtskontrollen
Der litauische Außenminister Kestutis Budrys hat angesichts eines erneuten Vorfalls, bei dem ein Unterseekabel in der Ostsee beschädigt wurde, eine stärkere Regulierung der Schifffahrtsvorschriften gefordert. Seiner Ansicht nach sollten insbesondere die Ankerpraktiken überprüft werden, da sich die Anzahl der Unfälle in der Region gehäuft habe. Diese Häufung ermögliche es nicht länger, von simplen Unfällen zu sprechen. Budrys äußerte, dass die Problematik der sogenannten Schattenflotte nicht nur im Zusammenhang mit der Umgehung von Sanktionen gesehen werden dürfe, sondern erhebliche Risiken für die Umwelt und die kritische Infrastruktur bedeute. Vor diesem Hintergrund erhofft er sich auf der nächsten Zusammenkunft der EU-Außenminister in Brüssel tiefgehende Diskussionen und schnelle Lösungsansätze.
In jüngster Vergangenheit gerieten russische Schattenflotten – Schiffe mit unklaren Eigentumsverhältnissen, die häufig zur Umgehung von Sanktionen genutzt werden – immer wieder unter Verdacht gezielter Sabotageakte an Kabel- und Leitungsinfrastrukturen in der Ostsee. Das jüngste Beispiel: Ein Zwischenfall am vergangenen Sonntag, bei dem ein Datenkabel zwischen Schweden und Lettland, im Besitz des lettischen Rundfunk- und TV-Zentrums, beschädigt wurde. Die mysteriösen Umstände führten zu Ermittlungen wegen mutmaßlicher schwerer Sabotage in Schweden, wo ein verdächtiges Schiff bereits festgesetzt wurde.
Der lettische Armeechef Kaspars Pudans hat im nationalen Fernsehen zur Harmonisierung der nationalen und internationalen Vorschriften aufgerufen. Prävention und Abschreckung seien entscheidend, da nicht jede Seemeile überwacht werden könne. Zum Zeitpunkt der Kabelbeschädigung befanden sich über 70 Schiffe im Gebiet zwischen Ventspils und Gotland. Laut dem LVRTC-Chef Girts Ozols könne die Reparatur des Kabels einige Tage bis Wochen in Anspruch nehmen und werde von erfahrenen skandinavischen Firmen ausgeführt. Für Endnutzer seien jedoch keine Beeinträchtigungen zu erwarten.

