Investmentweek

SAP gegen Celonis: Der Machtkampf um die Prozessdaten

02. Juli 2025, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ein US-Gericht entscheidet erstmals zugunsten von SAP – doch der Streit mit dem Münchner Milliarden-Start-up Celonis ist damit längst nicht vom Tisch. Im Zentrum steht ein boomender Zukunftsmarkt: Process Mining.

Ein Duell auf Augenhöhe? Nicht ganz

Wenn ein Weltkonzern wie SAP und ein junges Start-up wie Celonis vor Gericht aufeinandertreffen, ist die Rollenverteilung scheinbar klar.

Doch im Fall der beiden deutschen Softwareanbieter täuscht der Eindruck: Zwar ist SAP mit über 300 Milliarden Euro Marktwert ein globaler Riese, doch Celonis gilt mit einer Bewertung von rund 13 Milliarden Dollar als Europas wertvollstes Start-up – und als technologischer Vorreiter in einem der spannendsten Softwaresegmente überhaupt: Process Mining.

Jetzt hat ein Bundesrichter in San Francisco eine erste Entscheidung getroffen – zugunsten von SAP. Teile der Celonis-Klage wurden abgewiesen.

Doch der Fall bleibt offen: Celonis darf seine kartellrechtlichen Vorwürfe überarbeiten und erneut einreichen. Es ist der erste Aufschlag in einem Verfahren, das Symbolcharakter für die Digitalisierung industrieller Prozesse haben könnte.

Was steckt hinter dem Konflikt?

Konkret geht es um die Frage, ob SAP seine Marktmacht missbraucht hat, um die eigene Tochter Signavio im Wettbewerb mit Celonis zu bevorzugen. Celonis wirft dem Walldorfer Konzern vor, Drittsystemen wie ihrer Software bewusst den Datenzugang in SAP-Umgebungen erschwert zu haben. Das Ziel: Wettbewerb ausschalten, Kunden binden, die Cloudstrategie absichern.

Process Mining ist das Kerngeschäft von Celonis. Die Software analysiert digitale Spuren in Unternehmensprozessen – etwa in ERP-, Logistik- oder Buchhaltungssystemen – und deckt Schwachstellen auf.

Genau hier liegt die strategische Bedeutung: In Zeiten von KI und Automatisierung gewinnen diese Datenanalysen massiv an Bedeutung. Wer Zugriff auf die Rohdaten hat, besitzt den Schlüssel zur Optimierung ganzer Wertschöpfungsketten.

Milliardenbewertung, aber kein Börsengang: Celonis wurde zuletzt mit rund 13 Milliarden US-Dollar bewertet – ein IPO ist geplant, aber wegen Marktunsicherheit bisher verschoben.

Ein ehemaliger Partner wird zum Rivalen

Dass es ausgerechnet zwischen SAP und Celonis kracht, überrascht Beobachter nicht. Lange waren beide Partner – SAP empfahl Celonis-Lösungen sogar selbst an Kunden.

Doch mit dem Kauf des Berliner Process-Mining-Anbieters Signavio im Jahr 2021 änderte sich das Verhältnis schlagartig. Plötzlich hatte SAP eine eigene Lösung im Portfolio – und Celonis wurde vom Partner zum Konkurrenten.

Seitdem tobt ein Kampf um Marktanteile. Signavio profitiert dabei vom direkten Zugriff auf SAP-Systeme und der engen Integration in deren Cloudplattform. Celonis hingegen ist auf offene Schnittstellen angewiesen – und sieht genau hier eine gezielte Behinderung.

David gegen Goliath? Nicht ganz so romantisch

Celonis gibt sich gerne als Underdog – der Herausforderer, der sich gegen den schwerfälligen Riesen behauptet. Doch mit 13 Milliarden Dollar Bewertung, internationalen Kunden wie Dell, L’Oréal und Johnson & Johnson sowie über 3.000 Mitarbeitern ist das Münchner Unternehmen längst selbst ein Schwergewicht.

Ein möglicher Börsengang in den USA wird seit Monaten intensiv vorbereitet. Entsprechend hoch sind die Einsätze.

Für SAP wiederum ist Process Mining ein zentraler Bestandteil der Cloud-Offensive unter CEO Christian Klein. Die Cloudumsätze sollen in den nächsten Jahren weiter steigen, Datenintelligenz ist dabei das Rückgrat. Dass ein Wettbewerber auf demselben Spielfeld zu stark wird, will man in Walldorf nicht zulassen.

Die größere Bühne: KI, Cloud und Regulierung

Der Streit wird nicht nur juristisch geführt, sondern auch im politischen und wirtschaftlichen Kontext beobachtet. Das Bundeskartellamt nimmt den SAP-Signavio-Deal bereits unter die Lupe. Parallel wird in Brüssel über neue Wettbewerbsregeln für digitale Plattformen diskutiert – etwa über fairen Zugang zu Unternehmensdaten.

Zudem steht die Branche an einem technologischen Wendepunkt: Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln im Enterprise-Software-Markt. Wer Systeme mit guten Daten füttert, kann automatisch Prozesse optimieren, Kosten senken, Compliance erhöhen – und das millionenfach skalierbar. Der Streit um Schnittstellen ist damit nicht nur juristisch, sondern auch ökonomisch hochbrisant.

Noch kein Urteil, aber ein Signal

Dass der US-Richter nun zumindest Teile der Celonis-Klage abweist, ist ein Etappensieg für SAP – mehr aber auch nicht. Celonis bleibt im Spiel und dürfte nachlegen. Die Vorwürfe werden nun juristisch nachgeschärft, neue Argumente vorbereitet. Die eigentliche Entscheidung steht noch aus.

Klar ist: Der Wettbewerb im Bereich Process Mining wird rauer. Und was hier vor US-Gerichten ausgetragen wird, ist Teil eines globalen Ringens um Daten, Plattformen und Technologiestandards. SAP will nicht bloß Marktanteile sichern – es geht um Kontrolle über die Datenströme der digitalen Wirtschaft. Und Celonis will mehr sein als ein Spezialanbieter – es will die Spielregeln mitgestalten.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 02.07.2025 · 15:00 Uhr
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