Russlands offensive Ambitionen im Donbass: Ein abgekartetes Spiel?
Russlands Bestrebungen, im ostukrainischen Donbass erneut militärisch vorzustoßen, nehmen Konturen an. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Pressegespräch informierte, konzentrieren sich bis zu 100.000 russische Soldaten im Raum um Pokrowsk. Diese Stadt mit ihrer ehemals bedeutenden Bergarbeitervergangenheit gilt als strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt und liegt weiter in der Schusslinie Moskaus, obwohl es den russischen Truppen bislang nicht gelungen ist, sie einzunehmen. Selenskyj betonte indes die Bereitschaft der ukrainischen Kräfte, die Lage in der Region unter Kontrolle behalten zu können.
Nahezu gleichzeitig erlebten verschiedene ukrainische Städte, darunter Saporischschja und Dnipro, nächtliche Angriffe mittels Kampfdrohnen und Raketen. Heftige Explosionen und Brände in Wohngebieten erschütterten die Regionen, wobei mehrere Zivilisten verletzt wurden. Während sich Moskau weiterhin auf die Region Donezk konzentriert, verzeichnen auch andere Landesteile anhaltende Aggressionen.
Russlands territorialer Appetit zieht sich derweil weiter südlich über die Grenze von Donezk hinaus. Nach eigenem Bekunden hat der russische Verteidigungsminister Andrej Beloussow einen Schritt nach vorne gemacht: Die rund 600 bis 700 monatlich eroberten Quadratkilometer zeugen von einem unerbittlichen, wenngleich zeitraubenden Voranschreiten. Dennoch scheint die Strategie Moskaus der perfiden Geduld zu frönen, wobei das eigentliche Ziel zunehmend in die Ferne rückt.
Die diplomatischen Gespräche beider Länder, die in diesem Jahr zaghaft wiederbelebt wurden, gleiten in einen lähmenden Stillstand. Während Kiew den Vorwurf erhebt, das große Nachbarland versuche, durch taktische Verzögerungen eine militärische Entscheidung herbeizuführen, steht auch Moskau vor der Herausforderung, seinen Erwartungen gerecht zu werden. Angesichts der Realität auf dem Schlachtfeld wird klar, dass die vollständige Kontrolle über die Ukraine ein Unterfangen bleibt, das noch Jahrzehnte des Ringens in Anspruch nehmen könnte.

