Ukraine-Krieg

Russische Drohne trifft Wohnhaus in Rumänien – Nato reagiert

29. Mai 2026, 14:00 Uhr · Quelle: dpa
Ukraine-Krieg - Drohnen-Einschlag in Rumänien
Foto: Uncredited/ISU Galati/AP/dpa
Im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine hat eine russische Drohne erstmals im benachbarten Nato- und EU-Land Rumänien ein Wohnhaus beschädigt und Menschen verletzt.
Eine russische Drohne schlägt im rumänischen Galati ein – mitten in ein Wohnhaus. Es gibt zwei Verletzte. Wie reagiert die Nato und warum konnte die Drohne nicht abgeschossen werden?

Bukarest/Galati (dpa) - Nach dem Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus in Rumänien nahe der Grenze zur Ukraine will das EU- und Nato-Land seine Verteidigung in diesem Gebiet verstärken. Gleichzeitig rief Bukarest seine Partner dazu auf, den Druck auf Russland zu erhöhen, den Krieg zu beenden. Staatspräsident Nicusor Dan machte Moskau für den Vorfall verantwortlich. Er beraumte eine Krisensitzung des obersten Verteidigungsrats des Landes an und sprach mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. 

Rumänien habe die Nato um einen beschleunigten Transfer von - bereits zugesagter - Drohnenabwehrtechnik gebeten, erklärte das Außenministerium in Bukarest. Die Verteidigungsallianz sagte Hilfe zu. «Wir verurteilen Russlands Rücksichtslosigkeit, und die Nato wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stärken - auch gegen Drohnen», teilte eine Nato-Sprecherin mit. Auch die EU sowie mehrere EU-Länder bekundeten ihre Solidarität mit Rumänien.

14-Jähriger unter Verletzten

Die mit Sprengstoff beladene russische Drohne vom Typ Geran schlug in der Nacht zum Freitag auf dem Dach eines zehnstöckigen Wohnblocks in der ostrumänischen Stadt Galati ein, nahe den Grenzen zur Ukraine und der Republik Moldau. Sie durchbrach das Dach und löste in der direkt darunter liegenden Wohnung einen Brand aus. Eine 53 Jahre alte Bewohnerin und ihr 14-jähriger Sohn erlitten dabei leichte Brandwunden. 

Die Drohne kam im Zuge von russischen Angriffen in der Region des nahe gelegenen ukrainischen Donau-Hafens Reni, berichteten Vertreter des Verteidigungsministeriums. Von Präsident Dan hieß es nach der Krisensitzung, die Drohne sei Teil eines Schwarms von 43 Flugobjekten gewesen.

«Ich erkläre mit allem Nachdruck, dass die gesamte Verantwortung für diesen Vorfall bei der Russischen Föderation liegt», hatte Dan davor bei Facebook geschrieben. «Was heute in Galati geschehen ist, ist die direkte Folge des Aggressionskriegs, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat (...) und der systematischen Missachtung internationalen Rechts.» Es gebe keinerlei Zweifel hinsichtlich Verursacher und Gründe dieser Aggression. 

Das Außenministerium bestellte nach dem Vorfall Russlands Botschafter in Bukarest ein. Nach der Krisensitzung sagte Dan, der russische Konsul in der nahen Schwarzmeer-Stadt Constanta werde ausgewiesen.

Militär: Abschuss der Drohne hätte noch mehr Schaden angerichtet

Auf die Frage, warum die Streitkräfte des Landes die Drohne trotz Sichtung auf dem Radar nicht abgeschossen hätten, erklärte Verteidigungsminister Radu Miruta, ein Abschuss über bewohntem Gebiet hätte noch mehr Schaden angerichtet und Menschenleben gefährdet als der Absturz selbst. Schwierig sei ein Abschuss auch, weil Rumänien bei derartigen Manövern den Luftraum eines anderen Staates nicht verletzen dürfe. Zugleich beklagte das Verteidigungsministerium, dass man aufgrund rechtlicher Einschränkungen Radargeräte nicht an den geeignetsten Stellen platzieren könne.

Staatspräsident Dan erklärte, dass die Drohnenabwehr, die Rumänien über das EU-Verteidigungsprogramm SAFE bestellen wolle, dem Land erst in ein bis zwei Jahren zur Verfügung stehe.

Verurteilungen des Vorfalls aus Europa

Die Bundesregierung sicherte Rumänien nach dem Vorfall ihre Bündnissolidarität zu. Der Drohneneinschlag zeige einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation, erklärte Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf X. Deutschland stehe an der Seite der Nato‑Verbündeten. «Der Vorfall zeigt erneut: Wir brauchen eine starke Nato-Präsenz an der Ostflanke. Wir sind bereit, das Bündnisgebiet zu verteidigen.» Das Bundesverteidigungsministerium erklärte, es handele sich um «keine Lageänderung». 

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sicherte dem Land Unterstützung zu und forderte zugleich mehr Druck auf Russland. Kiew sei bereit, Rumänien in jeder erforderlichen Weise zu unterstützen, schrieb er auf X. Selenskyj teilte dort einen Post von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in dem sie nach dem Vorfall auch ankündigte, den Druck auf Russland weiter zu erhöhen.

Selenskyj stimmte von der Leyen zu: Kiew zähle darauf, dass die neuen Sanktionen der EU gegen Russland wirklich streng sein werden und Moskau spüren lassen, dass seine Angriffe erhebliche Verluste für Russland selbst bedeuteten. Weitere Verurteilungen und Solidaritätsbekundungen für Bukarest kamen unter anderem auch aus Frankreich, Großbritannien, Ungarn und Tschechien.

Mehrfach russische Drohnentrümmer im Grenzgebiet gefunden

Russland greift im Rahmen seines Angriffskriegs die Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. Dabei gab es auch einzelne Fälle, bei denen Drohnen den Luftraum von Nato-Staaten verletzten, darunter mehrfach Rumänien.

Auch Polen hat schon Erfahrungen mit russischen Drohnen gemacht. In der Nacht auf den 10. September 2025 waren bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine eine große Zahl von Drohnen in den Luftraum Polens und damit der Nato geflogen. Nach offiziellen Angaben waren mehr als zehn russische Drohnen vom Bautyp Shahed darunter. Die polnische Luftwaffe und andere Nato-Verbündete schossen erstmals einige der Flugkörper ab. Dabei wurde ein Haus beschädigt - nach bisherigen Erkenntnissen war es von der Rakete eines westlichen Kampfjets getroffen worden. Verletzt wurde niemand.

Krieg / Konflikte / Notfall / Rumänien / Ukraine / Russland / Nato
29.05.2026 · 14:00 Uhr
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