Rückgang von Antibiotika-Verschreibungen: Eine Analyse der deutschen Gesundheitsversorgung
In Deutschland werden heute erheblich weniger Antibiotika verschrieben als noch vor 15 Jahren, so das jüngste Ergebnis einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Seit 2010 ist eine signifikante Reduktion der Verschreibungen um nahezu ein Viertel zu verzeichnen. Konkret verringerte sich die Anzahl der Verordnungen von 559 pro 1.000 gesetzliche Versicherte im Jahr 2010 auf 426 im Jahr 2024.
Ein bemerkenswerter Rückgang war besonders während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 zu beobachten. Ursächlich könnte der zeitweise Rückgang anderer Atemwegserkrankungen sein. Im Jahr 2020 wurden nur 305 und 2021 gar nur 277 Verordnungen pro 1.000 Versicherte registriert, während es 2019 noch bei 414 lag.
Besonders bei den Altersgruppen der 2- bis 5-Jährigen und der 6- bis 9-Jährigen war ein dramatischer Rückgang festzustellen. In den darauffolgenden Jahren stiegen die Verordnungszahlen altersübergreifend leicht an, näherten sich jedoch nicht dem Niveau von 2019.
Interessanterweise erhielten Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren in den Jahren 2023 und 2024 häufiger Antibiotika als noch 2019, während die Verordnungen für Kinder bis zu einem Jahr um etwa 20 Prozent zurückgingen. Der Anstieg der Verschreibungen bei den 6- bis 14-Jährigen lässt sich möglicherweise mit den ungewöhnlich häufigen Infektionswellen durch Streptokokken, Mykoplasmen und Keuchhusten in den Wintern 2022/2023 und 2023/2024 erklären. Trotz dieses Anstiegs bewegt sich die Verwendung von Antibiotika in Deutschland im Rahmen der europäischen Entwicklung und bleibt im internationalen Vergleich weiterhin niedrig.

