Robustheit der Weltwirtschaft trotzt geopolitischen Spannungen
Aktuelle geopolitische Herausforderungen in der Region am Persischen Golf und eine unberechenbare US-Zollpolitik beeinflussen die globale Wirtschaft, dennoch bleibt sie widerstandsfähig. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, äußerte Zuversicht hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung sowohl der Weltwirtschaft als auch der deutschen Wirtschaft. Nach seiner Einschätzung trifft das abgeschwächte Wachstum besonders die USA, während die Auswirkungen der anhaltenden Krise im Nahen Osten bisher begrenzt sind.
Die kürzlichen Angriffe der USA auf iranische Atomanlagen haben die Spannungen in der Region verschärft und könnten weiter eskalieren, wenn wichtige Routen wie die Straße von Hormus gesperrt werden. Allerdings wäre ein Ausfall der Rohöllieferungen über ein halbes Jahr erforderlich, um merkliche Folgen für die Konjunktur zu haben, da viele Länder über ausreichend Lagerbestände verfügen. Kater prognostiziert jedoch mögliche kurzfristige Ölpreisspitzen bis zu 140 US-Dollar je Barrel. Langfristig rechnet er mit einem Preisniveau unter 70 US-Dollar, da der Rohölmarkt abgesehen von geopolitischen Risiken gut versorgt ist.
Für Deutschland und die EU sieht Kater gute Chancen, das Image des "hässlichen Entleins" der Weltwirtschaft abzulegen. Realeinkommenszuwächse, gesunkene Zinsen und wirtschaftspolitische Reformen unterstützen die Binnennachfrage. Zudem tragen fiskalpolitische Impulse der deutschen Regierung zur Stabilisierung bei. Für die Jahre 2025 und 2026 erwarten die Volkswirte der Dekabank ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent und 1,0 Prozent in Deutschland.
Eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank wird für dieses Jahr erwartet, um die Geldpolitik im unteren neutralen Bereich zu halten. Die niedrigeren Zinsen und höheren Staatsausgaben bieten der Eurozone wirtschaftliche Stabilität und einen Vorteil gegenüber den USA. In den USA hingegen schränken die Zölle die Zinssenkungsoptionen der Fed ein und die hohe Staatsverschuldung begrenzt den fiskalischen Spielraum. Kater meint, dass das Aufkommen der Zölle zur Schließung des Haushaltsdefizits nicht ausreichen wird.

