Richterwahl-Drama im Bundestag: Koalition in der Krise
Die schwarz-rote Koalition steht nach dem Scheitern der Richterwahl im Bundestag vor einer ernsthaften Zerreißprobe. Die geplante Abstimmung wurde von der Tagesordnung genommen, da erheblicher Widerstand innerhalb der Unionsfraktion gegen die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf aufkam. Als Folge gerät Unionsfraktionschef Jens Spahn unter Druck, da er die Reihen der Union nicht geschlossen halten konnte. Auch Kanzler Friedrich Merz sieht sich scharfer Kritik der SPD ausgesetzt.
Dirk Wiese, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, warf Spahn und Merz mangelnde Durchsetzungsfähigkeit vor. Ähnlich äußerte sich die stellvertretende SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger, die ein Führungsproblem in der Union beklagte. Vizekanzler Lars Klingbeil forderte eine verantwortungsvolle und führungskompetente Haltung des Koalitionspartners, um strittige Entscheidungen gemeinsam zu tragen.
Während die SPD an ihrer Kandidatin festhält, ist die politische Zukunft nach dem Vorfall ungewiss. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner regte an, die Wahl im September nachzuholen, was den Grünen jedoch zu spät erscheint. Die Grünen drängen auf eine zeitnahere Sondersitzung. Der Unmut in der Union erwuchs aus Bedenken gegenüber Brosius-Gersdorfs liberalen Ansichten zu Abtreibungen und ihrer Befürwortung einer Impfpflicht. Zusätzlich befeuerte ein Hinweis auf mögliche Plagiate in ihrer Dissertation die Kontroversen.
Von SPD-Seite wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit als 'Hetzjagd' verteufelt, wobei die Integrität des Bundesverfassungsgerichts in Gefahr sei. Oppositionelle Stimmen bezeichnen die Situation als 'absoluten Skandal' und Vorbote von Instabilität in der Regierung, während Merz bestrebt ist, öffentliche Konflikte zu vermeiden, ganz im Gegensatz zur Vorgängerkoalition.
Noch gibt es keinen Lösungsansatz, Zeitdruck beim Nachbesetzen der Richterstellen besteht allerdings nicht. Theoretisch könnten schließlich die Länder im Bundesrat anstelle des Bundestages die Nachbesetzung übernehmen.

