Reorganisation bei Thyssenkrupp: Umbau zur Finanzholding geplant
Thyssenkrupp plant, sich gemäß aktuellen Medienberichten in eine Finanzholding umzustrukturieren. Damit wolle der Vorstand unter Leitung von Miguel Lopez den Weg für weitere Verkäufe innerhalb des Konzerns ebnen. Insiderinformationen zufolge könnte die Konzernzentrale von derzeit 500 auf 100 Mitarbeiter schrumpfen, ergänzt durch weitere umfangreiche Kürzungen in der Verwaltung. Ein derart drastischer Umbau würde bedeuten, dass die verbleibende Dachgesellschaft letztlich über wenig operative Substanz verfüge, so Aussagen vertrauter Quellen.
Besonders die Stahlsparte und die Marinewerft Thyssenkrupp Marine Systems stehen im Fokus dieser Umstrukturierung. Ebenso wird unter anderem daran gearbeitet, den Werkstoffhandel an die Börse zu bringen, um den Abschied aus dem Geschäftsportfolio vorzubereiten. Im Widerspruch zur Neustrukturierung betonte Lopez bei der jüngsten Vorstellung der Quartalszahlen, dass die Sparte Material Services ein Kerngeschäft des Unternehmens bleibe. Diese Aussage stellt sich gegen frühere Berichte, wonach alternative Strategien für diesen Geschäftsbereich, wie eine Abspaltung, erwägt wurden.
Zusätzlich könnten Teile der Autozulieferer-Sparte geschlossen oder veräußert werden, um den Konzern effizienter zu gestalten. Die Zustimmung des Aufsichtsrats zu diesen Plänen wird als Formsache betrachtet, ohne größere Widerstände zu erwarten. Ob Veränderungen im Handelsbereich bevorstehen, bleibt offen.
Parallel zur Umstrukturierung wird auch eine Vertragsverlängerung für Lopez in Betracht gezogen. In einer Sitzung Mitte September soll der Aufsichtsrat über die Fortsetzung seines Mandats entscheiden. Zum Stand dieser Verhandlungen hält sich der Konzern bedeckt.

