Rentenreform: Ein Meilenstein im Bundestag mit ambitionierten Plänen für die Zukunft
Am Mittag stand es fest: Der Bundestag hat das umstrittene Rentengesetz der Regierung verabschiedet. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow verkündete die Kanzlermehrheit mit einer ironischen Bemerkung über die Erleichterung im Plenarsaal. Die Schwarz-Rot-Koalition hat es geschafft, den umstrittensten Teil ihrer Rentenreform eigenständig durch den Bundestag zu bringen, während Fernsehsender sich bereits anderen Themen widmeten.
Kernstück der Reform ist die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031, was bedeutet, dass Rentner auch künftig von Erhöhungen entsprechend der Lohnentwicklung profitieren sollen. Dies ist insbesondere wichtig für die rund 52 Prozent der Senioren, die allein auf die gesetzliche Rentenversicherung angewiesen sind. Ohne diese Maßnahme würde das Rentenniveau bis 2031 vermutlich um einen Prozentpunkt sinken.
Der Unionsgruppe Junge war aufgefallen, dass die Stabilisierung des Rentenniveaus nach 2031 zusätzliche Kosten verursachen wird, die bis 2040 auf etwa 111 Milliarden Euro geschätzt werden. Trotz der finanziellen Bedenken wurde argumentiert, dass es sich die Gesellschaft leisten können müsse.
Seit 2018 sind die Rentenbeiträge stabil geblieben, aber Prognosen zufolge wird der Satz ab 2027 ansteigen und bis 2040 auf 21,4 Prozent klettern. Parallel zur gesetzlichen Rente sollen Betriebsrenten gestärkt und die Riester-Rente überarbeitet werden, um mehr Menschen für die private Altersvorsorge zu gewinnen.
Eine weitere Neuerung ist die erweiterte Mütterrente, mit der die Erziehungszeiten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, auf drei Jahre verlängert werden - ein Anliegen der CSU. Ab 2027 soll dies zu einer gerechteren Anerkennung der Leistung von Erziehenden führen.
Mit der sogenannten Aktivrente können Rentner ab Januar 2024 steuerfrei bis zu 2.000 Euro monatlich hinzuverdienen. Zudem wird eine Rückkehr zur Teilzeitbeschäftigung erleichtert. Auch die geplante Frühstartrente für Kinder ab sechs Jahren soll Eltern neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Altersvorsorge bieten.
In den kommenden Wochen wird eine Rentenkommission eingesetzt, die bis Mitte 2026 Vorschläge für die weitere Rentenpolitik erarbeiten soll. Große Reformen stehen im Raum, darunter die mögliche Einbeziehung weiterer Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung und eine Debatte über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Die Union bleibt skeptisch, ob die SPD die nötige Reformbereitschaft zeigt.

