Regierung reformiert Kassen-Finanzen

26. März 2014, 19:39 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Auf die gesetzlich Krankenversicherten kommen mit der Gesundheitsreform der Koalition auf breiter Front einkommensabhängige Zusatzbeiträge zu. Das Bundeskabinett stimmte am Mittwoch dem Gesetzentwurf zu.

Mit dem geplanten Reformstart Anfang 2015 soll der Beitragssatz für alle Krankenkassen von 15,5 auf 14,6 Prozent sinken. Ein Sonderbeitrag von 0,9 Prozent zulasten der Kassenmitglieder soll entfallen. Stattdessen können die Kassen dann Zusatzbeiträge nehmen, die vom Einkommen abhängig sind.

Gestrichen wird die heute noch gültige Möglichkeit pauschaler Aufschläge für die Versicherten, die bei Geringverdienern aus Steuermitteln ausgeglichen werden können. Mittelfristig werden höhere Beiträge auf Millionen Versicherte zukommen. Arbeitgeber sollen künftig nicht mehr stärker belastet werden.

Nach dem Kabinettsbeschluss vom Mittwoch - genau nach den ersten 100 Amtstagen der Regierung - sind noch Änderungen im Bundestag möglich. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, durch mehr Wettbewerb eröffne die Koalition Krankenkassen die Möglichkeit, Beitragszahler zu entlasten.

Denn rund 20 Millionen Menschen seien bei einer Kasse, die weniger Geld durch Zusatzbeiträge bräuchten, als sie durch die Streichung des 0,9-Prozent-Anteils verlören. Bei anderen Kassen ändere sich unterm Strich nichts. Wieder andere bräuchten mehr. Den Kassen-Mitgliedern wird dann ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt.

Ob es 2015 im Durchschnitt zu einer Entlastung der Versicherten komme, werde sich erst im Herbst entscheiden, wenn die Kassen ihre Haushalte aufstellten, sagte die Chefin des Kassen-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, der «Passauer Neuen Presse».

Ab 2016 dürften die Zusatzbeiträge nach oben gehen - die Ausgaben der Krankenversicherung übersteigen ihre Einnahmen in immer größerem Maß. Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Ich gehe davon aus, dass der Zusatzbeitrag ab 2016 im Schnitt jedes Jahr um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen wird.» Manche Kassen könnten dies durch Rücklagen abfedern. «Für 2017 rechne ich mit Zusatzbeiträgen von 1,3 bis 1,5 Prozent.» Das Bundesversicherungsamt geht sogar noch von höheren Beträgen aus.

Die Arbeitgeber sollen steigende Kosten nicht finanzieren müssen. «Mit der weiteren Festschreibung des Arbeitgeberanteils bei 7,3 Prozent halten wir an dem Ziel fest, arbeitsplatzgefährdende Steigerungen zu vermeiden», sagte Gröhe. Die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis betonte, dieses Zugeständnis an die Union sei für ihre Fraktion schmerzlich. Die SPD werde sich an den Koalitionsvertrag halten - für immer bleibe der Arbeitgeberbeitrag aber nicht fix.

Für finanzstarke Kassen entfällt auch die Möglichkeit, Prämien auszuschütten. Davon profitierten bisher rund acht Millionen Mitglieder.

Für Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände ist die Reform sozial ungerecht. «Die Zeche zahlen die Versicherten», sagte die Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink. Es solle nicht einmal mehr eine Belastungsgrenze für die Beiträge geben. Ihr Linke-Kollege Harald Weinberg sagte: «Es wird nicht einmal bis zum Ende der Wahlperiode dauern, bis auch die «Millionen», die am Anfang entlastet werden, einen höheren Beitrag zahlen müssen.» Annelie Buntenbach vom DGB-Vorstand sagte, die Belastungen für die Versicherten würden schon bald durch die Decke schießen. Arbeitnehmer und Rentner müssten geschützt werden, forderte der Sozialverband VdK. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hingegen lobte die Pläne.

Außerdem will die Bundesregierung ein neues Institut gründen, das die Qualität der Krankenhäuser in Deutschland messen soll. Neue Aufbereitungen entsprechender Daten sollen ermöglichen, dass Kliniken mit guten Behandlungsergebnisse besser bezahlt werden. Andere sollen Abschläge hinnehmen müssen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft lehnte Abschläge ab. Kassen-Verbandschefin Pfeiffer forderte, das Verfahren auf niedergelassene Ärzte auszudehnen.

Gesundheit / Krankenkassen / Bundeskabinett / Bundesregierung
26.03.2014 · 19:39 Uhr
[6 Kommentare]
Mit einem frisch an der Hüfte operierten Markus Söder an der Spitze haben die Bundestagsabgeordneten der CSU ihre Winterklausur im malerischen Kloster Seeon begonnen. Die Tagung ist für Alexander Hoffmann ein Novum, denn seit der Bundestagswahl im letzten Februar führt er die CSU-Landesgruppe als neuer Vorsitzender. Die Veranstaltung hat auch für Parteichef Söder eine besondere Note, da er […] (00)
vor 13 Minuten
Big Bang Theory trifft Realität: Fusionsreaktoren als Teilchenquelle
In der Sitcom „The Big Bang Theory“ scheitern zwei Physiker daran, in einem Fusionsreaktor exotische Teilchen zu erzeugen – ein Running Gag, der wissenschaftlich lange als unrealistisch galt. Genau dieses fiktionale Problem hat nun reale Physik inspiriert. Ein Forschungsteam um Jure Zupan von der University of Cincinnati hat einen theoretischen Ansatz entwickelt, der zeigt, unter welchen […] (00)
vor 13 Stunden
US-Regierung
Washington (dpa) - Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses hat den US-Anspruch auf die Kontrolle über das zu Dänemark gehörende Grönland als «offizielle Position der US-Regierung» beschrieben. Auf die wiederholte Frage eines CNN-Moderators, ob die Regierung einen Militäreinsatz zur Einnahme Grönlands ausschließe, sagte US-Präsident Donald Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller: […] (00)
vor 1 Stunde
Bandai Namco veröffentlicht Walkthrough-Trailer zu CODE VEIN II
Bandai Namco Entertainment Europe veröffentlicht heute einen neuen Trailer zu CODE VEIN II, der Einblicke in ein weitläufiges Spielgebiet sowie das Fähigkeiten- und Partnersystem bietet. Außerdem wird die Demo zum CODE VEIN II Character Creator ab dem 23. 2026 Januar verfügbar sein, bevor das Spiel am 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC (via Steam) erscheint. Das Video […] (00)
vor 8 Stunden
James Wan
(BANG) - James Wan möchte den vierten 'Avatar'-Film inszenieren, falls James Cameron dies nicht tun sollte. Der 48-jährige Filmemacher hinter 'The Conjuring' hat seinen Hut in den Ring geworfen, um den nächsten Teil von Camerons erfolgreicher Sci-Fi-Saga zu übernehmen, sollte sich der 'Terminator'-Schöpfer (71) aus dem Regiestuhl zurückziehen, um sich anderen Projekten zu widmen. Im Gespräch mit […] (00)
vor 14 Stunden
74. Vierschanzentournee - Bischofshofen
Bischofshofen (dpa) - An das große Skisprung-Wunder glaubt Andreas Wellinger nicht. Dass Vierschanzentournee-Dominator Domen Prevc seinen riesigen Vorsprung beim Finale in Bischofshofen noch aus der Hand gibt, hält der Olympiasieger quasi für unmöglich. «Da müsste Domens Ski von der Spurfräse überfahren oder er disqualifiziert werden», sagte der 30-Jährige. «Ansonsten brennt da nichts mehr an.» […] (01)
vor 2 Stunden
Die jüngsten geopolitischen Spannungen, ausgelöst durch den Angriff auf Venezuela und die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro, haben erstaunlicherweise wenig Eindruck auf die internationalen Finanzmärkte gemacht. Trotz des Risikos, das das offensivere Vorgehen von Donald Trump mit sich bringt, bleiben die Investoren bemerkenswert unbeeindruckt. Auf dem Parkett der Frankfurter Börse kletterte […] (00)
vor 26 Minuten
Nexus Uranium tritt US-Initiative „BIOBY“ bei
Lüdenscheid, 05.01.2026 (PresseBox) - Nexus Uranium Corp. (ISIN: CA65345P2008 | WKN: A41PJQ), Nexus oder das Unternehmen, gibt bekannt, dass es “Better In Our Back Yard” (“BIOBY”) beigetreten ist, einer nationalen Koalition, die sich für eine verantwortungsvolle industrielle Entwicklung in den Vereinigten Staaten einsetzt. Die […] (00)
vor 11 Stunden
 
FDP-Chef Christian Dürr
Stuttgart (dpa) - Die FDP kommt zum Auftakt des für sie schicksalhaften Jahres 2026 in […] (00)
In einer politischen Szenerie mit hohem Konfliktpotential hat die Verhaftung von Venezuelas […] (00)
Milliardenverluste für den deutschen Staat durch Cum-Cum-Aktiendeals werfen weiterhin lange […] (00)
Der Alleingang der USA unter Donald Trump gegenüber Venezuela hat international nicht nur für […] (00)
PlayStation Plus im Januar: Sony präsentiert die Games des Monats
PlayStation Plus-Mitglieder erwarten schon bald fünf spannende Titel. Ab dem 6. Januar können […] (00)
STARZ sichert sich «The Nowhere Man»
Die südafrikanische Action-Serie wird Mitte Januar 2026 beim Streamingdienst starten. Der US-Pay-TV- […] (00)
Broadcom zündet KI-Turbo: 73 Mrd. Dollar Aufträge sichern 2026
KI-Geschäft treibt die Zahlen Broadcom hat im vierten Quartal 2025 eindrucksvoll gezeigt, wie […] (00)
Tote und Verletzte bei Silvesterparty in Crans-Montana
Crans-Montana (dpa) - Schweizer Behörden haben nun auch alle verletzten Überlebenden der […] (00)
 
 
Suchbegriff