Red Dead Redemption 2: Entwicklung war „Hinter Zeitplan, über Budget“ – Houser packt aus
Wenn man über die monumentalsten Spiele der letzten zwei Jahrzehnte sinniert, taucht ein Name unweigerlich in den Gedanken auf: Red Dead Redemption 2. Als mehrfach preisgekrönter Koloss, der sich über 77 Millionen Mal verkauft hat, ist es ein ewiger Anwärter auf den Thron der Allergrößten. Doch hinter der glänzenden Fassade dieses Meisterwerks verbirgt sich eine Geschichte von immensem Druck, tiefen Zweifeln und einer Entwicklung, die das Team an den Rand der Belastbarkeit brachte. In einer seltenen und unverblümten Beichte hat Rockstar-Mitgründer Dan Houser nun Einblicke in die Zerreißprobe gewährt, die dieser legendäre Titel wirklich war.
Im Tal der Zweifel
Im Gespräch mit Lex Fridman legte der ehemalige Lead Writer die Karten offen auf den Tisch. „Ich glaube, bei Red Dead 2 lagen wir hinter dem Zeitplan. Wir waren so weit über dem Budget, dass ich nicht einmal darüber nachdenken wollte“, gestand Houser. Diese nackten Fakten malen das Bild eines Projekts, das zu entgleiten drohte. Der immense finanzielle und zeitliche Druck wurde durch eine zermürbende kreative Krise noch verstärkt. „Du machst ein Spiel über einen Cowboy, der an Tuberkulose stirbt, und das Spiel fügt sich einfach nicht zusammen. Es stellt sich heraus, dass in so einem Moment eine Menge Leute an dir zweifeln. Das macht keinen Spaß. Ich glaube, das war eine Menge Druck.“
Die Rettung durch Handwerk und Vision
Dass aus diesem kreativen und existenziellen Tiefpunkt am Ende ein triumphales Epos hervorging, grenzt an ein kleines Wunder. Houser selbst führt den letztendlichen Erfolg auf eine kraftvolle Melange aus verschiedenen Faktoren zurück. „Ich denke, der Westen und all die damit verbundenen Themen eignen sich wirklich hervorragend dafür“, erklärte er. Die thematische Tiefe des Materials bot ein solides Fundament. Darauf baute ein Team auf, das technische Brillanz bewies: „Das Gunplay war fantastisch, und die Pferde waren unglaublich.“ Es war diese unbezwingbare Kombination aus technischem Know-how, einem außerordentlich starken Teamgeist und einem unvergleichlich reichhaltigen Quellenmaterial, die das Projekt aus der Dunkelheit ans Licht führte.
Das umstrittene Erbe
Natürlich kann man über die Entstehung von Red Dead Redemption 2 nicht sprechen, ohne die dunkle Wolke der „Crunch“-Kultur zu erwähnen, die damals eine heftige Debatte in der gesamten Industrie auslöste. Die immense Belastung, von der Houser spricht, hatte einen realen menschlichen Preis. Berichten zufolge haben diese Erfahrungen die zukünftigen Entwicklungspraktiken bei Rockstar nachhaltig beeinflusst. So berichtete Bloomberg-Journalist Jason Schreier, dass die Verzögerung bei Grand Theft Auto 6 auch auf den „echten Wunsch des Managements zurückzuführen ist, brutalen Crunch zu vermeiden.“ Während die Red Dead-Reihe derzeit im Hintergrund zu schlummern scheint, halten sich hartnäckige Gerüchte über eine Neuauflage – ein Funke Hoffnung, der die Legende auch in Zukunft am Leben erhält.


