Kriminalität

Rabbi zu Geiselnahme in US-Synagoge: Konnten selbst flüchten

17. Januar 2022, 19:49 Uhr · Quelle: dpa
Bei der Geiselnahme in einer Synagoge am Samstag in Texas war die Lage lange unübersichtlich. Nun erzählt der Rabbi der Gemeinde von den bedrohlichen Stunden und offenbart bislang unbekannte Details: über eine Flucht und über einen Täter, der anfangs harmlos daherkam.

Colleyville/Washington (dpa) - Zwei Tage nach der Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas sind neue Details zu der Tat bekanntgeworden.

Eine der Geiseln, Rabbi Charlie Cytron-Walker, gab am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS Einblick in die dramatischen Stunden mit dem Geiselnehmer und berichtete, er und die anderen Festgehaltenen hätten sich am Ende selbst befreien können. Als er eine Gelegenheit gesehen habe, habe er einen Stuhl auf den Täter geworfen und sei gemeinsam mit den anderen Geiseln geflüchtet, erzählte der Rabbi. Sie hätten sich befreien können, «ohne dass ein einziger Schuss fiel».

Ein Mann - laut Polizei ein 44 Jahre alter Brite - hatte Cytron-Walker und drei andere Personen am Samstag in der Synagoge in Colleyville nahe Dallas als Geiseln genommen. Eine Geisel wurde am frühen Samstagabend freigelassen. Die übrigen Festgehaltenen kamen erst ein paar Stunden später frei. Alle vier blieben unverletzt. Der Täter kam ums Leben. Ursprünglich hatte es geheißen, Spezialkräfte seien in das Gotteshaus eingedrungen und hätten die Geiseln befreit. Die Polizei hat sich bislang allerdings nicht im Detail zu den Umständen rund um das Ende der Geiselnahme geäußert und auch offen gelassen, wie genau der Täter starb.

US-Medien hatten unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, der Geiselnehmer habe eine in Texas inhaftierte pakistanische Wissenschaftlerin freipressen wollen, die 2010 wegen versuchten Mordes an US-Soldaten in Afghanistan verurteilt wurde.

Cytron-Walker sagte, in der letzten Stunde der Geiselnahme habe sich die Lage verschlechtert. Der Täter habe nicht bekommen, was er wollte. «Es sah nicht gut aus», erzählte der Rabbi. «Wir hatten große Angst.» Als sich die Gelegenheit geboten habe, seien sie geflüchtet.

Der Geiselnehmer drang nach Angaben des Rabbi nicht gewaltsam in die Synagoge ein. Er klopfte an eine Tür und bat um Einlass - wohl unter dem Vorwand, er suche Obdach. Cytron-Walker sagte, er habe den Mann hereingelassen, ihm einen Tee gemacht und sich mit ihm unterhalten. In diesem Moment sei ihm nichts Verdächtiges aufgefallen. Erst bei dem anschließenden Gottesdienst, als er mit dem Rücken zu dem Mann gestanden habe, habe er ein Klicken gehört. «Und es stellte sich heraus, dass das seine Waffe war.»

Der Rabbi betonte, die anderen Geiseln und er seien nicht körperlich verletzt worden. Doch die Situation sei sehr bedrohlich gewesen. «Wir sind noch dabei, das zu verarbeiten.»

Die Bundespolizei FBI hat den Geiselnehmer als den britischen Staatsbürger Malik Faisal A. identifiziert und nach eigenen Angaben Ermittlungen «mit globaler Reichweite» zum Motiv und möglichen Kontakten des Mannes gestartet. Der britische Nachrichtensender Sky News berichtete unter Berufung auf den Bruder des Geiselnehmers, der Mann habe unter schweren psychischen Problemen gelitten. Der Bruder soll nach eigenen Angaben an den Verhandlungen mit dem Geiselnehmer teilgenommen und versucht haben, ihn zur Aufgabe zu bewegen. Es habe aber nichts gegeben, was ihn dazu hätte bringen können, zitierte Sky News den Bruder. Die Familie entschuldige sich bei den Opfern, berichtete der Sender weiter.

Nach der Geiselnahme in Texas nahm die Anti-Terror-Polizei in Großbritannien zwei junge Männer fest. Die beiden Teenager seien im Süden Manchesters gefasst worden und würden nun vernommen, teilte die zuständige Ermittlungsbehörde in der Nacht zu Montag über Twitter mit. Weitere Details wurden zunächst nicht bekanntgegeben. Der Moscheeverband Muslim Council of Britain teilte mit, man gehe davon aus, dass es sich um einen Muslim gehandelt habe und verurteilte die Tat aufs Schärfste. Der Mann habe die Erwartungen an einen Muslim bei Weitem nicht erfüllt, so die Mitteilung.

Die «Washington Post» berichtete am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Geiselnehmer von Colleyville sei Ende Dezember per Flugzeug in die USA eingereist. US-Präsident Joe Biden hatte am Sonntag gesagt, man gehe derzeit davon aus, dass der Mann seine Waffen auf inoffiziellem Weg gekauft habe. Bomben habe er, anders als von ihm selbst dargestellt, wohl nicht bei sich gehabt. Der Mann habe außerdem eine Nacht in einer Obdachlosenunterkunft verbracht. Biden bezeichnete die Tat als «Terrorakt».

US-Medien hatten unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, der Mann habe die Freilassung der pakistanischen Wissenschaftlerin Aafia Siddiqui aus einem nahe gelegenen Gefängnis in Texas erreichen wollen. Siddiqui wurde im Juli 2008 im afghanischen Ghasni festgenommen und 2010 wegen eines Angriffs auf US-Soldaten in Afghanistan von einem US-Bundesrichter zu 86 Jahren Haft verurteilt. Siddiqui hatte an einer der US-Elite-Universitäten studiert. Später wurde ihr Name von US-Behörden auf eine Liste von Verdächtigen gesetzt, die mit Al-Kaida-Terroristen in Verbindung stehen könnten.

Kriminalität / Religion / Polizei / Gewalt / Geiselnahme / FBI / Synagoge / USA
17.01.2022 · 19:49 Uhr
[12 Kommentare]
Erdbeeren im Supermarkt (Archiv)
Berlin - Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung Geringverdiener prozentual stärker belasten als Topverdiener. Das gilt selbst für ein Modell, in dem die reduzierte Mehrwertsteuer für Lebensmittel und ähnliche Dinge des täglichen Bedarfs gesenkt wird, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" […] (03)
vor 1 Stunde
Bessie Carter hat sich selbst versprochen, dass sie aufhören wird, Red Flags zu daten.
(BANG) - Bessie Carter hat sich selbst versprochen, dass sie "aufhören wird, Red Flags zu daten". Die 'Bridgerton'-Schauspielerin, die zuvor mit ihrem Co-Star Sam Phillips zusammen war, erzählte jetzt, dass sie Single ist und "noch nie glücklicher war". Das liege unter anderem auch daran, dass sie einige "wunderbare Freunde" habe. Bessie – Tochter der […] (01)
vor 8 Stunden
Screenshot vom Spiel «Pragmata»
Hamburg (dpa/tmn) - Die Artemis-II-Mondmission hat weltweit für eine Welle der Raumfahrt-Begeisterung gesorgt. Grund genug für Publisher Capcom, den Veröffentlichungstermin seines lang erwarteten Space-Sience-Fiction-Abenteuers «Pragmata» vorzuziehen - und zwar auf den 17. April. Von diesem Datum an können Weltraumbegeisterte in den Raumanzug von Hugh […] (00)
vor 1 Stunde
GTA 6 vor neuem Schub? Nächster Take-Two-Call wird für Fans plötzlich richtig spannend
Seit Monaten wirkt es so, als würde die GTA-Community auf genau diese Momente zusteuern. Der nächste Investoren-Call von Take-Two ist zwar noch nicht offiziell mit Datum auf der Investor-Relations-Seite eingetragen, aber der Konzern veröffentlicht seine Quartalszahlen traditionell im Mai. Und genau dieser Zeitraum bekommt für Grand Theft Auto VI-Fans […] (00)
vor 3 Stunden
Netflix plant neue Survival-Show mit Alan Ritchson
Der Action-Star führt durch ein Format, in dem Influencer ohne Komfort ums Überleben kämpfen müssen. Streaminganbieter Netflix baut sein Reality-Portfolio weiter aus und hat eine neue Survival-Wettbewerbsshow mit Alan Ritchson angekündigt. Der Schauspieler, bekannt aus Actionproduktionen wie «War Machine», wird die Teilnehmer durch das Format begleiten und sie an ihre körperlichen und mentalen […] (00)
vor 1 Stunde
WM-Qualifikation Deutschland - Österreich
Nürnberg (dpa) - Als die Fußballfans in Nürnberg den Erfolg gegen Österreich bejubelten, war der Arbeitstag von Giulia Gwinn längst vorbei. Die Kapitänin der Nationalmannschaft musste beim 5: 1 (1: 0) schon in der ersten Halbzeit raus, nachdem sie bei einem Zusammenprall unglücklich auf die linke Schulter gefallen war. «Wir haben sie aus […] (06)
vor 4 Stunden
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
In den letzten Tagen nimmt die institutionelle Nachfrage nach XRP wieder zu. Die Zuflüsse in Spot-XRP-ETFs in den USA steigen, obwohl der Kurs weiterhin unter $1,40 liegt. ETFs halten nun einen signifikanten Anteil des XRP-Angebots Der März war eine besonders schwierige Zeit für Spot-XRP-ETFs. Laut Daten von SoSoValue gab es in diesem Monat […] (00)
vor 1 Stunde
Meta Pixel und Business Tools: So werden Verbraucher im Netz ausspioniert
Lahr, 14.04.2026 (lifePR) - Wer im Internet unterwegs ist, könnte durch Meta Business Tools wie das Meta Pixel weit stärker ausgespäht werden, als vielen Betroffenen bewusst ist. Wer Facebook oder Instagram nutzt, im Netz auf Seiten mit Cookies surft und online einkauft, könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit von diesem Tracking betroffen sein. Nach einem Bericht von Stiftung […] (00)
vor 7 Stunden
 
Millionen-Grab A100: Der absurde 8-Millionen-Plan zum Lichtausknipsen
In Zeiten klammer Kassen und maroder Brücken sorgt ein neues Projekt der Autobahn […] (01)
Wirtschaftswissenschaftler Lars P. Feld
Berlin (dpa) - Der Staat zahlt einer Studie zufolge in diesem Jahr voraussichtlich so […] (01)
Wallstreet
New York - Die US-Börsen haben am Dienstag zugelegt. Zu Handelsende in New York wurde […] (00)
Prozess wegen versuchtem Mord und Vergewaltigung
München (dpa) - «Monströs» nennt der Vorsitzende Richter die Taten. «Menschen- und […] (02)
Blitzer-Marathon im April: Darauf sollten Autofahrer jetzt unbedingt achten
Es ist wieder so weit: In der Woche vom 13. bis zum 19. April findet in ganz […] (00)
ABC verlängert «Will Trent» und «The Rookie»
Die beiden Crime-Serien kehren mit neuen Staffeln zurück. Der US-Networksender ABC setzt auf […] (00)
Luxus-Crash: LVMH verlor 40 Prozent, Kering ebenso – 20 Millionen Käufer verschwanden
Im Jahr 2025 hat der globale Luxusmarkt 20 Millionen Käufer verloren. Nicht durch […] (01)
Lewis Capaldi
(BANG) - Lewis Capaldi hat darüber gewitzelt, mit Lewis Hamilton verwechselt worden […] (00)
 
 
Suchbegriff