Investmentweek

Putins Spaltungsplan – Warum Europa in diesem Poker verlieren könnte

13. August 2025, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Während sich Donald Trump auf ein Treffen mit Wladimir Putin vorbereitet, wächst in Europa die Sorge, zwischen Washington und Moskau zerrieben zu werden. Für den Kreml ist das mehr als nur ein diplomatischer Termin – es ist eine Gelegenheit, den Westen auseinanderzutreiben.

Ein Termin, der den Ton setzen könnte

Das Szenario könnte aus einem Politthriller stammen: Trump und Putin wollen sich in den kommenden Wochen persönlich austauschen – ohne dass Moskau im Vorfeld auch nur ein greifbares Zugeständnis gemacht hätte.

In Russland läuft die Propagandamaschine längst heiß. Staatsmedien sprechen von „Friedenschancen“, blenden Bilder aus Alaska ein, erzählen von gemeinsamen historischen Wurzeln und unterlegen das Ganze mit pathetischer Musik. Die Botschaft: Russland kehrt als gleichwertiger Partner auf die Weltbühne zurück.

Der eigentliche Erfolg für Putin ist jedoch längst eingefahren: Er sitzt mit Trump am Tisch – und kann die Richtung der Gespräche bestimmen.

Trump ohne festen Kurs

Aus Washington ist wenig von einer klaren Linie gegenüber Moskau zu hören. Trumps Umfeld betont, die USA hätten „genug“ vom Ukraine-Krieg. Sanktionen laufen aus oder werden nicht konsequent durchgesetzt, Fristen für den Verzicht auf russische Energieträger verstreichen ohne Folgen.

Europas Abhängigkeit – Ohne US-Aufklärung, Langstreckenwaffen und Satellitenkommunikation wäre die Verteidigung der Ukraine massiv geschwächt.

Interne Hinweise deuten darauf hin, dass man auf US-Seite bereit wäre, ukrainische Gebietsverluste zu akzeptieren – ohne Sicherheitsgarantien für Kiew. Für Europa wäre das ein geopolitischer Schock.

Dass Selenskyj bei dem Gipfel nicht mehr vorgesehen ist, dürfte Putin entgegenkommen: Ohne den ukrainischen Präsidenten kann er die Agenda verschieben, weg vom Kriegsgeschehen, hin zu angeblichen Perspektiven wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

Europas verwundbarer Nerv

Die militärische Abhängigkeit von den USA ist Europas Achillesferse. Langstreckenwaffen, präzise Aufklärung, Kommunikationssysteme wie Starlink – vieles davon kommt bisher aus Washington. Bricht diese Unterstützung weg, wird die Verteidigung der Ukraine deutlich schwieriger.

In der NATO ist die Nervosität spürbar. Generalsekretär Mark Rutte sprach zuletzt offen von einer „faktischen Anerkennung“ russischer Kontrolle über besetzte Gebiete als möglicher Grundlage für ein Abkommen.

Für den Kreml ist das politisches Kapital: Moskau könnte die Ukraine als geschlagen darstellen und den Europäern im Falle eines Scheiterns die Schuld zuschieben.

Die Front verschiebt sich langsam – aber stetig

Während diplomatisch sondiert wird, verschärft sich die Lage an der Front. Russische Truppen rücken langsam vor, Städte werden weiter bombardiert. Aus der Drohnenfabrik in Alabuga rollen ununterbrochen neue Angriffsgeräte. Die russische Wirtschaft steht zwar unter Druck, doch nicht so stark, dass der Kreml seine Kriegsziele aufgeben müsste.

Putin weiß: Zeit spielt für ihn. Je länger der Westen uneins ist, desto leichter kann Moskau die Verantwortung für das Scheitern von Friedensgesprächen den Europäern zuschieben – und sich selbst als kompromissbereiten Akteur inszenieren.

Ein Risiko, das kaum jemand offen anspricht

Die Schwäche Europas liegt weniger in fehlender Militärmacht als in politischer Zerrissenheit. Unterschiedliche Interessen, innenpolitische Zwänge und wirtschaftliche Sorgen verhindern eine einheitliche Linie. Sollte Trump Putins Angebot einer „neuen Ära“ annehmen, könnte das westliche Bündnis seinen größten Bruch seit Jahrzehnten erleben.

Für den Kreml wäre das ein Sieg, der keine vollständige militärische Eroberung erfordert – nur Geduld, geschickte Rhetorik und ein Gespür für die Bruchstellen des Gegners. Und genau darauf setzt Putin.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 13.08.2025 · 08:00 Uhr
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