Pünktliche Entgleisung: Deutsche Bahn kämpft mit Infrastruktur und Unmut
Die Deutsche Bahn verzeichnet im ersten Halbjahr erhebliche Anlaufschwierigkeiten in Sachen Pünktlichkeit. Bahnchef Richard Lutz enthüllt, dass mehr als ein Drittel der Fernzüge verspätet ist und das ehrgeizige Jahresziel von 65 bis 70 Prozent pünktlicher Züge verfehlt wurde. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur gab er an, dass das Halbjahr voraussichtlich bei knapp 64 Prozent pünktlichen Zügen enden wird — ein harter Rückschlag für die geplante Pünktlichkeits-Offensive.
Die Intention, maximal fünf Minuten und 59 Sekunden Verspätung gelten zu lassen, scheint ambitioniert. Das erste Quartal schloss noch vielversprechend mit 66,3 Prozent ab, während im zweiten Quartal zahlreiche Störungen und Baustellen die Bilanz verschlechterten. Lutz zeigt dennoch Entschlossenheit, an den Zielen festzuhalten, und betont, dass die Herausforderungen des veralteten und überlasteten Schienennetzes kontinuierlich angegangen werden.
Kunden der Bahn zeigen bemerkenswertes Verständnis angesichts der Infrastrukturprobleme. Trotz allgemeiner Unzufriedenheit mit der Pünktlichkeit bleibt die Nachfrage stabil und die Zuneigung zur Bahn beständig. Sogar unerfreuliche Neuerungen wie die Abschaffung der vergünstigten Familienreservierung konnten dies nicht signifikant trüben, auch wenn sie politische und verbraucherseitige Empörung auslösten.
Der Bahnchef verteidigt die Entscheidung, aufgrund des steigenden Missbrauchs der Reservierungen durch kleinere Gruppen und Mehrfachbuchungen. Er appelliert an eine fairere Bewertung gegenüber der Leistung und den familienfreundlichen Regelungen der Bahn.

