Pragmata: Darum könnte der Sci-Fi-Hit in einer eigenen Liga spielen
Capcom hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass das Studio aus der Asche alter Formate Neues erschaffen kann – doch mit Pragmata wagt man etwas, das selbst für Capcom ungewöhnlich ist: ein völlig neues Universum, das keiner etablierten Formel folgt. Astronaut Hugh Williams und die rätselhafte Androidin Diana stecken gemeinsam in einer Situation, aus der es nur einen Ausweg gibt. Ob das Spiel dabei wirklich heraussticht, lohnt sich genauer zu beleuchten.
Ein Duo, das mehr ist als die Summe seiner Teile
Was Pragmata von anderen Science-Fiction-Abenteuern unterscheidet, beginnt bereits bei der grundlegenden Spielstruktur. Viele zeitgenössische Genre-Vertreter – von Mass Effect über Cyberpunk 2077 bis Starfield – setzen auf riesige, loregesättigte Welten, in denen der Kampf oft nur als Vehikel für visuelle Grandiosität dient. Pragmata verfolgt einen anderen Ansatz: Statt den Spieler durch opulent gestaltete Umgebungen zu lotsen, setzt das Spiel auf konstante mechanische Beteiligung. Hugh übernimmt Mobilität und konventionelle Feuerkraft, während Diana feindliche Systeme mittels Hacking-Mechaniken manipuliert – und zwar nicht in ruhigen Rätselpausen, sondern mitten im Gefecht. Das Hacking-Interface überlagert Gegner mit taktischen Gitterstrukturen, die in Sekundenschnelle gelöst werden müssen, um Abwehrmechanismen zu durchbrechen. Ziel, Timing und Mustererkennung greifen dabei untrennbar ineinander.
Das Ergebnis ist ein Spielgefühl, bei dem Macht nicht aus roher Aggression entsteht, sondern aus Koordination. Spieler reagieren nicht nur mit Reflexen – sie teilen ihre Aufmerksamkeit zwischen Bewegung, Zielerfassung und Systemmanipulation auf. Diana ist dabei keine bloße Begleiterin wie Ellie in The Last of Us oder die zahllosen Hinweisgeber in anderen Titeln. Sie ist die strukturelle Hälfte des Ganzen. Ohne ihre Fähigkeiten käme Hugh nicht weit. Das verleiht der Partnerschaft eine ludonarrative Resonanz, die im aktuellen Hochglanz-Actionbereich ausgesprochen selten ist.
Geerdet im Chaos – statt verloren im Abstrakten
Auch erzählerisch schlägt Pragmata einen eigenwilligen Pfad ein. Viele ambitionierte Science-Fiction-Spiele – Death Stranding und Control sind die offensichtlichsten Beispiele – vergraben ihre Handlung in schichtweise aufgebauter Symbolik und endlosen Kodex-Einträgen. Pragmata wirkt dagegen erstaunlich direkt: Hugh und Diana sitzen nach einer Katastrophe in einer Mondforschungsanlage fest, und ihr Ziel ist schlicht, lebend zurück zur Erde zu kommen. Diese Unmittelbarkeit ist kein Zeichen von Ideenlosigkeit, sondern eine kluge Designentscheidung. Denn Capcom ist nicht das Studio, das mit verschachtelter Lore am besten fährt – man muss nur die teils holprigen Handlungsstränge von Resident Evil oder Street Fighter bemühen, um das zu verstehen. Der Fokus auf erzählerische Klarheit gibt dem Kampfsystem genau den Raum, den es braucht, um zu glänzen.
Zwischen allen Stühlen – und genau deshalb interessant
Was Pragmata letztlich so schwer greifbar macht, ist auch sein größtes Kapital. Das Spiel lässt sich keiner einzelnen Schublade zuordnen – es bewegt sich irgendwo zwischen Actionspiel, taktischem Puzzlespiel und narrativem Abenteuer. Jedes dieser Elemente existiert für sich genommen auch woanders, aber ihre Kombination ergibt etwas, das im aktuellen Hochglanz-Markt mit Sequels und bewährten Formeln tatsächlich frisch wirkt. Natürlich bedeutet Originalität allein noch keinen Erfolg. Die Hacking-Mechanik muss auch in chaotischen Gefechten lesbar bleiben, das Zusammenspiel zwischen Hughs Beweglichkeit und Dianas Systemzugriff muss sich organisch anfühlen – nicht wie eine aufgezwungene Komplikation. Wenn Capcom diesen Balanceakt meistert, könnte Pragmata zum Release am 17. April zu einem der eigenwilligsten und einprägsamsten Science-Fiction-Erlebnisse dieser Konsolengeneration werden.


