Der Herr der Ringe als großes Rollenspiel: Crystal Dynamics soll das Projekt entwickeln, nicht Warhorse Studios
Gerüchte um ein groß angelegtes Rollenspiel im Universum von Der Herr der Ringe geistern schon eine Weile durch die Branche, doch wer tatsächlich hinter dem Vorhaben steckt, war lange unklar. Nun verdichten sich die Hinweise auf ein Studio, das man vielleicht nicht als Erstes auf dem Zettel gehabt hätte – und das Projekt klingt ambitionierter, als viele bislang vermutet haben.
Crystal Dynamics statt Warhorse: Eine überraschende Wendung
Noch vor Kurzem machte der polnische Spielübersetzer Ryszard Chojnowski die Runde mit der Behauptung, Warhorse Studios, bekannt durch die Kingdom Come: Deliverance-Reihe, arbeite an dem kolportierten Mittelerde-Rollenspiel. Insider Gaming-Reporter Mike Straw, der das Projekt als Erster öffentlich erwähnte, widerspricht dieser Einschätzung nun deutlich. Laut Personen, die dem Entwicklungsprozess nahestehen, ist Crystal Dynamics das Studio hinter diesem Vorhaben. Weder Crystal Dynamics noch die Embracer Group, der das Studio angehört, wollten sich dazu äußern. Dass Warhorse Studios seinerseits an einer eigenen Interpretation des Tolkien-Universums arbeiten könnte, schließt Straw dabei nicht aus – es wären schlicht zwei verschiedene Projekte.
Mittelerde mit 92-Millionen-Euro-Budget und großen Ambitionen
Was das Projekt besonders interessant macht, ist seine finanzielle Dimension. Angeblich wird die Entwicklung mit rund 92 Millionen Euro aus dem Abu Dhabi Investment Office gefördert, ein beachtlicher Betrag, der in eine Größenordnung verweist, die direkt mit Hogwarts Legacy konkurrieren soll. Zum Vergleich: Das Zauberschul-Rollenspiel von Avalanche Software war einer der kommerziell erfolgreichsten Titel der jüngeren Vergangenheit und zeigte, welches Potenzial in lizenzierten Fantasywelten steckt, wenn sie spielerisch konsequent umgesetzt werden. Offenbar soll Der Herr der Ringe diesen Maßstab nicht nur erreichen, sondern übertreffen. Allerdings gilt das Projekt Berichten zufolge noch als eine ganze Weile von der Veröffentlichung entfernt, eine Einschätzung, die sich seit dem vergangenen Herbst nicht verändert hat.
Crystal Dynamics jongliert mehrere große Projekte gleichzeitig
Das Studio ist derzeit alles andere als untätig. Mit Tomb Raider: Legacy of Atlantis steht noch in diesem Jahr eine aufwendig produzierte Neuerzählung des ersten Tomb-Raider-Abenteuers auf Basis der Unreal Engine 5 an. Tomb Raider: Catalyst, geplant für das kommende Jahr, setzt zeitlich nach den Ereignissen von Tomb Raider: Underworld an und soll das bislang größte Kapitel der Reihe werden. Beide Projekte dürften erhebliche Ressourcen binden, weshalb die Frage naheliegt, wann genau an Der Herr der Ringe mit Hochdruck weitergearbeitet werden kann. Eine realistische Annahme wäre, dass die Produktion nach dem Launch von Legacy of Atlantis oder spätestens nach Catalyst merklich Fahrt aufnimmt. Wie Crystal Dynamics Tolkiens vielschichtiges Werk letztlich interpretieren wird, ob eher episch-narrativ oder stärker systemgetrieben, bleibt vorerst offen – und genau das macht das Warten so gespannt.


