Flüchtlingsdebatte

Regierung sieht «Scheinkonflikt» bei Debatte um Syrien-Ziel

01. April 2026, 15:39 Uhr · Quelle: dpa
Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht Berlin
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Wer hat die 80-Prozent-Zielmarke genannt, Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa oder Kanzler Friedrich Merz (CDU)? Nicht so wichtig, meint die Bundesregierung.
Deutschland betont große Einigkeit mit Syrien im Umgang mit Bürgerkriegsflüchtlingen. Und wer hat die 80-Prozent-Zielmarke für die Rückkehr aufgebracht? Tut nichts zur Sache, sagt die Bundesregierung.

Berlin (dpa) - Nachdem der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa Kanzler Friedrich Merz (CDU) widersprochen hat, will die Bundesregierung die Debatte um eine 80-Prozent-Zielmarke für die Rückkehr syrischer Flüchtlinge beenden. «Ich werde nun keine Textexegese betreiben, welche Worte der Kanzler und welche der Präsident gesagt hat», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. «Das gehört sich nicht und befriedigt nur ein oberflächliches Interesse an einem Scheinkonflikt, der keiner ist.» 

Regierungssprecher betont Einigkeit

Kornelius betonte, beide Seiten seien sich einig, dass «für eine signifikante Zahl der Kriegsflüchtlinge» der Schutzgrund entfallen ist und die Rückkehr in die Heimat nun bevorstehe. «Dabei tut es nichts zur Sache, wer welche Zahl in welchem Kontext genannt hat.»

Merz hatte nach einem Treffen mit al-Scharaa am Montag im Kanzleramt als Zielmarke genannt, dass in den nächsten drei Jahren 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Dies war von Beobachtern so verstanden worden, dass Merz sich dieses Ziel zu eigen machte. Am Dienstag stellte er klar: «Die Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren hat der syrische Präsident genannt. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst.»

Wer hat was gesagt?

Bei einer Veranstaltung in London hatte al-Scharaa dies anders dargestellt. «Die Aussage ist etwas übertrieben», sagte er als die Moderation ihn darauf ansprach, er habe das 80-Prozent-Ziel genannt. «Ich bin nicht derjenige, der das gesagt hat. Es war der Herr Kanzler, der das gesagt hat. Das kam in einem Gespräch. Ich sagte, dass die Rückkehr der Flüchtlinge direkt an Syriens Wiederaufbau gekoppelt ist.»

Al-Scharaa sagte, in Gesprächen hätten deutsche Unternehmen Interesse an Investitionen gezeigt. In Niederlassungen dieser Unternehmen in Syrien könnten syrische Flüchtlinge, die in Deutschland Sprache und Arbeitsabläufe gelernt haben, bevorzugt eingestellt werden. Die Rückkehr von Flüchtlingen müsse organisiert werden. Er, al-Scharaa, habe gesagt, wenn all die Umstände geschaffen würden, dann garantiere er, dass 80 Prozent der Menschen nach Syrien zurückkehrten. 

«Signifikante Zahl» soll zurück

Sprecher Kornelius erklärte, «eine signifikante Zahl der Kriegsflüchtlinge» solle in ihre Heimat zurückkehren, wiederholte dabei aber die Zahl von 80 Prozent nicht. «Die gesellschaftlichen Spannungen dürfen nicht ignoriert werden, und das Schutzrecht darf auch nicht missbraucht werden.» 

Das Gespräch zwischen Merz und al-Scharaa sei sehr einvernehmlich verlaufen. «Syrien hat ein großes Interesse an der Rückkehr seiner Staatsbürger und Deutschland hat ein großes Interesse an der Entlastung und der geordneten Rückkehr dieser Menschen.»

Al-Scharaa: Recht auf freiwillige Rückkehr wahren

Nach al-Scharaas Aussage in London sollten Flüchtlinge nicht einfach zurückgeflogen werden. Das würde die Menschen verschrecken und zur erneuten Migration bewegen. Das Recht der Flüchtlinge auf eine freie und freiwillige Rückkehr in ihre Heimat solle gewahrt werden. 

Auch Kornelius betonte: «Wir schicken diese Leute nicht in ein Land, das nicht funktionsfähig ist.» Er verwies auf den zwischen Deutschland und Syrien vereinbarten Aktionsplan, in dem es um Rückkehr aber auch um Wiederaufbau geht.

Debatte auch in Syrien

Die Rückkehr hoher Zahlen syrischer Geflüchteter wird auch in Syrien zurzeit noch kritisch betrachtet. Die syrische Bevölkerung leidet weiterhin unter maroden Gesundheits- und Bildungssystemen, zerstörter Infrastruktur und niedrigen Gehältern, während Lebenshaltungskosten steigen. Die Wirtschaft ist geschwächt. Viele Familien in Syrien sind daher weiterhin auf die Unterstützung von Verwandten im Ausland angewiesen.

Migration / Flüchtling / Deutschland / Syrien / Rückkehr / Friedrich Merz / Ahmed al-Scharaa
01.04.2026 · 15:39 Uhr
[2 Kommentare]
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einer Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke binnen weniger Stunden nach Ablauf seines Ultimatums gedroht. Die USA könnten innerhalb von vier Stunden eine «völlige Zerstörung» herbeiführen, sagte Trump im Weißen Haus. Die Frist, die er Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus […] (15)
vor 44 Minuten
Quantenphysik schlägt künstliche Intelligenz — mit nur neun Atomen
Wer mehr Rechenleistung braucht, baut größere Systeme — so lautet die Grundannahme, auf der ein großer Teil der modernen Computerentwicklung beruht. Mehr Schichten, mehr Verbindungen, mehr Energie. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Physical Review Letters, stellt diese Logik grundsätzlich infrage. Ein Forschungsteam hat […] (00)
vor 6 Stunden
Review: Reolink Duo 3V PoE – statische Überwachung mit Dual-Kamera
Die Reolink Duo 3V PoE fällt schon beim ersten Blick aus dem Rahmen klassischer Überwachungskameras. Sie verzichtet auf ein einzelnes Objektiv und setzt stattdessen auf ein Dual-Lens-System, das zwei separate Kameras zu einem 180°-Panoramabild kombiniert. Das ist keine Spielerei: Die Kamera zielt darauf ab, maximale Flächen mit minimaler Hardware […] (00)
vor 3 Stunden
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren verbracht habe. Über alle Spiele hinweg, seit ich 2003 meinen ersten Helden in Neverwinter Nights zusammengeklickt habe. Das Ergebnis: mindestens 200 Stunden. Zweihundert Stunden, in denen ich Nasenlängen justiert, Augenbrauen verschoben und Haarfarben verglichen habe, ohne […] (00)
vor 1 Stunde
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 11 Stunden
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo verloren. Der Deutsche unterlag dem Tschechen Tomas Machac in einer umkämpften Partie mit 4: 6, 6: 1, 3: 6. Nach verlorenem ersten Satz zeigte sich Altmaier stark verbessert. Nach einem schnellen Break zum 3: 1 wehrte er in einem umkämpften […] (00)
vor 5 Stunden
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Ethereum hat die Marke von $2.100 zurückerobert. Doch der Markt, der diese Erholung ermöglicht hat, ist dünner als im gesamten bisherigen Jahr, was die Bedeutung dieser Erholung verändert. Ein Bericht von CryptoQuant, der die Liquiditätsstruktur von Ethereum auf Binance analysiert, zeigt, dass das Liquiditätsverhältnis auf etwa 5,01 gesunken ist […] (00)
vor 33 Minuten
Veranstaltungstipp – Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen und freier Eintritt
Mainz, 06.04.2026 (lifePR) - Wir laden Familien herzlich zu einer gemeinsamen Entdeckungstour durch die Kunsthalle ein. Hier gibt es immer etwas anderes zu erleben. Gemeinsames Rätseln, Forschen oder Zeichnen vor den Kunstwerken – mach einfach mit! Der Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen findet am Sonntag, den 19/04 um 14 Uhr statt und ist Teil des Programms  Freistunden. Im Rahmen der  […] (00)
vor 5 Stunden
 
Weißes Haus (Archiv)
Washington/Teheran - US-Präsident Donald Trump hat einen Vorschlag mehrerer Länder […] (01)
Behandlungszimmer beim Arzt (Archiv)
Berlin - Die SPD hat Warnungen des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung […] (00)
Wolfgang Kubicki (Archiv)
Berlin - Wolfgang Kubicki hat seine Bewerbung als FDP-Parteivorsitzender gegen […] (02)
Britta Haßelmann
Berlin (dpa) - Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann fordert Korrekturen an der neuen […] (01)
Flandern-Rundfahrt
Oudenaarde (dpa) - Tadej Pogacar richtete sich nach einer kurzen Verschnaufpause auf […] (03)
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind […] (00)
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati enthüllt, wie sie mit ihrem neuesten Rückschlag im Kampf […] (01)
BBC ernennt Richard Colebourn zum Europachef der News-Sparte
Die BBC stellt ihre internationale Struktur weiter neu auf und besetzt eine zentrale […] (00)
 
 
Suchbegriff