Pkw-Maut: Dobrindt sieht keine Mitverantwortung am Scheitern

15. Januar 2021, 15:18 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Der frühere Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat Vorwürfe über eine Mitverantwortung am Scheitern der Pkw-Maut zurückgewiesen.

Dobrindt verwies in der Nacht zum Freitag als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestags auf einen Ende 2016 mit der EU-Kommission erzielten Kompromiss zum deutschen Pkw-Maut-Modell. Die Kommission habe «quasi einen Stempel» für die Europarechtskonformität gegeben, sagte Dobrindt. Die Maut habe damit umgesetzt werden können. Die Opposition dagegen sieht eine Mitverantwortung Dobrindts am Scheitern der Pkw-Maut.

Dobrindt sagte, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das die Maut «vom Tisch gewischt» habe, habe ihn sehr überrascht. Der EuGH hatte die deutsche Pkw-Maut im Sommer 2019 für europarechtswidrig erklärt - sie sei diskriminierend für Autobesitzer aus anderen EU-Ländern.

Mit Blick auf seinen Amtsnachfolger Andreas Scheuer (CSU) sagte Dobrindt, in seiner Zeit als Bundesminister habe er politische Verantwortung getragen. Jeder Minister sei für seine Entscheidung selbst verantwortlich. Ein Sprecher der CSU im Bundestag wies außerdem darauf hin, dass Dobrindt auf die Frage, ob Scheuer einen Fehler gemacht habe, mit «Nein» geantwortet habe.

Die Rolle Scheuers steht im Zentrum bei der Aufarbeitung der gescheiterten Maut, die Opposition wirft ihm schwere Fehler zu Lasten der Steuerzahler vor.

FDP-Obmann Christian Jung sagte, Dobrindt habe die komplette politische Verantwortung für das Pkw-Maut-Desaster auf Scheuer geschoben. Linke-Obmann Jörg Cezanne sagte, Dobrindt sei für die die vor dem EuGH gescheiterte Gesetzeslage verantwortlich gewesen. Grünen-Obmann Oliver Krischer sprach von deutlichen «Rissen» im CSU-Gebäude, es seien Absetzbewegungen von Scheuer erkennbar. Dobrindts Argumentation, die Kommission habe einen europarechtlichen «Freibrief» geliefert, sei weit hergeholt. Dies sei von einem Zeugen widerlegt worden.

Der frühere Kabinettschef von Ex-EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Martin Selmayr, hatte als Zeuge ausgesagt, dass die EU-Kommission 2017 das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland in Sachen Pkw-Maut eingestellt habe, sei keine Garantie für Rechtssicherheit gewesen. Krischer sagte, Dobrindt habe mit seiner Aussage versucht, seine eigene Verantwortung als «Architekt der Maut» wegzuschieben.

Das EuGH-Urteil bezog sich auf das Modell, für das Dobrindt als Verkehrsminister Ende 2016 grünes Licht der EU-Kommission erhalten hatte. Die Pkw-Maut war auf Drängen der CSU in den schwarz-roten Koalitionsvertrag von 2013 gekommen. Dobrindt war von 2013 bis 2017 Verkehrsminister und ist seitdem CSU-Landesgruppenchef.

Unions-Obmann Ulrich Lange (CSU) sagte, Dobrindt habe keine Schuld in Richtung Scheuer geschoben, sondern sein Handeln in seiner Amtszeit beschrieben. Es habe bei der Pkw-Maut von Anfang an engen Kontakt mit der EU-Kommission gegeben.

Die Opposition sieht eine Mitverantwortung Dobrindts am Scheitern der Pkw-Maut. Unter seiner Führung seien die Maut-Gesetze durch Bundestag und Bundesrat gebracht worden, hieß es. Entgegen vielstimmiger Rechtsmeinungen seien die Maut-Gesetze als rechtskonform deklariert worden. Krischer sagte, Dobrindt habe die Pkw-Maut eingefädelt und grundlegende Weichen gestellt, die nachher zum «juristischen Totalschaden» vor dem Europäischen Gerichtshof geführt hätten.

Dobrindt sagte zur Amtszeit Scheuers seit 2018, die Maut sei gesetzt gewesen, es habe einen festen Umsetzungsauftrag für den zuständigen Bundesminister gegeben, egal wie dieser heiße.

Im Zentrum des Ausschusses steht, dass das Verkehrsministerium unter Scheuer Ende 2018 Verträge zur Erhebung und Kontrolle der Maut geschlossen hatte - bevor endgültige Rechtssicherheit bestand. Die Opposition wirft Scheuer schwere Fehler etwa im Haushalts- und Vergaberecht vor. Die vorgesehenen Betreiber fordern 560 Millionen Euro Schadenersatz, nachdem der Bund die Verträge direkt nach dem Urteil gekündigt hatte. Scheuer weist die Vorwürfe zurück. Er soll am 28. Januar erneut als Zeuge im Untersuchungsausschuss befragt werden.

Vor Dobrindt hatte ein wichtiger Zeuge Scheuer erneut entlastet. Dabei geht es um Aussagen von Managern der späteren Betreiberfirmen. Sie hatten ausgesagt, Scheuer bei einem Treffen im November 2018 angeboten zu haben, mit dem Abschluss von Verträgen zu warten, bis der Europäische Gerichtshof entscheidet.

Der frühere Verkehrsstaatssekretär Gerhard Schulz sagte im Ausschuss, er sei «sehr sicher überzeugt», dass es ein solches Angebot nicht gegeben habe. Das hatte Schulz bereits in einer Zeugenaussage im Oktober ausgesagt - und untermauerte es nun noch. Auch nach Einsicht in Akten habe sich seine Erinnerung «zur Gewissheit» verdichtet, dass es ein solches Angebot nicht gegeben habe. Als Grund für die anderslautenden Aussagen der Manager vermutete Schulz das laufende Schiedsverfahren zwischen dem Bund und den Firmen.

Scheuer hatte im Oktober ausgesagt: Ein Angebot der Betreiber zu einer Verschiebung eines Vertragsschlusses bis zu einem EuGH-Urteil habe es nach seiner Erinnerung nicht gegeben. Die Opposition zweifelt die Glaubwürdigkeit des Ministers an.

Verkehr / Bundestag / Alexander Dobrindt / Maut / Zeuge / Verantwortung / Deutschland
15.01.2021 · 15:18 Uhr
[7 Kommentare]
Inga Ruginiene (Archiv)
Vilnius - Laut Litauens Ministerpräsidentin Inga Ruginiene betreibt ihr Land trotz aller Bündnistreue der Nato bereits Vorsorge für den Ernstfall. "Man weiß nie, was passieren kann", sagte Ruginiene der "Welt am Sonntag". Deshalb müsse die "absolute Top-Priorität" darin liegen, "die EU zu stärken". Angesichts möglicher Veränderungen der US- […] (00)
vor 1 Stunde
Normani
(BANG) - Normani fühlt sich "motivierter und inspirierter denn je". Die Sängerin veröffentlichte bereits 2024 ihr Debüt-Soloalbum 'Dopamine'. Nun hat Normani verraten, dass sie sich "kreativer als je zuvor" fühlt. Der frühere Fifth-Harmony-Star – der mit NFL-Profi DK Metcalf verlobt ist – erzählte gegenüber 'Sports Illustrated': "Seit ich [Dopamine] […] (00)
vor 15 Stunden
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will sich für den Post auf seinem Social-Media-Account, der eine rassistische Darstellung von Ex-Präsident Barack Obama und dessen Frau als Affen enthielt, nicht entschuldigen. Auf eine entsprechende Frage sagte er vor Journalisten: «Nein, ich habe keinen Fehler gemacht.»  Er habe sich lediglich den Beginn […] (02)
vor 3 Stunden
Gothic 1 Remake – Werft einen Blick in die neue Making-Of Episode
Kaum ein Merkmal definiert die Gothic‑Reihe so sehr wie ihre lebendige Welt: Tiere, Bewohner und selbst die kleinsten Kreaturen folgen ihrem eigenen Rhythmus – ganz gleich, ob der Spieler zuschaut oder nicht. Dieses Zusammenspiel verleiht dem Minental seinen unverwechselbaren Charakter und macht es zu mehr als nur einer Spielwelt – es lebt. Im neuesten […] (00)
vor 5 Stunden
Apple TV setzt auf Familienabenteuer: «Way of the Warrior Kid»
Der neue Apple-Originalfilm mit Chris Pratt feiert am 20. November 2026 seine weltweite Premiere beim Streamingdienst. Apple TV hat beim Apple TV Press Day 2026 den Starttermin für den Spielfilm Way of the Warrior Kid bekanntgegeben. Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Jocko Willink wird weltweit am Freitag, den 20. November 2026, exklusiv bei Apple TV veröffentlicht. In den […] (00)
vor 1 Stunde
Olympische Winterspiele 2026
Mailand (dpa) - Mit einer bunten Eröffnungsfeier in Überlänge haben die Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo begonnen. So sehen internationale Medien das Spektakel: Italien «Tuttosport»: «Mailand-Cortina – ein Spektakel, von der Choreographie bis zum doppelten Feuerkelch: Italien zeigt sich von seiner besten Seite! » «La […] (01)
vor 4 Stunden
Dringende Flucht-Warnung: Steht das Iran-Regime jetzt vor dem totalen Kollaps?
Die US-Regierung fordert ihre Bürger zum sofortigen Verlassen des Landes auf Die geopolitische Lage am Persischen Golf hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Parallel zu den anlaufenden diplomatischen Gesprächen hat das US-Außenministerium eine drastisch verschärfte Reisewarnung herausgegeben. US-Staatsbürger werden dringend aufgefordert, den Iran […] (00)
vor 1 Stunde
Sichern Sie sich jetzt passende Domains zur Fußball WM und EM
Koeln, 06.02.2026 (PresseBox) - Der Ball rollt nicht nur auf dem Rasen, sondern längst auch im Netz. Wer den Fußball der kommenden Jahre verstehen will, muss beide Spielfelder im Blick behalten. Denn noch bevor der erste Anpfiff ertönt, beginnt online das große Vorspiel. Mit der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 und der darauffolgenden UEFA EURO 2028 […] (00)
vor 14 Stunden
 
Früchte auf einem Obststand (Archiv)
Berlin - In Deutschland fehlen mehr als 1.500 Lebensmittelkontrolleure. Nach Angaben […] (02)
Lage in Kuba
Havanna (dpa) - Weniger Busse, Einschränkungen an Schulen und Universitäten sowie ein […] (00)
Nach Telefonat mit Trump: Xi Jinping warnt in der Taiwan-Frage
Appell an gegenseitigen Respekt Laut dem chinesischen Staatssender CCTV betonte Xi, […] (01)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat weitere Gespräche zwischen […] (01)
RTL-Sendung «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!»
Murwillumbah (dpa) - Gil redet - und seine Dauer-Kritikerin Ariel muss gehen: Im RTL- […] (01)
Florian Froschmayer dreht Seelsorge-Film mit Julia Jäger
Das unabhängige Kinoprojekt trägt den Titel «Nacht», weil die Hauptfigur bei einem […] (00)
options, trading, financial, app, market, crash, derivatives, stocks, depression, economy
Die jüngsten Investitionen von Amazon in den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) […] (00)
Weniger Grind, mehr Loot: ARC Raiders krempelt für die zweite Expedition alles um
In der Welt von ARC Raiders steht die nächste große Zeitenwende bevor. Während viele […] (00)
 
 
Suchbegriff