Optimistische Aussichten bei HSBC trotz milliardenschwerer Belastungen
Die britische Großbank HSBC zeigt sich nach einem erfolgreichen dritten Quartal optimistischer für das laufende Geschäftsjahr. Das Management hat die Prognose für die Eigenkapitalrendite vor Sondereffekten auf einen Bereich im mittleren Zehnprozentbereich oder höher angehoben. Bisher hatte die Bank, die den Hauptteil ihrer Einnahmen aus Asien generiert, lediglich eine Rendite im mittleren Zehnprozentbereich prognostiziert.
Trotz einer milliardenschweren Rückstellung im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal des ehemaligen Finanzbetrügers Bernard Madoff, die das Ergebnis im dritten Quartal belastete, reagierten die Märkte unbeeindruckt. Die Aktien in Hongkong stiegen um fast vier Prozent auf 105,80 Hongkong-Dollar und näherten sich erneut ihrem Mehrjahreshoch von 112,20 Hongkong-Dollar.
Die Prognosen für den Zinsüberschuss wurden ebenfalls um eine Milliarde auf mindestens 43 Milliarden Dollar erhöht. Die Eigenkapitalrendite vor Sonderposten lag im dritten Quartal bei 16,4 Prozent, ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Nach neun Monaten beträgt dieser Wert 17,6 Prozent—ein Plus von 0,9 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und gut innerhalb des Zielbereichs der Bank für das aktuelle Jahr.
Vorstandschef Georges Elhedery, der erst seit letztem Herbst im Amt ist, erklärte, dass die gesteigerte Renditeerwartung die fortdauernde Ertragsdynamik der vier Geschäftssegmente von HSBC und die Fortschritte bei der Umsetzungsstrategie widerspiegelt. Allerdings sei eine saisonal bedingte Abnahme der Eigenkapitalrendite im vierten Quartal zu erwarten.
Unterdessen plant Elhedery, die Strukturen der Bank zu vereinfachen und setzt insbesondere auf das Asiengeschäft sowie den Bereich der vermögenden Kunden. Hierzu gehört auch die vollständige Übernahme der Tochter Hang Seng Bank, wofür bis zu 14 Milliarden Dollar investiert werden sollen.
Der bereinigte Gewinn vor Steuern stieg im dritten Quartal trotz Rückstellungen und Währungsveränderungen um rund drei Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar. Die operativen Erträge legten ebenfalls um etwa drei Prozent auf 17,9 Milliarden Dollar zu. Jedoch sank der Nettogewinn aufgrund von Sondereffekten wie der Rückstellung für den Madoff-Rechtsstreit um fast 20 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar.
Zu Wochenbeginn gab HSBC bekannt, dass sie 1,1 Milliarden Dollar für den laufenden Rechtsstreit im Fall Madoff zurückstellt. Diese Entscheidung folgte einer Gerichtsentscheidung in Luxemburg, wo sich HSBC seit 2009 gegen eine Forderung eines ehemaligen Fonds wehrt. Der Fonds fordert die Rückgabe von Wertpapieren und Sicherheiten im Wert von 2,5 Milliarden Dollar oder einen Schadenersatz von 5,6 Milliarden Dollar, jeweils zuzüglich Zinsen.
Der berüchtigte Finanzbetrüger Bernard Madoff hat Anleger weltweit um Milliarden betrogen. Sein Schneeballsystem hinterließ nicht existierende Investitionen, die im Gesamtwert von bis zu 65 Milliarden Dollar beziffert wurden. Madoff gestand seine Taten 2009 und wurde zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt, bevor er 2021 im Gefängnis verstarb.

