Ölpreise unter Druck: Markt befindet sich im Spannungsfeld geopolitischer und wirtschaftlicher Einflüsse
Die Ölpreise setzen ihren Abwärtstrend weiter fort. Jüngst verzeichnete die Nordseesorte Brent zur Oktoberlieferung einen Preisrückgang von 92 Cent und notierte zuletzt bei 67,62 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte WTI fiel parallel um 1,01 Dollar auf 65,26 Dollar. Diese Entwicklung ist die Fortsetzung eines bereits Ende letzter Woche begonnenen Preisverfalls.
Ein maßgeblicher Einflussfaktor war die Entscheidung der OPEC+ Staaten, zu denen auch Schwergewichte wie Saudi-Arabien und Russland zählen, die tägliche Fördermenge ab September um 547.000 Barrel zu erhöhen. Diese Entscheidung, die einen Wendepunkt in der Produktionspolitik der Organisation erdölexportierender Länder darstellt, führte direkt zu einer Belastung der Marktpreise.
Ökonomische Unsicherheiten tragen zusätzlich zur Zurückhaltung der Investoren bei. Commerzbank-Ökonom Carsten Fritsch betont, dass mögliche Äußerungen von OPEC+-Vertretern für neue Unsicherheiten sorgen könnten, insbesondere vor dem Hintergrund, dass bis Ende 2026 keine weiteren Produktionserhöhungen geplant waren. Umso mehr beschäftigen die Marktbeobachter aber die enttäuschenden Konjunkturdaten der letzten Zeit.
Spannung bringt zudem die außenpolitische Dimension. Drohungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Indien mit höheren Zöllen zu belegen, könnten weitreichende Folgen haben. Indien, einem der größten Abnehmer russischen Öls, wird vorgeworfen, dieses gewinnbringend am freien Markt weiterzuverkaufen. Sollten sich die Handelsstrategien Indiens ändern und es seine Ölbezüge verlagern, könnten die Ölpreise wieder anziehen. Dennoch spricht vieles dafür, dass Indien unbeirrt an seiner aktuellen Einkaufspolitik festhält und Zweifel daran bestehen, ob die angekündigten Zölle realisiert werden.

