Politische Stromschläge in Berlin: Ohne Strom, aber mit Tennisschläger
In der Berliner Politiklandschaft sorgt ein sportlicher Ausflug des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner während eines massiven Stromausfalls für hitzige Debatten. Walter Momper, Berlins Ex-Bürgermeister, kritisierte Wegner scharf für dessen Entscheidungen zu Beginn der Krise. Der CDU-Politiker sei der Ernsthaftigkeit der Lage nicht gerecht geworden, so Momper in einem Interview. Seine temporeiche Reaktion: Tennis spielen, obwohl in Tausenden von Haushalten die Lichter ausgingen.
Besonders pikant: Wegners sportliche Begleiterin war niemand Geringerer als seine Lebensgefährtin und Bildungssenatorin, Katharina Günther-Wünsch. Der Senat bestätigte die Berichte, nach denen Wegner trotz des bekannt gewordenen Notfalls für eine Tennisstunde den Schläger schwang. Wohl, um den Kopf freizubekommen, wie er selbst erklärte. Dieser sportliche Abstecher wurde in seiner späteren Kommunikation allerdings nicht erwähnt, was erneut Zweifel an seiner Krisenstrategie aufwarf.
Die Kritiker sehen darin nicht nur eine mangelnde Präsenz in der Krise, sondern auch einen fehlenden Realitätssinn. Von der AfD bis zur nicht im Parlament vertretenen FDP werden Rücktrittsforderungen laut. Der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach und Werner Graf von den Grünen monierten das fahrlässige Vorgehen Wegners in einer solch dunklen Stunde für die Stadt. Eine linksextremistische Gruppe hatte mit einem Brandanschlag den längsten Blackout der Nachkriegsgeschichte im Südwesten Berlins ausgelöst, der rund 100.000 Menschen bis Mittwochabend ohne Strom, Heizung und Kommunikationsmittel ließ.
Die Spannung in der Berliner Luft mag sich gelegt haben, dabei bleibt es politisch angespannt. Wegners Tennisstunde wirft weitreichende Fragen über Führungsqualität und Transparenz in Krisen auf – in einem Moment, in dem die Bürger Berlins mehr denn je einen verlässlichen Kurs erwarten.

