OECD-Bericht: Einkommensgefälle von Eingewanderten in Deutschland bleibt hoch

Ein aktueller OECD-Migrationsausblick wirft ein Schlaglicht auf die Einkommensunterschiede zwischen Eingewanderten und der einheimischen Bevölkerung in Deutschland. Im internationalen Vergleich zeigen die Ergebnisse, dass der Einkommensnachteil für Einwanderer hierzulande besonders ausgeprägt ist.
Die Studie, die das Einkommen und die Integration von Zugewanderten in 15 OECD-Staaten, darunter Frankreich, Spanien, Italien und die Niederlande, beleuchtet, verdeutlicht, dass die Lohnlücke bei Eintritt in den Arbeitsmarkt in Deutschland bei stolzen 43 Prozent liegt. Im Durchschnitt der untersuchten OECD-Länder sind es lediglich 34 Prozent. Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist, dass Einwanderer in Deutschland häufiger in schlechter bezahlten Jobs verbleiben als in anderen Ländern. Innerhalb von fünf Jahren reduziert sich die Lücke zwar auf 31 Prozent, doch auch hier liegt Deutschland über dem OECD-Schnitt von 28 Prozent.
Eine zentrale Ursache ist, dass Zugewanderte oft in Sektoren und Unternehmen tätig sind, in denen generell weniger verdient wird. Der Bericht beleuchtet die Jahre 2000 bis 2019 und hebt hervor, dass in diesem Zeitraum insbesondere Flucht und Familiennachzug die Migrationsbewegungen prägten. Dies war laut Gunilla Fincke vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales nicht immer mit dem Ziel Arbeitsmarktintegration verbunden. Damit wird klar, dass die Unterschiede in der Einkommensentwicklung nicht allein auf individueller Ebene, sondern auch strukturelle Gründe haben.
Migrationsforscherin Yuliya Kosyakova vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung weist auf den sogenannten „Klebeeffekt“ hin: Wer mit prekären Arbeitsverhältnissen startet, hat es schwer, sich in besser bezahlte Jobs mit Möglichkeiten zur Weiterbildung vorzuarbeiten. Für Geflüchtete bedeutet dies oft eine zähe Motivationserhaltung, wenn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt unsicher bleiben.
Eine kohärente Strategie bei der Zuwanderung von Arbeitskräften sei daher entscheidend, um den wirtschaftlichen Herausforderungen der alternden Gesellschaft zu begegnen, so Fincke. Die gezielte Anwerbung von Fachkräften müsse als langfristige Investition verstanden werden, die nicht einfach nach Belieben aktiviert oder reduziert werden könne.

