Nintendo klagt gegen die US-Regierung und die Nintendo Switch 2 steckt mittendrin
Nintendo ist vieles: Spielzeughersteller, Konsolenikone, gnadenloser Rechtsanwalt gegen Piraten. Doch was das Unternehmen jetzt in die Wege geleitet hat, übersteigt alles, was man bislang aus Kyoto gewohnt war. Statt gegen Raubkopierer zieht Nintendo vor Gericht – und diesmal sitzt auf der anderen Seite des Saals die Regierung der Vereinigten Staaten. Das Internet dreht bereits durch, und die Hintergründe sind komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.
Zölle, Klagen und ein spektakulärer Schachzug
Die Vorgeschichte beginnt mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus und der Einführung massiver Importzölle auf Waren aus China und Mexiko – zwei Länder, mit denen Nintendo intensiv Geschäfte macht. Der Zollsatz gegenüber China erreichte zeitweise 145 Prozent, was die Preise für Elektronik, Zubehör und zahlreiche andere Güter in die Höhe trieb. Nintendo reagierte darauf, indem das Unternehmen die Preise für Nintendo Switch 2-Controller und Zubehör anhob – der Grundpreis der Konsole selbst blieb jedoch zunächst stabil. Als der Oberste Gerichtshof der USA die Zölle der Trump-Regierung in einer Entscheidung mit sechs zu drei Stimmen größtenteils kippte, sah Nintendo seine Chance. Der Konzern reichte beim US Court of International Trade eine Klage ein mit dem Ziel, bereits gezahlte Zollabgaben zuzüglich Zinsen zurückzufordern – rückwirkend ab Februar 2025.
Milliarden auf dem Spiel – und Nintendo ist nicht allein
Die Klage richtet sich namentlich gegen führende Vertreter der Trump-Regierung, darunter mehrere Kabinettsmitglieder. Ein konkreter Rückforderungsbetrag wurde nicht genannt, doch Nintendo formulierte unmissverständlich: Man habe durch die Zölle erheblichen Schaden erlitten, und ein Urteil zuungunsten des Unternehmens würde „unmittelbaren und nicht wiedergutzumachenden Schaden“ verursachen. Die gesamt eingenommenen Zölle der Trump-Administration auf Importe belaufen sich laut der Klage auf mehr als rund 185 Milliarden Euro weltweit. Nintendo ist dabei in durchaus prominenter Gesellschaft – über tausend internationale Unternehmen, von FedEx bis Costco, haben ähnliche Klagen eingereicht. Das US-amerikanische Zoll- und Grenzschutzbehörde kündigte an, innerhalb von 45 Tagen ein Erstattungssystem einzurichten.
Memes, Ironie und ein weißes Haus mit Pokémon-Problem
Was die Sache zusätzlich würzt: Nur einen Tag bevor die Klage bekannt wurde, verwendete das offizielle Konto des Weißen Hauses die Schrift des Spiels Pokémon Pokopia für MAGA-Propaganda in sozialen Netzwerken. The Pokémon Company distanzierte sich umgehend und betonte, weder involviert zu sein noch eine Genehmigung erteilt zu haben. Das Zusammentreffen beider Ereignisse innerhalb weniger Stunden sorgte im Internet für reichlich Gesprächsstoff. Nutzer in sozialen Netzwerken feierten Nintendos juristischen Vorstoß mit Memes und dunklem Humor – zum ersten Mal seit langer Zeit stehe Nintendos Rechtsabteilung nicht für das Vorgehen gegen junge Fans, sondern für etwas, hinter dem die Community geschlossen stehe. Ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch: Selbst wenn Nintendo gewinnt, fließt das Geld in die Unternehmenskasse – nicht zu den Verbrauchern, die die Preissteigerungen letztlich getragen haben.
Die Nintendo Switch 2 im Preisdruckkessel
Unabhängig vom Ausgang der Klage ist Nintendos Lage nicht frei von Risiken. Der globale DRAM-Engpass treibt die Preise für Arbeitsspeicher und Solid-State-Drives weltweit nach oben. Während Sony und Microsoft bereits laut über mögliche Preisanpassungen nachdenken, hält Nintendo bislang am Verkaufspreis der Nintendo Switch 2 von rund 415 Euro fest. Das Unternehmen beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben aufmerksam, sieht sich jedoch derzeit nicht direkt betroffen. Ob das so bleibt, ist offen – und angesichts der geopolitischen Gemengelage alles andere als garantiert.


