New World Aeternum aus Stores entfernt, Server werden am 31. Januar 2027 abgeschaltet
Die Schockwellen ziehen sich durch die MMORPG-Gemeinde: New World: Aeternum, einst als Amazons großer Einstieg ins MMO-Geschäft gefeiert, ist nun offiziell dem Untergang geweiht. Nachdem Amazon Game Studios im Oktober 2025 das Ende der Entwicklung verkündet hatte, wurde das Spiel am 15. Januar 2026 aus allen digitalen Stores verbannt. Die Steam-Seite existiert zwar noch, doch kaufen kann man das Spiel nicht mehr. Die Server werden exakt ein Jahr später, am 31. Januar 2027, für immer abgeschaltet. Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack und die Frage: Wie konnte es so weit kommen?
Ein langsames Sterben: Vom Hype zum Exodus
Als New World im September 2021 auf den Markt kam, herrschte regelrechte Euphorie. Über eine Million gleichzeitiger Spieler stürmten die Insel Aeternum, und Amazon schien endlich im Gaming-Geschäft Fuß zu fassen. Doch der anfängliche Hype verebbte schnell. Exploits, Balance-Probleme und ein Mangel an Endgame-Content trieben die Spielerzahlen in den Keller. Die Konsolenversion, die unter dem Namen New World: Aeternum erschien, sollte frischen Wind bringen – doch sie kam zu spät und konnte die verlorene Spielerschaft nicht zurückgewinnen.
Nun steht das unvermeidliche Ende bevor. Während Neueinsteiger keine Chance mehr haben, sich das Spiel zu schnappen, dürfen diejenigen, die es bereits besitzen, noch ein Jahr lang durch Aeternum streifen. Die Entwickler haben verkündet, dass die gesamte verbleibende Spielzeit von der Nighthaven-Saison bestimmt wird – keine neuen Inhalte, keine Updates, nur ein langer Abschied.
Dankesworte mit bitterem Beigeschmack
In einem offiziellen Blogpost versuchte Amazon Game Studios, den Abschied würdevoll zu gestalten. „Wir möchten den Spielern für ihre Hingabe und Leidenschaft danken“, schrieb das Studio. „Wir sind dankbar für die Zeit, die wir gemeinsam mit euch beim Erschaffen der Welt von Aeternum verbracht haben. Gemeinsam haben wir etwas Besonderes aufgebaut. Obwohl es uns traurig stimmt, Lebewohl zu sagen, fühlen wir uns geehrt, so viel mit der Community geteilt zu haben.“
Solche Worte klingen schön, doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass New World ein kommerzieller Flop war. Die Entwicklung wurde eingestampft, nachdem klar wurde, dass die laufenden Kosten die Einnahmen nicht rechtfertigten. Amazon ist kein Indie-Studio, das sich an jedem Cent festklammern muss – aber selbst der E-Commerce-Gigant hat irgendwann genug.
Der In-Game-Shop schließt im Juli: Keine Rückerstattungen
Ein besonders pikantes Detail: Der In-Game-Shop wird bereits am 20. Juli 2026 dichtgemacht, also ein halbes Jahr vor der endgültigen Serverabschaltung. Spieler können dann keine Marks of Fortune mehr kaufen, die virtuelle Währung des Spiels. Wer noch welche auf dem Konto hat, schaut in die Röhre – Rückerstattungen wird es keine geben. Das ist nicht nur enttäuschend, sondern auch ein klares Signal: Amazon will so schnell wie möglich alle finanziellen Verpflichtungen aus New World streichen.
Dass die Rise of the Angry Earth-Erweiterung im Oktober 2025 kostenlos für alle PC-Spieler wurde, war bereits ein Warnzeichen. Es war weniger ein Geschenk als vielmehr ein Versuch, die schrumpfende Spielerbasis bei Laune zu halten, bevor das Messer endgültig fällt.
Amazons Strategiewechsel: Weg von AAA, hin zu KI und Casual Games
Das Schicksal von New World ist kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Umstrukturierung bei Amazon. Im vergangenen Jahr traf das Unternehmen eine Entlassungswelle, die über 14.000 Mitarbeiter betraf – auch im Gaming-Bereich. Amazon verkündete, dass man sich künftig auf „Casual- und KI-fokussierte Spiele“ konzentrieren wolle, anstatt weiter in risikoreiche AAA-Titel zu investieren. Das passt ins Bild: New World war ein teures Experiment, das nicht den erhofften Erfolg brachte. Crucible, ein anderer Amazon-Titel, wurde bereits 2020 nach nur wenigen Monaten eingestampft. Offenbar hat der Konzern keine Lust mehr, im harten Wettbewerb des traditionellen Gaming-Marktes mitzumischen.
Stattdessen setzt Amazon auf Bereiche, in denen es bereits stark ist: Cloud-Infrastruktur, künstliche Intelligenz und leicht zugängliche Mobile-Games. Das mag wirtschaftlich sinnvoll sein, hinterlässt bei den Fans von New World aber ein Gefühl der Enttäuschung.
Ein Jahr Gnadenfrist: Was bleibt zu tun?
Für diejenigen, die New World: Aeternum noch besitzen, bleibt ein Jahr, um Abschied zu nehmen. Die Nighthaven-Saison wird durchlaufen, doch ohne neue Inhalte droht Stagnation. Viele Spieler werden vermutlich früher aussteigen, sobald die Wiederspielbarkeit erschöpft ist. Andere wiederum könnten die Gelegenheit nutzen, um noch einmal in Nostalgie zu schwelgen und die letzten Wochen mit ihrer Community zu verbringen.
Interessanterweise hat sich bereits Garry Newman, der Entwickler von Rust, öffentlich angeboten, New World von Amazon zu kaufen. Ob daraus etwas wird, bleibt abzuwarten – doch es zeigt, dass zumindest einige in der Branche das Potenzial des Spiels erkennen, auch wenn Amazon selbst aufgegeben hat.


