Neue Spannungen im Libanon: Hisbollah-Chef warnt vor Bürgerkrieg
Die politische Lage im Libanon nimmt erneut eine kritische Wendung. Der stellvertretende Generalsekretär der Hisbollah, Naim Kassim, hat eindringlich vor einem möglichen Bürgerkrieg gewarnt, falls die libanesische Regierung ihre Pläne zur Entwaffnung der schiitischen Miliz weiter verfolgt. Seinem Vorwurf nach handelt die Regierung dabei auf Betreiben Israels und der USA. In seiner von den Medien übertragenen Rede stellte Kassim klar, dass ein inneres Zerreißen des Libanon drohen könnte, sollte die Einheit des Landes nicht gewahrt bleiben.
Ministerpräsident Nawaf Salam reagierte scharf auf Kassims Äußerungen und verurteilte sie als unzulässige Androhung eines Bürgerkriegs. Er betonte, dass im Libanon keine Partei Waffen besitzen dürfe, die nicht der staatlichen Autorität unterstehen. Der Fahrplan zur Entwaffnung der Hisbollah sieht eine vollständige Umsetzung bis Jahresende vor, wobei die libanesische Armee die Aufgabe hat, die Durchführung dieses anspruchsvollen Plans bis Ende August zu konkretisieren.
Die Existenzberechtigung der Hisbollah bleibt heftig umstritten. Die Miliz verbündet sich gegenwärtig in einem teils militärisch intensiven Konflikt mit Israel, der sich mit dem Gaza-Krieg im Oktober 2023 verschärft hat. Trotz einer im November beschlossenen Waffenruhe kommt es weiterhin zu Spannungen und vereinzelten Luftschlägen, die das Verhältnis belasten. Trotz ihrer erheblichen Verluste im militärischen und personellen Bereich, einschließlich dem Tod des prominenten Führers Hassan Nasrallah im vergangenen Jahr, bleibt die Hisbollah eine prägende Macht im libanesischen Parlament und verfügt über kontinuierlichen Rückhalt innerhalb der schiitischen Gemeinschaft. Die politische und Sicherheitslage im Land bleibt fragil, nicht zuletzt wegen der historischen Belastungen eines langjährigen Bürgerkriegs und mehrerer kriegerischer Auseinandersetzungen mit Israel.

