Nestlé trennt sich von CEO Freixe – Philipp Navratil übernimmt in schwieriger Phase
Nestlé hat seinen Vorstandschef Laurent Freixe mit sofortiger Wirkung entlassen. Grund ist eine interne Untersuchung, die eine nicht offengelegte Beziehung zu einer direkten Mitarbeiterin und damit einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex bestätigte. An seine Stelle rückt Philipp Navratil, bislang Chef der Kaffeemarke Nespresso.
Freixe war erst im August 2023 nach fast vier Jahrzehnten im Konzern zum CEO ernannt worden. Sein abruptes Ausscheiden trifft Nestlé in einer Phase schwächelnder Geschäfte: Die Verkäufe in Kernbereichen stagnieren, französische Behörden ermitteln wegen möglicher Verstöße bei der Wasserfiltration, und in den USA musste der Konzern Tiefkühlprodukte wegen Kontamination zurückrufen.
Die Ermittlungen gegen Freixe begannen im Frühjahr nach Hinweisen über das interne Meldesystem „Speak Up“. Zunächst als unbegründet eingestuft, bestätigte eine zweite Untersuchung unter Einbindung externer Juristen den Vorwurf. Der Verwaltungsrat zog daraufhin die Konsequenz.
Navratil ist seit 2001 bei Nestlé, begann als interner Revisor und machte Karriere in Lateinamerika sowie im Kaffeegeschäft. Unter seiner Leitung wuchs Nespresso trotz zunehmender Konkurrenz profitabel. Analysten wie Jean-Philippe Bertschy von Vontobel sprechen von einer „ermutigenden Personalentscheidung“ – gerade in einem Jahr, in dem die Aktie mehr als 40 Prozent vom Hoch 2022 verloren hat.
Der Machtwechsel fällt zudem in eine Zeit größerer Umbrüche im Verwaltungsrat. Langzeitpräsident Paul Bulcke will im Juni 2025 abtreten; als Nachfolger ist Ex-Inditex-Chef Pablo Isla im Gespräch.


