Verteidigung

Nato-Manöver und Trump – «Auf Arbeitsebene merkt man nichts»

29. Januar 2026, 15:23 Uhr · Quelle: dpa
Nato-Manöver «Steadfast Dart 26»
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bei «Steadfast Dart 26» wird die Verlegung von Truppen und Material innerhalb Europas geübt.
Die Nato probt die Truppenverlegung im großen Stil für den Konfliktfall. Von Spanien aus werden Schiffe Richtung Deutschland auf den Weg geschickt. Die USA sind nicht dabei – als Thema aber schon.

Rota (dpa) - Komfort gönnt sich der ehemalige Kampfjetpilot und Vier-Sterne-General bei diesem Trip nicht: In einer Art fliegenden Turnhalle mit ohrenbetäubendem Propellerlärm angeschnallt im Hängesitz an der Wand reist Nato-Kommandeur Ingo Gerhartz von Berlin nach Südspanien. Die Atmosphäre im Truppentransporter A400M liege ihm, erzählt er auf dem Flug. 

Gerhartz kommandiert aktuell das größte Nato-Manöver des Jahres. Im Militärhafen Rota besucht der frühere Luftwaffenchef eine Teilübung davon. Das Thema US-Präsident Donald Trump reist mit.

«Abschreckung potenzieller Aggressoren»

Bei dem Manöver geht es darum, der Öffentlichkeit und damit auch potenziellen Angreifern von Nato-Gebiet zu zeigen, dass das Bündnis innerhalb Europas schnell Truppen zusammenziehen und von Süden und Westen nach Norden und Osten verlegen kann. Gedacht ist das Ganze als «Fähigkeitsdemonstration zur Abschreckung potenzieller Aggressoren», wie es bei der Bundeswehr genannt wird. «Steadfast Dart 26» (in etwa: standfester Pfeil) heißt die Großübung, die draußen auf dem Meer stattfindet, aber auch für viele Bürger sichtbar werden könnte.

Verlegung und Logistik

Tausende Soldatinnen und Soldaten, Material und Militärfahrzeuge aus verschiedenen europäischen Ländern werden nach Deutschland verlegt: Kriegs- und Frachtschiffe kommen in deutschen Häfen an, entladen Militärfahrzeuge, Tankwagen, Jeeps und Material. Konvois rollen aus Italien oder Tschechien nach Deutschland. Truppen werden aus der Türkei und Griechenland eingeflogen. Mehr als 1.500 Militärfahrzeuge, darunter Kampfpanzer und Raketenwerfer und mehr als 20 Flugzeuge und Kampfjets kommen laut Nato zum Einsatz.

«Speerspitze der Nato» im Einsatz

Bestritten wird das Großmanöver von der sogenannten Allied Reaction Force (ARF) der Nato, einer schnellen rund 40.000 Soldaten starken Eingreiftruppe, die ständig in Bereitschaft ist – die «Speerspitze der Nato» (Bundeswehr). Elf Nato-Länder nehmen bis März an der Übung teil, mit rund 10.000 Soldaten. 

In Rota sammeln sich zunächst sechs Schiffe aus Spanien und der Türkei, von dort geht es in den kommenden Tagen Richtung Kiel. Weitere Schiffe aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Polen stoßen später hinzu. Unterwegs wird auch die Sicherung des Konvois durch Luftunterstützung geübt, denn im Konfliktfall würde ein Gegner höchstwahrscheinlich versuchen, solche Truppenverlegungen zu stören.

Deutschland liegt in der Mitte

Bei dem Manöver geht es insbesondere um die Rolle Deutschlands als sogenannter Drehscheibe. Warum Drehscheibe? Im Konfliktfall mit Russland etwa im Baltikum wäre Deutschland aufgrund seiner geografischen Lage Basis und Transitland. Mit sehr kurzer Vorlaufzeit müssten gegebenenfalls bis zu 800.000 Soldaten, Material und Waffensysteme aus verschiedenen Nato-Staaten über Deutschland nach Osten verlegt werden. Der Transport über Straßen, Brücken, Schienen, Verpflegung, Treibstoff, medizinische Versorgung, technische Unterstützung müssen sichergestellt sein. De facto führten alle Nachschubwege über Deutschland, hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, gesagt.

Das laufende Nato-Manöver besteht aus einer Verlegungs- und einer Übungsphase. Ein zentraler Schauplatz soll im Februar der niedersächsische Truppenübungsplatz in Bergen in der Lüneburger Heide werden – einer der größten Truppenübungsplätze in Europa. Aber auch an anderen Orten wird geübt, etwa an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein. Am Truppenübungsplatz Putlos etwa will das Militär eine amphibische Landung demonstrieren.

Übung ohne USA 

Die USA sind bei der Übung nicht dabei. Das hat nach Angaben der Nato keinen politischen, sondern einen anderen Hintergrund: Die beteiligten Nationen in der ARF wechseln immer wieder durch. Anwesend sind die USA trotzdem – als Gesprächsthema. 

Kann man sich auf das Land, dessen Präsident die Nato-Partner immer wieder vor den Kopf stößt, noch verlassen? Gibt es noch normale Zusammenarbeit unter Trump? Ja, wird einhellig betont. «Auf der Arbeitsebene spürt man nichts», sagt Gerhartz, der zu den ranghöchsten Generälen der Nato gehört beim Besuch auf dem spanischen Flagschiff «Castilla». Die Arbeit mit seinen amerikanischen Kollegen auf der Nato-Führungsebene läuft demnach reibungslos. «Das sind meine Freunde», sagt er. Die USA würden in der Nato bleiben, da gebe es auf seiner Ebene – er habe täglich mit den Amerikanern zu tun – keine Zweifel.

«Für die Politik sind andere zuständig»

In der täglichen Zusammenarbeit habe sich nichts geändert, sagt auch Juan Bautista Pérez Puig, Chef der spanischen Marine auf der «Castilla» am Rande einer Vorführung zur Verladung von Militärfahrzeugen. Die einfachen Soldaten auf dem Schiff, die bald Richtung Deutschland in See stechen, beschäftigt das Thema Trump nach eigener Aussage weniger. «Wir tun unseren Dienst, für die Politik sind andere zuständig», sagt ein Matrose. Andere äußern sich ähnlich.

Verteidigung / Militär / Nato / Spanien / Deutschland / Manöver / Truppenverlegung
29.01.2026 · 15:23 Uhr
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