Nahrungsergänzungsmittel in der Kritik: Verbraucher unterschätzen Risiken
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Doch eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Verbraucherzentralen legt offen, dass viele Deutsche über die Sicherheitsstandards dieser Produkte im Unklaren sind. Fast die Hälfte der Befragten geht fälschlicherweise davon aus, dass Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf behördlich geprüft werden. Tatsächlich liegt die Verantwortung für die Unbedenklichkeit der Produkte bei den Herstellern. Die Behörden beschränken sich auf risikoorientierte Stichprobenkontrollen.
Die Umfrage zeigt zudem, dass 77 Prozent der Befragten regelmäßig zu Vitaminpillen oder anderen Präparaten greifen. Bemerkenswert ist, dass 24 Prozent der Teilnehmer Nahrungsergänzungsmittel als natürliche Arzneimittel statt als Lebensmittel betrachten. Diese Fehleinschätzung könnte einen wesentlichen Einfluss auf den Konsum haben und wird durch die oft unkritische Werbung in sozialen Medien verstärkt.
Der Einfluss von Social-Media-Plattformen auf den Konsum darf nicht unterschätzt werden. Wie Jochen Geilenkirchen vom Verbraucherzentrale Bundesverband warnt, verbreiten Influencer häufig Gesundheitsaussagen, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Diese Botschaften erreichen schnell ein breites Publikum, das auf deren Wahrheitsgehalt vertraut.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung mahnt zur Vorsicht: Für Menschen mit ausgewogener Ernährung sei der zusätzliche Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln oft nicht notwendig. In besonderen Fällen, wie bei Schwangeren, könne die gezielte Einnahme jedoch sinnvoll sein.
Die Verbraucherschützer fordern eine deutschlandweite Initiative zur Einführung eines EU-weiten Zulassungsverfahrens sowie die Festlegung von Höchstmengen für Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Die Sicherheit dieser Produkte müsse gewährleistet sein, um das Vertrauen der Verbraucher nicht zu gefährden.

