Moskau: Entführer der «Arctic Sea» festgenommen

18. August 2009, 22:35 Uhr · Quelle: dpa
Moskau (dpa) - Der Hochsee-Thriller um die «Arctic Sea» hat eine neue Wende genommen. Nach russischen Angaben wurden acht Piraten gefasst, die den finnischen Frachter vor drei Wochen in der Ostsee gekapert haben sollen.

Frühere Spekulationen, wonach Seeräuber das Schiff damals nach wenigen Stunden bereits wieder verlassen haben sollen, erwiesen sich damit als falsch. Viele Fragen bleiben jedoch weiter unbeantwortet.

Russische Behörden brachten am Dienstag nur wenig Licht ins Dunkel um das mysteriöse Verschwinden des Schiffes. Die mutmaßlichen Schiffsentführer stammten aus Russland, Estland und Lettland, sagte der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow am Dienstag. Die russische Schwarzmeerflotte hatte das Schiff mit den 15 russischen Seeleuten an Bord am Montag in der Nähe des westafrikanischen Inselstaates Kap Verde befreit.

Angehörige der geretteten Seeleute und die russische Seefahrergewerkschaft beklagten am Dienstag, dass der Geheimdienst weiter den persönlichen Kontakt verhindere. «Ich weiß bisher nur aus den Nachrichten von der Befreiung», sagte Jelena Sarezkaja, die Ehefrau des «Arctic Sea»-Kapitäns Sergej Sarezki. Über den Verbleib der Männer machte das russische Verteidigungsministerium zunächst keine Angaben. Die Gewerkschaft forderte, die Seeleute umgehend nach Hause zu fliegen. Die finnische Polizei konnte die Festnahme der Piraten am Dienstag zunächst nicht bestätigen.

Die internationale Zusammenarbeit in dem mysteriösen Fall sei zwar bis zum Auffinden des angeblich mit Holz beladenen Schiffs «sehr gut» gewesen, sagte der leitende Kommissar der finnischen Kriminalpolizei, Rabbe von Hertzen, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Helsinki. Doch funktioniere die Kooperation nicht «Minute für Minute». An der Befragung der Seeleute sei die finnische Polizei ebenfalls nicht beteiligt gewesen. Die finnischen Behörden baten Moskau darum, an der endgültigen Aufklärung mitwirken zu können.

Auch die EU-Kommission sei mit der Zusammenarbeit der europäischen Staaten bei der Suche nach der «Arctic Sea» zufrieden. «So wie wir das heute sehen, hat es eine funktionierende Koordinierung und Kooperation gegeben», sagte ein Sprecher der Kommission am Dienstag in Brüssel. Der Stoff sei reif «für einen Hollywood-Film», sagte er. Einzelheiten nannte jedoch auch er unter Verweis auf laufende Ermittlungen in rund 20 Staaten nicht.

Die verdächtigten Piraten hatten die «Arctic Sea» laut Serdjukow bereits am 24. Juli vor der schwedischen Ostsee-Küste in ihre Gewalt gebracht. Nach seiner Darstellung hatten sich zwei Russen, zwei Letten und vier Esten der «Arctic Sea» in einem Schlauchboot genähert und unter dem Vorwand, in Seenot zu sein, die Besatzung um Hilfe gebeten. Das berichtete Serdjukow dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew unter Berufung auf Ermittler.

Eine ähnliche Version hatte laut schwedischen Behörden die Besatzung an ihre finnische Reederei gemeldet - eine Woche nach dem Überfall am 24. Juli. Allerdings hatte es damals geheißen, der als Drogenfahnder getarnte Überfalltrupp habe das Schiff nach zwölf Stunden wieder verlassen. Russische Medien berichteten, die Entführer seien wohl die ganze Zeit weiter an Bord geblieben.

Was das eigentliche Ziel des Überfalls war, blieb auch am Dienstag unklar. Medien hatten von Lösegeldforderungen berichtet. Diese wurden allerdings weder von Behördenseite noch von der finnischen Reederei jemals bestätigt. Der Direktor der Reederei, Viktor Matwejew, sagte dem Internetportal Life.ru, es habe weder eine Forderung nach Lösegeld gegeben, noch sei Geld geflossen.

Auch zur Rolle der Besatzung, die nicht zu ihren Angehörigen gelassen wird, zum Verbleib des Schiffes und zu Einzelheiten der Befreiungsaktion fehlen weiter verlässliche Informationen. Der Frachter sei jetzt beschädigt und müsse aufwendig aus afrikanischen Gewässern geborgen werden, sagte Matwejew.

Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin hatte eingeräumt, dass in den Tagen vor der Befreiung absichtlich falsche Informationen verbreitet worden seien, um die Ermittlungen und die Rettung der Crew nicht zu gefährden.

Das Schiff war nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums bereits seit Ende Juli in der Gewalt der Entführer. Nach dem Überfall seien alle Navigationsgeräte und die Bordtechnik abgestellt worden, sagte Serdjukow. Er erklärte damit den fehlenden Funkkontakt und das wochenlange Rätselraten um den Verbleib des Schiffs. Die russische Staatsanwaltschaft teilte mit, dass den Piraten im Fall einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren drohe.

Schifffahrt / Piraten / Großbritannien / Russland
18.08.2009 · 22:35 Uhr
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