Investmentweek

Moral am Abgrund: Der blutige Geheim-Plan von Total und Siemens Energy

27. Mai 2026, 13:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Moral am Abgrund: Der blutige Geheim-Plan von Total und Siemens Energy
Foto: InvestmentWeek
Ein gigantisches Gasprojekt von Total Energies in Mosambik gerät außer Kontrolle. Auch der deutsche Konzern Siemens Energy steht unter Beschuss.
Mosambik taumelt am Abgrund. Während Total Energies ein fossiles Milliardenprojekt durchpeitscht, steht Partner Siemens Energy wegen schwerer Menschenrechtsvorwürfe extrem unter Beschuss. Ein toxischer Mix aus Terror und skrupelloser Profitgier zwingt das afrikanische Land in die Knie.

In Deutschland wickelt der französische Energieriese Total Energies derzeit mutmaßlich seine teuren Windkraftprojekte vor den Küsten von Nord- und Ostsee ab. Die grüne Transformation rechnet sich offenbar nicht mehr in den Bilanzen der Pariser Konzernzentrale. Doch während in Europa der Rückzug aus den Erneuerbaren geprobt wird, läuft auf dem afrikanischen Kontinent eine fossile Expansion von unvorstellbarem Ausmaß an.

Patrick Pouyanné, der mächtige Chef von Frankreichs größtem Energiekonzern, treibt mit beispielloser Härte das Projekt „Mozambique LNG“ voran. Mit einem Budget von 20 Milliarden US-Dollar entspricht das Investitionsvolumen fast dem gesamten Bruttoinlandsprodukt von Mosambik. Es geht um die Ausbeutung gigantischer Erdgasvorkommen an der Nordküste eines der ärmsten Länder der Welt.

Die geopolitischen Verwerfungen spielen dem Konzern dabei auf makabre Weise in die Karten. Der eskalierende militärische Konflikt im Nahen Osten und die faktische Sperrung der Straße von Hormus haben die globalen Energiemärkte in Panik versetzt. Flüssiggas ist begehrter denn je und die Preise schießen durch die Decke. Im Rausch der erwarteten Rekordgewinne frohlockte Pouyanné bereits bei einer Analystenkonferenz, Mosambik könne sich schon bald in das „Katar Afrikas“ verwandeln. Er betonte, man sei stolz darauf, dieses Projekt in Mosambik mit aufzubauen.

Die afrikanische Halbinsel wandelt sich in eine lukrative Festung der fossilen Industrie

Die Anlage entsteht an der schwer zugänglichen Küste der nördlichen Provinz Cabo Delgado. Hier sollen die Erdgasfelder Golfinho und Atum erschlossen und eine gigantische Verflüssigungsanlage errichtet werden. Das Ziel ist ehrgeizig und auf enormen Output getrimmt. Jährlich sollen 13 Millionen Tonnen Erdgas auf die Weltmeere verschifft werden.

Doch die Realität vor Ort gleicht eher einem Hochsicherheitstrakt in einem Kriegsgebiet als einer modernen Industrieanlage. Satellitenbilder offenbaren ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Ein doppelter Zaun umschließt das gesamte Baugebiet und integriert selbst den lokalen Flughafen in die Anlage. Die externe Versorgung der Baustelle erfolgt fast ausschließlich aus der Luft oder über das Meer. Transporte über den Landweg gelten als schlichtweg zu gefährlich.

Seit dem Jahr 2017 wird die Provinz Cabo Delgado von massiven Aufständen militanter islamistischer Gruppierungen erschüttert. Die grausame Bilanz dieses Konflikts umfasst Tausende Tote und Hunderttausende Vertriebene. Die mosambikanische Armee und das Betreiberkonsortium stehen dieser Bedrohung weitgehend ohnmächtig gegenüber. Aktuell müssen ausländische Truppen aus Ruanda eingeflogen werden, um überhaupt ein absolutes Mindestmaß an Sicherheit rund um die Gasfelder zu gewährleisten.

Schwere Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen überschatten das gesamte Unterfangen

Die fragile Sicherheitsarchitektur brach im Jahr 2021 endgültig zusammen, als dschihadistische Milizen die nahegelegene Stadt Palma angriffen. Total Energies rief umgehend den Zustand der höheren Gewalt aus und zog seine Belegschaft ab. Doch hinter den Kulissen der formellen Betriebseinstellung offenbaren sich nun immer düsterere Details über die Kooperation des Konzerns mit dem lokalen Militär.

Recherchen von internationalen Medien legten nahe, dass mosambikanische Streitkräfte, die von dem Konsortium finanziell und materiell unterstützt worden sein sollen, grauenvolle Taten verübt haben. Menschen sollen direkt am Eingang des LNG-Projekts in Frachtcontainern eingepfercht worden sein. Berichten zufolge kamen dabei 97 Personen qualvoll ums Leben. Der französische Konzern bestreitet sämtliche Anschuldigungen vehement, doch die juristischen Mühlen mahlen bereits.

In Frankreich ermittelt die Staatsanwaltschaft in Vorermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung. Zusätzlich hat das European Center for Constitutional and Human Rights eine Klage wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Folter und Verschleppung eingereicht. Clara Gonzales von der Menschenrechtsorganisation bringt die Verantwortung der Wirtschaft auf den Punkt. „Unternehmen und ihre Führungskräfte sind keine neutralen Akteure, wenn sie in Konfliktgebieten tätig sind“, so die Juristin. Die europäischen Regierungen ziehen längst Konsequenzen. Großbritannien und die Niederlande entzogen dem Projekt bereits im vergangenen Dezember Exportgarantien in Milliardenhöhe.

Die internen Konflikte bei Siemens Energy erreichen eine völlig neue Eskalationsstufe

Auch in Deutschland schlägt das afrikanische Gasprojekt hohe Wellen und bringt einen nationalen Vorzeigekonzern massiv in Bedrängnis. Siemens Energy, dessen Aktienkurs sich dank voller Auftragsbücher prächtig entwickelt, sieht sich plötzlich mit massiven Protesten konfrontiert. Das Unternehmen hatte im Jahr 2020 vertraglich zugesichert, sechs Gasturbinen und vier hochkomplexe Kompressoren für das umstrittene Projekt zu liefern.

Auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Berlin eskalierte der Konflikt zwischen Aktivisten und dem Management. Sonja Meister von der Organisation Urgewald konfrontierte die Unternehmensspitze mit harten Fakten über vertriebene Familien und zerstörte Lebensgrundlagen. Sie richtete einen direkten Appell an den Vorstandsvorsitzenden Christian Bruch. „Herr Bruch: Wenn Sie keine schwerwiegenden Bedenken bei diesem Projekt haben, verliert Siemens Energy jegliche Glaubwürdigkeit für Standards bei Klimaschutz und Menschenrechten. Es ist mehr als an der Zeit, dass sich Ihr Unternehmen endlich von diesem Projekt zurückzieht.“

Doch die Konzernleitung reagiert mit bürokratischer Kälte. CEO Christian Bruch verteidigte das Engagement und verwies auf bestehende Lieferverträge, die rechtlich bindend seien. „Wir sind natürlich immer wieder in Krisengebieten unterwegs“, rechtfertigte sich der Manager. Gleichzeitig offenbarte er das enge strategische Band zu den französischen Partnern. Total Energies sei ein superwichtiger Kunde, betonte Bruch und ergänzte, man habe großes Vertrauen in deren Verhalten. Hinter verschlossenen Türen im Aufsichtsrat wurden ethische Bedenken offenbar zugunsten des lukrativen Geschäfts und der Beherrschbarkeit von Risiken vom Tisch gewischt. Kleinere Subunternehmer sehen dies als Freifahrtschein. „Ist der Name Siemens Energy dabei, dann kann es ja nicht schlimm sein“, resümiert der Menschenrechtler Daniel Ribeiro die fatale Signalwirkung.

Ein undurchsichtiges Steuersystem maximiert den Profit auf Kosten der lokalen Bevölkerung

Während Total Energies öffentlich Besserung gelobt und einen Fonds für sozioökonomische Entwicklung in Aussicht stellt, zeigen Finanzanalysen ein völlig anderes Bild. Das Recherchehaus Somo deckte auf, dass der Konzern sowie beteiligte Mitbewerber offenbar massive Steuerschlupflöcher nutzen. Über komplexe Firmengeflechte und Briefkastenfirmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen Quellensteuern auf den Nullpunkt gedrückt worden sein.

Dieses Gebaren raubt dem hochverschuldeten mosambikanischen Staat genau die Einnahmen, die er dringend benötigen würde, um den sozialen Sprengstoff in der Region zu entschärfen. Große Fondsgesellschaften wie Union Investment und Deka haben die Reißleine gezogen und Total Energies aus ihren Nachhaltigkeitsfonds verbannt. Cornelia Zimmermann vom ESG-Team der Deka stellt unmissverständlich klar, wie Investoren das Risiko bewerten. „Wenn sie diese Menschenrechtslage im Umfeld ihrer Projekte nicht in den Griff bekommen, dann sollten sie sich daraus zurückziehen“, so die Expertin. Sie weist darauf hin, dass durch Verzögerungen und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen die Kosten steigen und das massiv an der Rentabilität nage.

Die globale Wirtschaft hungert nach Energie, und Analysten wie Peter Bofin vom Sicherheits-Thinktank ACLED warnen davor, dass Gasprojekte außerhalb der großen Förderländer nun noch attraktiver werden. Der reine Profit treibt das System, während Mosambik selbst durch den massiven Ölpreisschock tiefer in eine wirtschaftliche Rezession rutschen könnte.

Der versprochene Reichtum Afrikas fließt durch undurchsichtige Kanäle direkt in die Taschen westlicher Konzerne, während die lokale Zivilbevölkerung den Preis mit Vertreibung und Tod bezahlt. Wenn das die ehrliche Bilanz der globalen Energiesicherheit ist, dann gleicht jeder geförderte Kubikmeter dieses Gases einem schmerzhaften Zeugnis der absoluten unternehmerischen Verrohung.

Finanzen / Märkte / Total Energies / Siemens Energy / Mosambik / LNG Projekt / Menschenrechte / Cabo Delgado
[InvestmentWeek] · 27.05.2026 · 13:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, cryptocurrency, digital, money, electronic, coin, virtual, cash, payment, currency
Manuel Aráoz, Mitbegründer der Sicherheitsfirma OpenZeppelin, hat am 26. Mai öffentlich empfohlen, sich komplett aus dem DeFi-Bereich zurückzuziehen, einschließlich der etablierten Protokolle. Seiner Ansicht nach haben KI-gestützte Coding-Agenten das Sicherheitsgleichgewicht so stark zugunsten der Angreifer verschoben, dass derzeit keinem Protokoll mehr vertraut werden […] (00)
vor 22 Minuten
Bürgerfest zu 75 Jahren Grundgesetz (Archiv)
Düsseldorf - NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer (Grüne) kritisiert die geplanten Kürzungen beim Bundesprogramm "Demokratie Leben". "Ausgerechnet jetzt, wo Rechtsextreme wieder mehr Zustimmung erfahren, plant die Bundesregierung einschneidende Veränderungen beim Bundesprogramm `Demokratie Leben`", sagte Schäffer der "Rheinischen Post". Wichtige […] (00)
vor 8 Minuten
Mel C
(BANG) - Mel C hatte "kein Problem" damit, dass die Leute während ihrer Zeit bei den Spice Girls "annahmen", sie sei lesbisch. Doch die 52-jährige Sängerin – die in den Anfangsjahren der Gruppe den Spitznamen "Sporty Spice" erhielt – war nicht begeistert davon, dass die Leute sie aufgrund ihrer Kleidung für homosexuell hielten. Bei einem Auftritt in der […] (00)
vor 2 Stunden
Gesetzentwurf Cybersicherheit
Berlin (dpa) - Die Bundesregierung will jenseits von präventiven Maßnahmen künftig auch eine «aktive Cyberabwehr» erlauben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt (BKA) sollen zusätzliche Werkzeuge in die Hand bekommen, um Cyberangriffe abzuwehren. Dabei geht es unter anderem um die […] (00)
vor 21 Minuten
„Quality beats Quantity“ – Dying Light: The Beast hat Techland eine harte Lektion erteilt
Tymon Smektala war über ein Jahrzehnt das Gesicht der Dying Light-Reihe. Jetzt, kurz nach seinem Abschied von Techland, spricht der ehemalige Franchise-Direktor mit ungewohnter Offenheit über das, was bei Dying Light 2 schieflief – und warum The Beast die bitter nötige Kurskorrektur war. Sein Fazit ist so simpel wie vernichtend: „Wir haben gelernt, dass […] (00)
vor 6 Minuten
Kerry Condon
(BANG) - Kerry Condon sagt, es könne "ein wenig dauern", bis die Fortsetzung von 'F1' erscheint. Die 43-jährige Schauspielerin spielte in dem Motorsport-Blockbuster aus dem letzten Jahr die technische Direktorin der APXGP, Kate McKenna, hat jedoch verraten, dass die Produktion der Fortsetzung sich nach dem F1-Kalender und der Verfügbarkeit von Regisseur […] (00)
vor 2 Stunden
Fußball-Nationalmannschaft startet in die WM-Vorbereitung
Herzogenaurach (dpa) - Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird das vorletzte Testspiel vor der Weltmeisterschaft ohne Manuel Neuer bestreiten. Der für die WM ins Nationalteam zurückgeholte Torhüter des FC Bayern München soll seine Wadenverletzung weiter auskurieren. «Wir haben im Trainerteam entschieden, dass er am Sonntag nicht spielen wird», […] (00)
vor 3 Minuten
6-fachtief als Effizienzhebel
Wächtersbach, 27.05.2026 (PresseBox) - Rocketsolution hat es geschafft, als hochautomatisiertes Shuttle System mit seiner 6-fachtiefen Lagerung die Anforderungen an maximale Kapazität auf minimaler Fläche zu ermöglichen, ohne Kompromisse bei Leistung, Verfügbarkeit und Zukunftssicherheit. Das „Rocket Shuttle System“ zählt laut Rocketsolution zu den […] (00)
vor 1 Stunde
 
Gerichtsurteil stärkt Porsche Im Rechtsstreit um den Untergang des Autofrachters […] (00)
Ein Schub für Importeure In einer bedeutenden Entwicklung für den Importsektor hat […] (00)
Barclays senkt Kursziel für Südzucker Die britische Investmentbank Barclays hat das […] (00)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax hat sich am Mittwoch nach einem bereits freundlichen Start […] (01)
Gegen Fußball: International-Bauern mit niedrigster Reichweite aller Zeiten
Zur Primetime ging es wieder auf Höfe in der Ferne, am Vorabend wurden die Gesichter der […] (00)
Barry Manilow
(BANG) - Barry Manilow war nach eigenen Worten schon immer ein widerwilliger […] (01)
007 First Light startet in den Early Access: NVIDIA liefert passenden Game Ready-Treiber
Im Laufe des heutigen Tages können angehende MI6-Agenten in dem mit Spannung […] (00)
Warum Stadtstaaten die Gewinner des 21. Jahrhunderts sind
In seiner wöchentlichen Kolumne analysiert Michael C. Jakob die großen Kräfte hinter […] (00)
 
 
Suchbegriff