MindsEye Studio trennt sich von IO Interactive und übernimmt selbst das Ruder
Das Debakel um MindsEye nimmt eine unerwartete Wendung. Build a Rocket Boy, das Studio hinter dem vielgescholtenen Titel, plant offenbar die Trennung von Publisher IO Interactive – doch nicht etwa, weil der Verlag die Reißleine zieht. Vielmehr will das Entwicklerstudio selbst die Zügel in die Hand nehmen. Was bedeutet dieser ungewöhnliche Schritt für die Zukunft des umstrittenen Projekts?
Eigenregie statt Verlagsabhängigkeit
Insider-Berichten zufolge strebt Build a Rocket Boy eine hausgemachte Publishing-Struktur an, um schnellere Entscheidungswege, simplere Kommunikationskanäle und umfassendere Kontrolle über das Spielerlebnis zu gewährleisten. Diese ambitionierte Kehrtwende kommt überraschend, bedenkt man die verheerenden Kritiken, die MindsEye seit seinem Launch kassiert hat. Die Trennung von IO Interactive bringt jedoch einen bitteren Beigeschmack mit sich: Die bereits verschobene Hitman-Kollaboration dürfte damit endgültig vom Tisch sein. Fans hatten gehofft, dass Agent 47 dem angeschlagenen Titel frischen Wind verleihen könnte – diese Hoffnung zerschlägt sich nun.
Zwischen Schadensbegrenzung und großspurigen Visionen
Trotz magerer Spielerzahlen und massiven Entlassungen, die von der IWGB Game Workers Union scharf kritisiert wurden, pumpt Build a Rocket Boy weiterhin Ressourcen in MindsEye. Ein kürzliches Update entfernte zwar den Free-Roam-Modus, führte aber nutzergenerierte Missionen via ARCADIA zurück. Das Studio sponsert sogar Content-Creator, um dem Titel Sichtbarkeit zu verschaffen. Was jedoch aus dem angekündigten „großen Abenteuer“ im Starstream-Universum geworden ist, bleibt nebulös. Gründer Leslie Benzies‘ vollmundiger Zehn-Jahres-Plan, der Multiplayer-Features und einen neuen Free-Roam-Titel umfassen sollte, wirkt angesichts der aktuellen Turbulenzen zunehmend wie Wolkenkuckucksheim.
IO Interactive verliert einen fragwürdigen Partner
Für IO Interactive, das Studio hinter der erfolgreichen Hitman-Reihe, dürfte die Trennung kaum als Verlust empfunden werden. Die Partnerschaft mit Build a Rocket Boy unter dem Label IOI Partners war eine der ersten Publishing-Kooperationen des dänischen Studios außerhalb eigener Franchises. MindsEye sollte ein AAA-Leuchtturmprojekt werden, entwickelte sich aber zum Debakel. Die Tatsache, dass nicht der Publisher, sondern der Entwickler die Beziehung beendet, zeugt von der ungewöhnlichen Dynamik dieses gescheiterten Unterfangens.
Was kommt als Nächstes für das geschundene Projekt?
Eine offizielle Bekanntgabe der Trennung steht unmittelbar bevor. Build a Rocket Boy beteuert, weiterhin an Verbesserungen und zusätzlichem Content für MindsEye zu arbeiten – ob diese Bemühungen ausreichen, um das ramponierte Image zu kitten, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung, eigenständig zu publizieren, könnte entweder als mutiger Neuanfang oder als verzweifelter Versuch interpretiert werden, ein sinkendes Schiff über Wasser zu halten. Die Gaming-Community beobachtet skeptisch, wohin diese Odyssee noch führen mag.


